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Einzelausstellung: PETER NIEDERTSCHEIDER (vorbei)

28 Juni 2001 bis 27 Juli 2001
  PETER NIEDERTSCHEIDER
Peter Niedertscheider, o.T., 2000, Acryl auf Papier, 152 x 258 cm
 
www.galerie-lindner.at Galerie Lindner

Galerie Lindner
Schmalzhofgasse 13/3
1060 Wien
Österreich (Stadtplan)

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www.galerie-lindner.at


Florian Steininger schreibt über seine Arbeit:

Peter Niedertscheiders aktuelle Arbeiten kursieren zwischen der Abbildung der Wirklichkeit und der textuellen Kodierung, die in Figurenreihen dargestellt werden. Die Medien Bild und Schrift, die sich in ihrem Wesen diametral zueinander verhalten, verbindet der Künstler in seinen Akrylpinselzeichnungen, um zu einem neuen artifiziellen Bild-Textsystem zu gelangen. Das Bild, also das Gemälde im konventionellen Sinne, steht im abbildenden Verhältnis zur gesehenen Welt und basiert auf optisch illusionistischen Gesetztmäßigkeiten, bis hin zu trügerischen Trompe l`oeil-Effekten. Schon in der Zeichnung wird dieser visuell fiktionale Eindruck relativiert. Flachheit, und die materielle Präsenz des Bildträgers, die den Fenstercharakter des Tafelbildes untergräbt, geben diesem Medium eine von der Wirklichkeit deutlich distanziertere Präsenz. In der Schrift werden schließlich optische Motive zugunsten eines kulturell vereinbarten Kodesystems ersetzt, das durch seine Entschlüsselung wiederum zur Wirklichkeit hinführt, hier aber auf assoziativer geistiger statt auf optischer Ebene. Niedertscheiders Arbeiten liegen dazwischen, zwischen Bild und Text, Gemaltem, Gezeichnetem und Geschriebenem.

Niedertscheiders künstlerischer Beginn ist noch stark dem Abbild der Wirklichkeit verbunden. Bei Alfred Hrdlicka studiert, stand der aus dem Stein gehauene menschlicher Körper im Zentrum der Gestaltungsprinzipien. Figuration und Aussage waren noch im direkten Verhältnis zur Realität, die persönliche Handschrift und der handwerklich geschulte Arbeitsprozeß galten als Maxime, mit der Tradition von der Antike über Michelangelo und Rodin eng verbunden. Jedoch schlug Niedertscheider bald einen anderen Weg ein. Zu seinen letzten Skulpturen zählte ein blockhafter Würfel aus dessen Seitenteilen Figurenfriese herausgeschlagen wurden, deren Serialität und Schematismus der äußeren Erscheinung, die Intensität der Mimesis und des Inhaltes verringerten. Danach folgte der Bruch mit der Bildhauerei. Die Massivität, Opulenz, Schwere und Körperlichkeit ist zarten im Arbeitsvorgang schwungvoll, aber konzentrierten Zeichnungen mit Acryl und Pinsel gewichen. Weibliche und männliche Figuren werden jeweils in Achtergruppen auf das Blatt Papier mit zarter Pinselführung übertragen, wobei die Lockerheit und Unmittelbarkeit des Farbauftrags mit der Bezugnahme auf die menschlichen Anatomie einander die Waage halten. Mit dem Hell-Dunkel der Acrylfarbe wird die Figur in Licht-Schattenzonen aufgebaut und körperlich modelliert, manchmal stramm frontal stehend, dann wiederum mit Hüftschwung. Die Dunkelheitswerte der Farbe changieren in den Figurenreihen.

Niedertscheider führt nun das menschliche Abbild in das Medium des Textes ein, indem er Mann und Frau in die Kode-Funktion stellt. Dem binären System nachempfunden, steht die Frau für 0, der Mann für 1. (A wäre dann 01 000 001, B: 01 000 010, etc. ) Die Summe der acht Figuren in ihrer systematischen Reihung ergibt ein Zeichen, einen Buchstaben. Die nebeneinander geordneten Figurenblöcke ergeben in der Summe einen Text, zum Beispiel die Erklärung der Menschenrechte oder tagebuchartige Texte zur Arbeit des Künstlers.

Niedertscheiders Arbeitsvorgang ist konzentriert, von Ryhthmik, Gleichmäßigkeit, Automatismus, Disziplin und Versunkenheit bestimmt. In diesem verinnerlichten Vorgehen sieht der Künstler meditative Züge und fühlt sich der Meditation im Zen verwandt. Um im Zen zur Meditation zu gelangen, bedarf es einerseits dem Rhythmus und der Atmung, diese findet er im Prozeß der Figurenzeichnung, den er in Skizzenbüchern trainiert, ohne die Figuren in ein schriftliches Kodesystem einzubinden, und andererseits dem Text, der Schrift, die mit ihrer geistigen Dimension das direkt Abbildende der optischen Wirklichkeit verlassen.

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