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KARA WALKER
In den ausgestellten Werken The Means to an End ... Shadow Drama in Five Acts, 1995 und in der Wandarbeit Pastoral, 1998 untersucht die afroamerikanische Künstlerin das grausame Paradox der institutionalisierten Sklaverei in der amerikanischen Geschichte. Ihre Art der Ausleuchtung dieser Greueltaten ist direkt und ohne jede Schönmalerei oder Subtilität: Sie schneidet schwarze Silhouetten menschlicher Gestalten aus, die in groteske und gewalttätige Handlungen involviert sind. Die brutalen Realitäten der Sklaverei und die damit zusammenhängenden Rachephantasien werden ausagiert und in halluzinatorisch anmutenden Bildern und beunruhigenden Erzählungen dargestellt. Aber nicht nur die historischen Tabus werden aufgedeckt: Die exzessive Metaphorik von Walkers Bildern spiegelt die Tatsache wider, daß von den Regeln abweichendes und normales menschliches Verhalten nebeneinander existieren können. Das abweichende Verhalten kann sogar normales unterstützen, was zu neuen, veränderten und nun akzeptierten Regeln führt.
OLGA CHERNYSHEVA
Warten auf ein Wunder, die neue Fotoserie von Olga Chernysheva zeigt russische Frauen im Winter, mit absurden Wollmützen, wie sie auf Moskaus Straßen einkaufen, verkaufen, demonstrieren, warten, frieren, betteln... Ein kurzes Video beobachtet eine Frau, die während einer Demonstration eine Stalin-Brosche auf ihrem Mantel befestigt und einige Nußkerne wie kostbare Schätze in ihrer Tasche verstaut. How they want to see Russia in the West heißt der defensive Titel der Arbeit eines russischen Künstlers, gemünzt auf das Zerrbild, das wir uns im Westen von Rußland machen – eine alte Geschichte, die schon in den zwanziger-Jahren der Anlaß war für einen Film von Lev Koleschov, die sonderbare Reise von Mr. West ins Land der Bolschewiken. Diese Art der "Zwangsrepräsentation", wie die russische Kritikerin Ekateria Dyogot es nennt, das heißt die Problematik der russischen Künstler und Künstlerinnen, Rußland im Westen zu repräsentieren, und unser entsprechend programmiertes rezeptives Verhalten bilden eine Metaebene, die auch bei Olga Chernyshevas Arbeiten– atmosphärisch wie ideologisch – mitgedacht werden muß. Sie nimmt hier, wenn auch ironisch reflektiert, einen traditionellen russischen Topos auf, die mystische Hoffnung auf eine bessere Welt, ein "Himmelreich auf Erden", das mit Natur zusammen gedacht wird. Sie bringt in ihren Auseinandersetzungen mit ganz alltäglichen Dingen eine Art "russischen transzendenten Materialismus" ins Spiel, der auch ihre anderen Arbeiten kennzeichnet. Boris Groys nennt es eine "Verbindung von Ritualen des Alltags mit kosmischen Ursprungsmythen". ( Aus einem Vortrag von Silvia Eiblmayr, Wien 1998)
JOHANNA KANDL
zeigt neue Arbeiten (Temperamalerei auf Holz) von Menschen in Umgebungen, in welchen sie als Künstlerin selber die Fremde ist. Sie hält sich bei Menschen auf, die ihr gegenüber neutral bis feindselig sind, sie photographiert sie, benützt diese Photos dann als Malvorlage: "Für mich ist es auch wichtig, etwas über Leute zu erfahren, die nicht zu meiner Gesellschaftsklasse gehören und nicht meine Ansichten teilen. Dieses Woanders-Hineinschauen sehe ich als meinen künstlerischen Auftrag (...). Ich komme aus Floridsdorf, das in der russischen Besatzungszone lag. In Zeiten des Kalten Krieges galt der Russe als das Böse schlechthin. Die Erzählungen über die bösen Russen gibt es immer noch. Ich wollte es genauer wissen: Wer ist das? Wie schauen sie aus?" Aus diesem Grund hat die Künstlerin u.a. 1994 den Kontakt zu russischen Soldaten gesucht, ihren Truppenabzug aus der ehemaligen DDR und ihre Wiederansiedlung in der Nähe Moskaus dokumentiert. Die Ausstellung entstand mit Unterstützung von KulturKontakt AUSTRIA. |