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Einzelausstellung: Patrick Rohner - Realgar (vorbei)

9 März 2013 bis 20 April 2013
  Patrick Rohner - Realgar
Patrick Rohner, Nr. 392, 10.12.2008 - 23.2.2013 • oil on plywood, 170 x 250 cm
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Drei grosse Querformate bilden den Rahmen der Ausstellung «Realgar» in der Galerie Mark Müller. Die dicken, aus Leinöl und Pigmenten angemischten Farblagen auf Hartfaserplatten, die seit zwei Jahrzehnten das Kernmaterial der vielschichtigen Malerei Rohners bilden, werden mit einem Spachtel aufgetragen und in einem mehrteiligen, häufig über Monate, gar Jahre dauernden Arbeitsprozess verschiedenen Kräften ausgesetzt. Pressungen, Aufschichtungen und Bearbeitungen mit Spachteln, Bürsten und Pinseln sind Impulse, die Rohner setzt, um das Material danach sich selbst und den physikalischen Gesetzen zu überlassen. Es reagiert - rutscht, bricht, verklumpt und fliesst. Ablagerungen, Farbflüsse, Furchen und Strömungen entstehen und tragen zur Ausformung einer Struktur bei, die skulptural auf dem Träger heranwächst. Dünnflüssige Farbe bahnt sich ihren Weg nach unten, verschwindet stellenweise im Untergrund, bewegt sich durch Spalten von bereits aufgetragenen Lagen und tritt an anderen Orten wieder hervor. Die Bildfläche ist ein komplexes Gefüge von Schichtungen und Lücken. Die Prozesse, denen das Material ausgesetzt wird, wie auch dessen Reaktionen, erinnern an geologische Phänomene und Mechanismen der Natur, die Rohner in seiner Arbeitsumgebung - dem Glarnerland - beobachtet und dokumentiert.

Als Neuzugang in der Arbeitspalette werden ungelöste, trockene Farbpigmente eingesetzt, die sich sandartig - je nach Oberflächenstruktur - lokal anhäufen. Ferner zeigt sich in den ausgestellten Werken eine im fortgeschrittenen Arbeitsprozess stattfindende, partielle Bearbeitung der Bilder, während bis anhin die gesamte Fläche gleichmässig behandelt wurde . Dies führt zu Abstufungen und horizontalen Grenzziehungen im Bild - eine verstärkte Tiefenwirkung und ein atmosphärischer Eindruck von Raum werden suggeriert. Im Vergleich zu den früheren, monochrom wirkenden Arbeiten, scheint sich das Blickfeld von einer Nahsicht zu einer entfernteren Perspektive verlagert zu haben, ein Gelände wird spürbar. Dennoch sind Rohners Werke nicht als Abbildungen der Bergwelt zu verstehen. Die Malerei behandelt vielmehr die eigenständige Realität ihres Materials.

Dies unterstreicht Rohner mit der Ausstellungsform. Ein hölzerner Kubus im Raum zeigt an den Aussenwänden Papierarbeiten, die ebenfalls einen mehrteiligen Arbeitsprozess von Farbbädern und Trocknungsvorgängen, Auf- und Abtragen durchlaufen bis sie eine eigene Materialität annehmen. Auf der Innenseite sind Tuschzeichnungen zu sehen: datiert, nummeriert und chronologisch gereiht. Es sind analytische Zeichnungen zu den Ölbildern, deren Dichte und Struktur abgetastet werden; sie dienen der Begreifung des jeweiligen Bildes. Diese untersuchenden Zeichnungen in der Kammer suggerieren etwas Wissenschaftliches; sie beziehen sich auf Rohners Malerei, die sich damit als Aussenwelt definiert.

«Realgar» - gar real. Der Titel weist auf diese Realitätsschaffung hin. Gleichzeitig bildet er die Bezeichnung für ein orange-rötliches Arsengestein, das sich unter Lichteinfluss schnell zersetzt und dessen Pigmente bereits im Mittelalter für Buchund Tafelmalerei verwendet wurden. Das Wortspiel birgt in sich, dass sich Patrick Rohners Arbeit zwischen geologischen, physikalischen und philosophischen Fragestellungen bewegt sowie das Genre der Malerei an sich thematisiert.

Julia Schmidt

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