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Einzelausstellung: Nikola Röthemeyer - FadenSpiele II (vorbei)

10 März 2012 bis 21 April 2012
  Nikola Röthemeyer - FadenSpiele II
Nikola Röthemeyer
 
  Kuckei + Kuckei

Kuckei + Kuckei
Linienstraße (backyard) 158
10115 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)30-883 43 54
www.kuckei-kuckei.de


Mit der Serie FadenSpiele erschließt Nikola Röthemeyer ein komplexes Feld von neuen Bildwelten. Ihre Arbeiten zeigen Frauenfiguren, versunken in eine handwerkliche Tätigkeit und begleitet von tierischen Gefährten. Doch anders als ihre FrauenZimmer werden die neuen Blätter zu Fenstern in eine fremdartige Welt. Die arbeitenden Frauen sind losgelöst von allen Naturgesetzen und bewegen sich frei auf der Bildebene. Der Raum scheint in ihrer Welt zunächst keine Bedeutung oder Nutzen zu haben. Spätere Arbeiten der Serie beginnen mit der Erkundung des Raumes und der Erschließung zahlreicher Bildebenen. Oft beginnen einzelne Motive zu verblassen, nur um an anderer Stelle, häufig nur als ein Schatten, wieder zu erscheinen. Die tierischen Begleiter umgeben die Protagonistinnen nicht nur, sie werden zu einem Teil des Arbeitsprozesses – vom Panzer der Sternschildkröten wird ein feiner Seidenfaden abgehaspelt, Koboldäffchen klammern sich an windende Frauen und Flughunde teilen sich den Himmel mit Lagen von angestreckter Seide.

In der Komposition weichen die Figuren über das gesamte Blatt. Lücken entstehen, die Nikola Röthemeyer selbst als Pausen beschreibt. Und obgleich Zeit für sie ein zentrales Motiv ihrer Arbeiten ist, werden diese Pausen in der Erzählzeit zu einem festen Element ihres Zeichenvokabulars. Sie schafft damit das Paradoxon der Anwesenheit und Abwesenheit von Zeit in ihren Arbeiten. Der Schlüssel zu diesen Widersprüchen birgt sich in Nikola Röthemeyers tiefer Verbundenheit zum Magischen Realismus – Magische Realität in Form von Träumen und reale Wirklichkeit ergeben eine Synthese, die zu einer dritten Realität führt. Die reale Wirklichkeit bildet dabei das Fundament ihrer Bildwelt. Durch die Recherche schafft sie sich ein Grundgerüst von Begrifflichkeiten, Vorgängen und Typen. Erst diese Ressourcen erlauben ein befreites Arbeiten und das Einfließen der magischen Realität in die Bildwelten.

Verbunden mit der neuen Serie ist auch ein größeres Format, das dem Bedürfnis zu wachsen Ausdruck gibt. Hinzu kommen der Anschnitt der Figuren auf dem Blatt und damit das bewusste Weglassen als Teil des Arbeitsprozesses. Der Entwurf als Motiv hat dabei seine Wurzeln in der klassizistischen Porträtzeichnung und im Besonderen in der Romantik mit der Entdeckung des ästhetischen Reizes des Fragments. Damit wendet sich Nikola Röthemeyer bewusst gegen einen altmeisterlichen Begriff von Zeichnung – der vorbereitenden Übung oder Studie – und vielmehr hin zu den Überlegungen zum Verhältnis von Idee und Zeichnung Federico Zuccharis nach dessen Theorie die Zeichnung Ausdruck des unendlichen mentalen Potentials der menschlichen Seele vor allem durch die unbegrenzte Welt des Fiktionalen werden kann.

Mit der Serie FadenSpiele greift Nikola Röthemeyer auf vertraute Ansätze zurück und schafft es zugleich die Grenzen ihrer Bilderfahrung zu erweitern. Das Motiv des bloßen Einblicks, des Erhaschens eines Moments und des Blicks durch ein Fenster verstärken sich in der Zusammenschau der Arbeiten. Nikola Röthemeyer empfindet Freude und Verpflichtung einem fast verlorenen Gefühl von Wahrheit und Werten Ausdruck zu verleihen. Das Eigene und das Fremde sind kaum mehr voneinander zu trennen, das macht die Arbeiten so erzählerisch dicht und erfüllt gleichzeitig den Wunsch einer Ebene für eigene Deutungsideen.

Jill Leciejewski

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