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Einzelausstellung: Philipp Schwalb (vorbei)

3 Dezember 2011 bis 7 Januar 2012
  Philipp Schwalb
Philipp Schwalb
 
  Galerie Börgmann

Galerie Börgmann
Wallstr. 7
41061 Mönchengladbach
Deutschland (Stadtplan)

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www.galerie-boergmann.com


Philipp Schwalb
Un-Ideon: krasser als Fabrik Kust (Ich habe die Kunst befreit. z.B. vom Comic.)

Eröffnung: Samstag, 3. Dezember 2011, 20-22 Uhr

Philipp Schwalb ist eine Entdeckung! Allein in diesem Jahr eindrücklich zu sehen in seiner jüngst eröffnetenAusstellung im Kunstverein Heppenheim sowiein wichtigen GruppenausstellungeninHamburg, Innsbruck, Köln, Kreuzlingen, Los Angeles, Manila, Stuttgart undWien. Wir sind also äußerst froh, ihn als neuen Künstler der Galerie vorstellen zu können und Sie herzlich zu unserer ersten Einzelausstellung mit ihmeinzuladen.

Schwalb studierte zunächst in Hamburg Malerei, emanzipierte sich aber rasch vom herkömmlichenAusbildungsbetrieb und gründete stattdessen mit Christian Rothmaler, Jannis Marwitz, Henning Straßburger und Patrick Alt die lose Gruppierung für Sozialgestaltung VANDEL-abgeleitet von Asger Jorns berüchtigtem Scandinavian Institute ofComparativeVandalism. Zudem ist er aus Gründen der streetcredibilityOrdentliches Mitglied des unter der Patronage von Nestor Roberto Ohrt agierenden 8. Salons in Hamburg.

In den vergangenen Jahren hat sich Schwalb mit seltenem Ernst und respektvollem Vandalismus durch Kunstgeschichte, Philosophie und Gestaltpsychologie bis tief in die Gegenwart gearbeitet, um sein wahnwitziges Unternehmen, "die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aufzulösen", sowohl konzeptuell derbe als auch experimentell-praktisch höchst reflektiert voranzutreiben.Um das Feld, auf dem er sich bewegt, annähernd zu umreißen, sei knapp und unsortiert sein Lektüre- und Anschauungsmaterial referiert:

• Sigmund Freud und Jacques Lacan für's Unbewusste
• Charles Sander Peirce und Friedrich Ludwig Gottlob Frege für das Zeichenhafte desselben
• Cézanne und Mondrian als Schutzheilige
• Rudolf Steiner fürden anthroposophischen touch
• Goethe undEric Kandel für die biologische Morphologie
• Aby Warburgs indianische Kunstgeschichte, die Astrologie, irrationale Götterfurcht und Geisterglauben mit Mathematik und rationalem Denken versöhnt, ummit der Kunst als Mittler zu vollerem Weltverständnis zu gelangen
• die Nationalökonomie
• Marcel Broodthaers'Muscheltöpfe
• die Geschichte des Punks und der Kunst der 1980er(Oehlen, Kippenberger, Koons, von Bonin, Wool usf.)
• Malewitschsbäuerliches Spätwerk
• die frühe amerikanische Rap- oder Hip Hop-Kultur mit ihrem arg stilisierten Personenkultund schwer glitzernden Klunkern

Dabei entstand mit eigenwilligem,bildnerischemKrawall ein abstraktes Grundvokabular aus Punkten, Linien oder Flächen, Dreiecken, Kreisen bzw. Halbkreisen, Trapezen oder Kreuzen in Primärfarben (d.i. Mondrian) und abseitigen Komplementären (d.i. dann Matisse). Mit diesem hält Schwalb eindrücklich die Spannung zwischen dem frühmodernen Pathos, das auf diese reinen, weltumgestaltenden Formen hoffte, und der schrecklich unreinen Ernüchterung, die etwa Holocaust und Fast Food unwiderruflich in die Welt brachten.

Die Frage ist beständig, wie viel Form braucht es, bis unzusammenhängende Farbenund Elemente auf einer Leinwand anfangen, als Gestalt/Kopf/Figur zu erscheinen und wahrnehmbar zu werden. Ist bspw. eine Raute das Bildformat, ein Verkehrsschild, kirchliche Stiftertafel oder ein Parteiabzeichen? Baseballkappen und Schulterklappen werden zu formalen Bildbausteinen, vereinzelte, schwarze Farbtupfen sind Rosinen oder Einschusslöcher, die dennoch mehr wie ein gewiefter Reflex auf gestische Malerei wirken. Nicht Darstellung oder Abbildung sind es, es ist das "Wie" des Sehens, um das es malerisch immerzu geht:Cecin'estpas Adolf Hitler, ceciestunepipe!

Der Ausstellungstitel "Un-Ideon" lässt als Wortstamm das altgriechische idea oder eidos erkennen. Idea/eidos hieß, bevor es mit Platons unveränderlichem Urbild zum heutigen logischen Begriff, Gedanken oder Vorstellungsinhalt wurde, Gestalt, Form oder einfach nur Bild. "Un-Ideon" mit dem vorangestellt verneinenden privativumUnwäre folglich die stets sich wandelnde Un-Gestalt, die Un-Form.Das Un-Bild, das noch nicht zur Welt gekommen ist, noch nicht readily made ist. DerartigeUn-Bilder stellen sich bis zur letzten Schamesgrenze bloß, sind härter und gleichsam unbekümmerter (das heißt nicht unbedacht, sondern "Leck mich!") als das Meiste sonst. Und damit befreit Schwalb die Kunst wirklich von ihren oder unseren verhärteten Klischees - etwa von der Vorstellung, wie ein ‚gutes Bild' auszusehen hat - und malt erfrischende, ganz unideonischeGrundlagenbilder für alles, was da demnächst noch so kommen wollte.

Was "Un-Ideon" darüber hinaus mit Yoshiyuki Tominos berühmtem Anime Densetsu Kyojin Ideon zu tun hat, jener "legendären, empathischen Waffe, die selbst denkt und Gewalt verabscheut", oder mit der Idaeischen Grotte (altgr. ideon andron) am Rande der Nidahochebene des Psiloritis-Massivs auf Kreta, der mythischen Stätte von Zeus' Geburt und Jugend, wird sich wohl im persönlichen Gespräch klären lassen.

Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass er nach eigener Aussage "ein besonderes Interesse für Assoziationen und relationale Dynamiken" hegt. Und bald schon wird er kein Geheimtipp mehr sein. Wir freuen uns auf Sie in Philipp Schwalbs Kosmos!

Philipp Schwalb

1984
geboren / born in Filderstadt/Schönaich bei / near Stuttgart

ausgewählte Einzelausstellungen / selected solo exhibitions

2011
Un-Ideon: krasser als Fabrik Kust ( Ich habe die Kunst befreit. z.B. vom Comic. ), Galerie Börgmann, Krefeld (Katalog / catalogue)
Meine himmlische Mutter ruft, Ich erscheine. (REFERENZLOZ), Kunstverein Heppenheim (Katalog / catalogue)

2010
Giottos Urin in inKundus (mit / with Jannis Marwitz), Akademie XY, Hamburg

2009
Volume Down (mit / with Jannis Marwitz), Schokoladenfabrik / Galerie Genscher, Hamburg

ausgewählte Gruppenausstellungen / selectedgroupexhibitions

2011
Collection Helene Zimmermann & Arm der Cunst, Ressort für serielle Tasteproduction, Hamburg
N.W.A. - Nüchtern. Weltweit. Arbeitzlos. (mit / with Jannis Marwitz und / and Christian Rothmaler), Kunstraum Kreuzlingen (Katalog / catalogue)
Château Christopher Robin, Galerie Hammelehle und Ahrens, Köln / Cologne
Diktatur Charlottenburg, Kosmetiksalon Babette, Berlin
Moraltarantula #5 - Perfektion in Vollendung, Zollamt-Oberhafen, Hamburg
The International Bongo Bongo Brigade with Guests, Haffner, Innsbruck
The Galleries des 21.Jahrhunderts pour Astrazione e Immagine, The Galleries, Lacoste
The invisible Four, Galerie Gabriele Senn, Wien / Vienna
Moment, Ventilazione, Wien / Vienna (Katalog / catalogue)
Skeletons of Beer, Pablo Gallery, Manila
VANDEL #7: Sozialgestaltung: Liebe plus Friedhof, Hospitalhof, Stuttgart (Katalog / catalogue)

2010
Crefelder Gesellschaft für Venizianische Malerei, Galerie Börgmann, Krefeld (Katalog / catalogue)
Nur Wahrheit - ehrlich, tod-sicher: Maske, Handschuh und Skelett. Der 8. Salon zeigt Werke der Sammlung Kopp, 8. Salon, Hamburg (Katalog / catalogue)
Kopfweh im Abendland, BIA, Produzentengalerie Hamburg / ph-Projects, Berlin (Katalog / catalogue)
Hustle und Expressionismus heute, Galerie Artary, Stuttgart (Katalog / catalogue)
Harte Gefuehle, Silvershed, New York
Anthology of Optimism feat.Das Geschehen 4, MMX Open Art Venue, Berlin
Black Door Files, Black Door, Istanbul
Baahlsaahm Museum, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk
werkbund //, Bourouina Gallery, Berlin
Da Hood, Gängeviertel, Hamburg

2009
Café Gambo (mit / with JannisMarwitz und / and Christian Rothmaler), Akademie XY, Hamburg
Alle Vöglein sind schon da, alle Vöglein alle, Callicoon Fine Arts, New York
Fischmarkt, Digga, Fischmarkt, Lothringer 13, Städtische Kunsthalle, München
Morgens Sex mit der Geliebten Magda im Coupé, danach Arbeit am Ausführungsgesetz über den Artikel 48, Ressort für serielle Tasteproduction, Hamburg
VANDEL #5, Marks Blond, Bern (Katalog / catalogue)
Baahlsaahm #1: Knochen, Erbel/Croce, Berlin
VANDEL #3: The Realness, Reliktor 1234567, Golden Pudel Club, Hamburg

2008
Butter, Brot und Terpentin, Galerie für Gez. / Raum Urheber, Stuttgart
Spitzenwerke der Zeichnung aus der Sammlung Abstädt, Seitz/ Hackel, München
VANDEL #2, Tät, Berlin

2007
Essen in Kabul, Deutsches Zentrum für transkulturellen Austausch, Kundus
Hämoglobin, Galleria F. Miller, Mestre

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