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Einzelausstellung: Peter Sauerer (vorbei)

5 Juni 2003 bis 26 Juli 2003
  Peter Sauerer
Peter Sauerer
 
  Thomas Rehbein Galerie

Thomas Rehbein Galerie
Aachener Strasse 5
50674 Köln
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)221-310 10 00
www.rehbein-galerie.de


Das Beharren auf einen klar definierten Kokon, in den sich das eigene Leben spinnt, ist Ausdruck einer Sehnsucht nach Stabilität und Überschaubarkeit. Bei Peter Sauerer ebenso wie bei jedem von uns. Dass er sich trotzdem der Unerfüllbarkeit dieses Wunsches bewusst ist, zeigen etwa seine Schnurarbeiten. Dieser Begriff umschreibt eine Gruppe geschnitzter Holzarchitekturen, die er mit dem Dach nach unten an die Wand hängt. Dabei handelt es sich nicht um utopische, in der Fantasie entstandene Gebilde oder moderne Gebäude. Sauerer nimmt sich vielmehr den Reichstag vor, den Olympiatempel, die Paulskirche, den Tempel von Paestum, das Haus der Kunst, die Frauenkirche oder das Siegesdenkmal in Bozen. Heroische Bauten also, die Teil der Geschichte sind. Zeitzeugen, die politische und gesellschaftliche Umbrüche, Revolutionen und Kriege erlebt haben, manchmal selbst Opfer gewaltsamer Zerstörung wurden und als Denk- und Mahnmal ihrer Zeit überdauerten. Der Vorstellung von Ewigkeit, die sie vermitteln, entzieht Sauerer die Grundlage - nicht nur, indem er Monumentalität in Miniatur übersetzt, sondern auch mit einem schrittweisen Arbeitsprozess. Zunächst schnitzt er ein Gebäude sorgfältig und mit viel Liebe zum Detail nach (in diesem Stadium ist die Ähnlichkeit zu den hölzernen Architekturmodellen der Renaissance frappierend). Doch der Schöpfung folgt zwangsläufig die Zerstörung: Sauerer zerlegt das Geschaffene, um die Einzelteile auf Schnüre zu ziehen und in der alten architektonischen Ordnung wieder zusammen zu bringen. Das Ergebnis ist ein fragiler Verbund der einzelnen Teile, von Fäden notdürftig zusammen gehalten, in sich schief und wacklig und alles andere als ewig.
[...]
Nationalstolz und Gewalt, Geschichte und Scheitern - Peter Sauerer setzt diese Dinge klug und ohne große Geste um in seinen zerbrechlichen Nachbauten, die aussehen, als würden sie jeden Moment in sich zusammenfallen oder von der Wand stürzen, und die bei aller Fragilität doch erstaunlich stabil sind. Dass er sich dabei der Faszination an der zwiespältigen Geschichte seiner Objekte selbst nicht entziehen kann, daraus macht er keinen Hehl.

(Auszüge aus einem Text von Janneke de Vries, 2002)


Abbildungen:
San Pietro, 2003, Holz/Schnur, ø 15 cm
Sant Chapel, 2003, Holz/Schnur, 17 x 24 x 9 cm
Berliner Schloss-Lustgartenfassade, 2003, Holz/Schnur, 37 x 13 x 9,5 cm
Panzerkreuzer Rurik, 2003, Holz/Schnur, Länge 70 cm

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