Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Patrick Rohner - Hinterland (vorbei)

18 April 2009 bis 23 Mai 2009
  Patrick Rohner - Hinterland
Patrick Rohner, Nr. 335, 29.09.2004 – 29.10.2008, Oel auf Sperrholzplatte, 170 x 250 cm
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Zur Wahrnehmung der neuen Arbeiten von Patrick Rohner

Ausgangslage:
Das Schaffen des in Rüti im Glarus lebenden Künstlers Patrick Rohner hat seit der letzten Einzelausstellung in der Galerie Mark Müller 2005 eine substantielle Veränderung erfahren. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei zwei großformatigen Lithographien (je 50x70cm) zu, die er im Frühjahr 2008 geschaffen hat (Druck: Ulrich Stoob/St. Gallen). In diesen graphischen Arbeiten werden erstmals Elemente deutlich sichtbar, die sich zuvor in der Malerei bereits abgezeichnet, aber noch nicht in einer solchen Prägnanz durchgesetzt haben. Dieser bedeutende Entwicklungsprozess wird an den aktuellen Arbeiten weiter präzisiert und anschaulich vor Augen geführt.

Entwicklung:
In älteren Werken bleibt der Entstehungsprozess am Verlauf der Farbschichtung oftmals nachvollziehbar. Nun werden die einzelnen Schichten von einer solchen Verdichtung erfasst, dass sich die Werke als organisch-gewachsene, gleichsam autonome Entitäten manifestieren. Obwohl auf einigen der neuen Arbeiten mitunter nur wenig Farbe abgelagert ist, evozieren diese eine hohe materielle Kohärenz. Die Farbschichten werden von zahllosen Einzelkräften durchwirkt, die sich letztlich in einer einheitlichen, dynamischen All-Over-Struktur vereinen. Die enorme Verdichtung der Oberflächenstruktur hat zur Folge, dass die Gemälde ihr äußeres Erscheinungsbild unter wechselndem Lichteinfall permanent verändern und ihr eigentliches Wesen nur langsam preisgeben. Die veränderte Farbigkeit erzeugt einen ähnlichen Eindruck. Es überwiegen subtile Mischtöne (vor allem Grün-, Braun-, Rottöne), die je nach Intensität des Lichts fast monochrom wirken, aber einen überraschenden Reichtum an Farbtönen mit einem vielfältigen Assoziationspotential in sich bergen.

Wahrnehmung und Umsetzung von Natur:
Das visuelle Rohmaterial für seine Kunst findet Patrick Rohner in der Natur, welches er sich während regelmäßiger Begehungen erschließt. Besondere Beachtung finden dabei komplexe geologische Prozesse (wie bspw. Erosion, Sedimentierung), die zunächst chaotisch, zufällig und „abstrakt" erscheinen. So wie diese Phänomene in die Malerei übertragen werden, kann von „abstrakter Kunst" jedoch keine Rede sein. Konkret handelt es sich um „reale" Landschaftsmalerei. „Natur" und „Landschaft" werden nicht auf eine ästhetische, romantisierende oder bloß abbildende Wahrnehmung reduziert, vielmehr werden diese auf ihre inneren Gesetzmäßigkeiten hin befragt. Der Künstler trifft eine Auswahl spezifischer Prozesse, überführt Natur aber nicht in eine weitere, vom Menschen aufgezwungene geometrische oder rationale Ordnung. Geologische Prozesse und Strukturen zeigen sich in diesen Bildern nicht erstarrt, sondern in energetischer Transformation. Dieses dynamische Moment des Zufälligen zeigt sich in den Werken auch daran, dass der Künstler ihr finales Aussehen aufgrund der technischen Vorgehensweise nicht vollständig planen und kontrollieren kann. Auf diese Weise werden gewissermaßen chaotische Prinzipien aus der Natur in die Kunst transferiert und an den Bildern anschaulich und erlebbar gemacht. Die durch den Prozesscharakter der Herstellung freigesetzten Energien übertragen sich so auf die Wahrnehmung der Bilder. Gerade die neuen Werke potenzieren ihre Wirkung, indem sich die verschiedenen Energien und Bewegungsabläufe nicht mehr in einem Nacheinander entfalten, sondern sich zu einer hochgradig rhythmisierten Einheit überlagern und durchdringen. In diesen Werken manifestiert sich ein grundsätzliches und profundes Verständnis fundamentaler Naturprozesse, mit denen sich selbst eine technisch hoch gerüstete Gesellschaft wie die heutige regelmäßig konfrontiert sieht.

Wechselseitige Impulse:
Patrick Rohner ist seit Jahren in verschiedenen Medien (Malerei, Zeichnung, Fotografie, Film, Aufzeichnung) parallel auf hohem künstlerischem Niveau tätig. Auf diese Weise sensibilisiert er nicht nur seine Wahrnehmung, sein Werk profitiert maßgeblich von dieser vielseitigen wechselseitigen Auseinandersetzung. Besonders deutlich wird dieses Moment in den neuesten Zeichnungen, denen die genaue Analyse von Gemälden zugrunde liegt. Die Zeichnungen entstehen also nicht mehr als Skizzen oder Vorstudien für Gemälde, sie emanzipieren sich als eigenständiges und gleichwertiges Medium neben der Malerei. Der Künstler kopiert nicht einfach die Oberfläche der Gemälde, vielmehr sucht er im klaren, analytischen Strich der Zeichnung - ohne ablenkende oder zudeckende Farben - deren Entstehungsprozess und bildimmanente Strukturen nachzuvollziehen und offenzulegen, um so elementare Erkenntnisse über sein künstlerisches Vorgehen zu gewinnen. Patrick Rohners Werk befindet sich permanent in einer progressiven Entwicklung und es gilt, dieses in seiner vollen Bedeutung erst noch zu entdecken. Es lässt sich aber schon heute konstatieren, dass er mit seinem genuinen und profunden Beitrag das traditionelle Genre der Landschaftsmalerei nicht nur visuell mit Neuartigem bereichert, sondern auch ihr Begriffs- und Definitionsfeld eine essentielle inhaltliche Erweiterung erfährt.

Invar-Torre Hollaus, Basel, im April 2009

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.