Language and login selector start
Language and login selector end

Gruppenausstellung: painting beyond - Malerei, Grafik, Fotografie, Objekt (vorbei)

16 November 2012 bis 5 Januar 2013
  painting beyond - Malerei, Grafik, Fotografie, Objekt
Sebastian Neeb, „Don‘t move - pink wood blue“ 2012, Holzleiste, farbiger Quader, gerahmter Inkjetprint auf Barytpapier, Holzklötzchen, Öl auf Holz, 50 x 75 x 3 cm. courtesy maerzgalerie
 
  maerzgalerie

maerzgalerie
Potsdamerstr. (ex-Tagesspiegel-Innenhof) 77-87
10785 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49 (0)30 - 27 58 13 97
www.maerzgalerie.com


Ein international besetztes Sextett von Künstlern, die zur Zeit in Berlin leben und arbeiten, trifft in der maerzgalerie zusammen und unterbreitet Vorschläge, wie weit "Malerei" reicht und wohin sie weiter führt. Malerei mit weitesten Sinnen aufgefasst.

Jessica Buhlmann (Malerei) organisiert auf ihren großen Leinwandarbeiten abstrakte Farbflächen zueinander und imaginiert so aus einmalig bestimmten Farbfeldern räumliche Eindrücke. Dabei hinterlässt sie teils derbe Spuren ihres Handwerks sichtbar auf der Bildoberfläche und betont das absichtlich Gemachte ihrer Produktionen und deren Souveränität: keine Verweise, Allegorien oder Vergleiche sind intendiert. Das Werk als das Ding an sich existiert ohne Auftrag, ohne Anspruch auf Deutung.
Nicht nachdenken sondern erfahren.

Buhlmanns mächtigen, präsenten "Bau-"Werken stehen die luftig-leicht flüchtigen
Arbeiten von Judith Schwinn (Zeichnung, Objekte) gegenüber.
In unberührbarer Zartheit, wie noch nicht ganz da oder schon wieder entschwunden schweben die Objekt-Miniaturen und die grafischen Gebilde auf Papier im Raum.
Sie sind eher eine Andeutung, die Vorstufe oder die Nachwirkung von etwas, das nur in seinen Spuren sichtbar wird, nicht dem Wesen nach zu erfassen. So erinnern die Gebilde an die Wahrnehmung aus großer Entfernung oder ihre Reduktion kurz vor dem Verschwinden. Die Künstlerin hat die "allgemeine Unbestimmtheit" im Sinn, eine "Ästhetik des Augenblicks", und widerspricht dem Diktum der Allgemeingültigkeit.

Carla Mercedes Hihn (Malerei, Objekt) verbindet Elemente aus Fotografie Malerei und Grafik - auf Glasflächen. Fotografisch animierte urbane Details oder Landschaftsausschnitte sind ebenso wie grafische Elemente und andere Artefakte auf die Glasoberfläche übertragen. Die Künstlerin schafft so eine Sammlung von Flashbacks, Erinnerungsfragmenten und Ausblicken eines fiktiven Beobachters, die Zeit und Raum enthoben ineinander wachsen.
Organisch verbinden sich diese visuellen Notate mit den natürlichen, raumbedingt wechselnden Lichtreflexionen und Spiegelungen auf den Glasflächen in der Galerie.
Die zweidimensionale Projektionsfläche von Malerei existiert zwar formal, aber durch die Beschaffenheit aus Glas erweitert sie sich kaleidoskopartig in alle Dimensionen.
rei im Raum installiert, bilden sich auf den Glasflächen zu den vorhandenen Abbildern jeweils neue dazu ab. Werk und Raum durchdringen sich, sind zwangsläufig miteinander befasst und initiieren gemeinsam die räumliche Entgrenzung der Malerei.

Elmar Vestner (mixed media) arbeitet in entgegengesetzte Richtung. Ausgehend von Abbildungen, großformatigen Fotografien mit Naturmotivik, arbeitet er an deren Reduktion, bis zur Vernichtung ihres ursprünglichen Gehalts; in einer Zerstörungsgeste löscht er Bildinhalte aus, schabt und kratzt den Konsens weg und ersetzt das Ausgelöschte mit Verunklarung - er übermalt die verletzte Oberfläche, bedeckt sie mit Farbmaterial.
Verbindliches und Verständliches wird so unkenntlich gemacht, wird fragwürdig oder verneint. Das Konkrete verschwindet hinter der aufgetragenen, kaum durchlässigen Oberfläche wie in einem Versteck - Malerei nimmt zurück, was zuvor klar und erkennbar schien.

Emmy Skensved (Malerei) experimentiert mit Malerei auf formaler Ebene. Sie befragt den handwerklichen Vorgang nach Ursprung und Ergebnis und erweitert ihn virtuos. Acrylfarbe wird auf Plastikbahnen gestrichen, getrocknet wird sie in Formen geschnitten, vom Untergrund abgelöst und Fläche für Fläche auf die Leinwand aufgetragen und zu mutwilligen Mustern und Zusammenhängen arrangiert.
Der thematische Zusammenhalt dieser Schnipselcollagen ist der Rahmen. Vermeintlich nur der Rand eines Werkes wird der Rahmen zu dessen Idee. Die formalen Regularien von Symmetrie und Rhythmik des Schwarz und Weiß, die Abrundung und Geschlossenheit der Rahmenform wird durchkreuzt und aufgebrochen vom gegensätzlichen Eindruck des Zersplitterung, den die collagierten Farbsegmente ergeben. Schnitt, Riss, Spalt und Splitter widersetzen sich scheinbar dem gestus der Malerei, und folgen doch ihren ureigenen Gesetz.

Sebastian Neeb (Malerei, Objekt, Fotografie) ist der Erzähler innerhalb des Sextetts.
Die gemalten, fotografierten und installierten Werke schaffen aufeinander bezogen ein Universum, das dicht gefüllt und thematisch wirkungsvoll vernetzt ist.
In der engen Verbindung aus wiedererkennbaren Weltgegenständen und rätselhaft Absurdem entstehen Untiefen, die den Betrachter angreifen; ist es doch sichtbar unsere Gegenwart, die da mit verschiedenen Zitaten rekonstruiert wird - und aus der waghalsige Perspektiven und Geschichten abgeleitet werden.
Die Form arbeitet an den Verschiebungen mit; die horizontale Präsentation wird zugunsten von Schräglagen aufgehoben, Bildteile werden ab- oder ausgeschnitten, oder neue hinzugefügt, ganze Bilder werden wiederholt und dabei hochgradig verfremdet.
Der Künstler übernimmt dafür die Verantwortung und tritt an verschiedenen Stellen, sich selbst porträtierend, auf der Bühne seines Ideenkosmos auf. Jedoch nicht als Aufklärer, sondern mit der Geste des Künstlers; nichts ist sicher.

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.