Das Beharren auf einen klar definierten Kokon, in den sich das eigene Leben spinnt, ist Ausdruck einer Sehnsucht nach Stabilität und Überschaubarkeit. Bei Peter Sauerer ebenso wie bei jedem von uns. Dass er sich trotzdem der Unerfüllbarkeit dieses Wunsches bewusst ist, zeigen etwa seine Schnurarbeiten. Dieser Begriff umschreibt eine Gruppe geschnitzter Holzarchitekturen, die er mit dem Dach nach unten an die Wand hängt. Dabei handelt es sich nicht um utopische, in der Fantasie entstandene Gebilde oder moderne Gebäude. Sauerer nimmt sich vielmehr den Reichstag vor, den Olympiatempel, die Paulskirche, den Tempel von Paestum, das Haus der Kunst, die Frauenkirche oder das Siegesdenkmal in Bozen. Heroische Bauten also, die Teil der Geschichte sind. Zeitzeugen, die politische und gesellschaftliche Umbrüche, Revolutionen und Kriege erlebt haben, manchmal selbst Opfer gewaltsamer Zerstörung wurden und als Denk- und Mahnmal ihrer Zeit überdauerten. Der Vorstellung von Ewigkeit, die sie vermitteln, entzieht Sauerer die Grundlage - nicht nur, indem er Monumentalität in Miniatur übersetzt, sondern auch mit einem schrittweisen Arbeitsprozess. Zunächst schnitzt er ein Gebäude sorgfältig und mit viel Liebe zum Detail nach (in diesem Stadium ist die Ähnlichkeit zu den hölzernen Architekturmodellen der Renaissance frappierend). Doch der Schöpfung folgt zwangsläufig die Zerstörung: Sauerer zerlegt das Geschaffene, um die Einzelteile auf Schnüre zu ziehen und in der alten architektonischen Ordnung wieder zusammen zu bringen. Das Ergebnis ist ein fragiler Verbund der einzelnen Teile, von Fäden notdürftig zusammen gehalten, in sich schief und wacklig und alles andere als ewig. (Auszüge aus einem Text von Janneke de Vries, 2002) Abbildungen: San Pietro, 2003, Holz/Schnur, ø 15 cm Sant Chapel, 2003, Holz/Schnur, 17 x 24 x 9 cm Berliner Schloss-Lustgartenfassade, 2003, Holz/Schnur, 37 x 13 x 9,5 cm Panzerkreuzer Rurik, 2003, Holz/Schnur, Länge 70 cm | |||||


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