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Einzelausstellung: Pages / Babak Afrassiabi & Nasrin Tabatabai - Two Archives / Atrium (vorbei)

21 April 2011 bis 13 Juni 2011
  Pages / Babak Afrassiabi & Nasrin Tabatabai - Two Archives / Atrium
Babak Afrassiabi & Nasrin Tabatabai / Pages, Holzbohrturm überblendet mit einem Stahlbohrturm (der ersten erfolglosen Ölbohrung in 1902 und der ersten erfolgreichen Ölquelle 1908 in Südwest-Iran nachgebildet)
 
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Seit 2004 arbeiten Nasrin Tabatabai und Babak Afrassiabi unter dem Namen Pages an gemeinsamen Projekten und produzieren ein gleichnamiges Magazin in Farsi und Englisch. Ihre Projekte basieren auf Recherchen zu den historischen Bedingungen von Politik und kultureller Produktion und deren Re-Artikulation durch Kunst. Die Ausstellung Two Archives ist der Beginn eines dreiteiligen Projektes, das in 2011 stattfindet und neben der Ausstellung einen Workshop und eine gemeinsam produzierte Ausgabe des Magazins Pages umfasst.

In Two Archives verfolgen Tabatabai und Afrassiabi ihr Interesse an historisch ambivalenten Fragestellungen der Moderne. Die für die Ausstellung produzierten Arbeiten gehen von zwei Archiven aus, die in engem Bezug zu Konstruktionen von Moderne und Modernisierung im Iran stehen und verschiedene Materialien, Objekte und Fotografien umfassen.

Eines der Archive ist die Kunstsammlung der westlichen Moderne des Teheraner Museums für Zeitgenössische Kunst, eine umfangreiche Sammlung, die 1977 zeitgleich mit der Eröffnung des Museums eingeweiht wurde. Die Gründung von Museum und Sammlung war Teil eines rasanten Modernisierungsprojekts der damaligen Regierung, das zahlreiche gesellschaftliche und kulturelle Bereiche erfasste. Desweiteren haben sich die Künstler intensiv mit dem Firmenarchiv von British Petroleum (BP) beschäftigt, das die Anfänge des Unternehmens im Iran von 1901 bis 1951 dokumentiert - hier fand das Unternehmen das erste Öl im Mittleren Osten. Dieses Archiv entstand parallel zum rapiden Aufstieg von BP im Iran als Großbritanniens profitabelste Auslandsinvestition und dem Bau der Stadt Abadan für ihre Mitarbeiter. Abadan war zur damaligen Zeit fünftgrößte Stadt im Iran und Modell einer modernen Industriemetropole im Mittleren Osten.

Die Entstehung beider Archive wurde von dem Wunsch nach Verwirklichung der modernistischen Ideale der Universalität und des industriellen Wachstums bestimmt. Jedoch entstanden sie eher in struktureller Abkopplung von ihrer realen historischen Situation und wurden in der Folge durch wechselnde Ereignisse immer wieder unterbrochen - de facto sollte die Zeitgenossenschaft beider Archive gerade in diesen historischen Brüchen selbst gesucht werden: Die iranische Abteilung des BP-Archivs geht nicht über das Jahr 1951 hinaus. In diesem Jahr musste das britische Unternehmen aufgrund von Streiks und politischen Auseinandersetzungen mit der nationalistischen Regierung, die die Nationalisierung der Ölindustrie nach sich zogen, seine Aktivitäten im Iran beenden und die Mitarbeiter evakuieren. Mit der islamischen Revolution von 1979 wurde auch die Beziehung des Museums zu seiner westlichen Sammlung erschüttert und ist bis heute problematisch.

Für die Ausstellung präsentieren Tabatabai und Afrassiabi nicht einfach Dokumente aus den Archiven, sondern greifen vielmehr einige ihrer Aspekte auf, um sie in neue Bilder und Objekte zu übersetzen. Indem sie zu diesen Archiven zurückkehren, versuchen sie rückwirkend eine unabschließbare und unentschiedene Historiographie der Moderne zu reaktivieren.

Die Arbeiten von Pages wurden in Gruppen- und Einzelausstellungen in Lateinamerika, in den USA, im Mittleren Osten und in Europa ausgestellt. Für weitere Informationen siehe http://www.pagesproject.net.

Mit freundlicher Unterstützung durch die Mondriaan Foundation und das Kulturamt, Kulturbüro der Stadt Karlsruhe.

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