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Einzelausstellung: Pierre Bismuth - Ruled by Extravagant Expectations (vorbei)
14 November 2008 bis 10 Januar 2009
  Pierre Bismuth - Ruled by Extravagant Expectations
Pierre Bismuth
Piglet the draftsman, 2007
Inkjet and acrylic paint on canvas
317,5 x 246,4 cm
 
  Christine König Galerie

Schleifmühlgasse 1a
1040 Wien
Österreich (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +43-(0)1-585 74 74
www.christinekoeniggalerie.com


PIERRE BISMUTH
Ruled by Extravagant Expectations

Eröffnung
: 13. November 2008, 19 - 21 Uhr

Der Künstler ist anwesend.

Ausstellungsdauer: 14. November - 10. Januar 2009

PIERRE BISMUTH, 1963 in Paris geboren, lebt und arbeitet in London und Brüssel. Oscar-Preis-Gewinner 2005 in der Kategorie bestes Drehbuch für den Film ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND, Regie Michel Gondry, in den Hauptrollen Jim Carey und Kate Winslet.

Ausgewählte Einzelausstellungen:
The All-seeing Eye (mit Michel Gondry), BFI Southbank Gallery, London; Queensland Art Gallery, South Brisbane, Australien; Following the right hand of Britney Spears in Toxic - 1 min/2 min/3 min, Sadler's Wells, London; One man's mess is another man's masterpiece, Galerie Jan Mot, Brüssel; Air de Paris, Centre Pompidou, Paris; Team Gallery, New York; Mary Boone 745 Fifth Ave, New York; Mary Boone 541 West, 24 St, New York; 2006 Siamo Sulla Buona Strada, Villa Arson, Nizza, Frankreich; Most Wanted Men, Jan Mot, Brüssel; Coming Attractions - An Installation by Pierre Bismuth, Santa Monica Museum of Art;

Pierre Bismuths Werk basiert formal oft auf dem Prinzip der Entwendung/Zweckentfremdung und der Aneignung. Er beschäftigt sich mit Phänomenen des Verstehens und mit Fragen der Produktion von Bedeutung und Wert.

Die Black Paintings (2005-2008) kann man als Fortsetzung von Bismuths Auseinandersetzung mit dem Dschungelbuch von Walt Disney sehen. In dieser früheren Arbeit hatte der Künstler eine babylonische und unverständliche Fassung des Comicfilms gestaltet, in dem er jeder Figur eine andere Sprache verliehen hat. Für seine Black Paintings greift Bismuth erneut Produkte aus den Disney Studios auf. Diesmal "entwendet" er Disney Figuren aus den Malbüchern für Kinder. Während in den Kinderheften die verschiedenen Teile der Figuren auch in unterschiedlichen Farben ausgemalt werden sollen, begnügt sich Bismuth damit - nachdem er die Figuren vergrößert auf der Leinwand dargestellt hat - alle Flächen mit einer einzigen Farbe auszumalen: schwarz. Dabei hält er sich genau an die Umrisse der Zeichnung. Die Pinselstriche zeugen von der Arbeitsweise des Künstlers und lassen mehr oder weniger das Phantom des Ausgangsbildes erkennen. Die langwierige Arbeit des Malens vollzieht sich quasi auf mechanische Weise. Die unberührten Flächen, die nur durch einen schwarzen Strich begrenzt sind, füllen sich langsam und werden zu einer schwarzen monochromen Fläche.

Ähnlich wie im The Jungle Book Project (2003), bei dem Bismuth eine Abweichung erzeugte, in dem er die verschiedenen von Disney Studios vertriebenen Versionen verwendete, führt er hier eine Verzerrung ein, in dem er sich an die Malvorgaben aus den Kinderheften strikt hält. Durch die ausschließliche Verwendung der Farbe schwarz und durch das Verschwinden-Lassen der Zeichnung, negiert er den narrativen Inhalt des Bildes und hebt den performativen Charakter der Malerei hervor. Eine Art befreiender Nihilismus, der simplen Merchandising Produkten zuletzt eine quasi mystische Dimension verleiht.

In Willem, Fu, Robert and myself (2008) interessiert Bismuth sich für ein bestimmtes historisches Kunstwerk von Robert Rauschenberg aus dem Jahre 1953, in dem dieser eine Zeichnung von De Kooning ausradierte:

www.youtube.com/watch?v=tpCWh3IFtDQ

Bismuth bat nun einen unbekannten chinesischen Maler, Fu Site, möglichst genau das ausradierte Bild Erased De Kooning Drawing , welches sich im San Francisco MOMA befindet, zu reproduzieren und zwar mit der Technik und dem Material der ursprünglichen De Kooning Papierarbeit: Bleistift, Kreide, Kohle, Öl und Tusche.

Dieses Werk hat eine Vorgeschichte: 2006 bat Bismuth Rauschenberg persönlich, auf einem Blatt Papier die ursprüngliche, von ihm ausradierte Zeichnung, aus der Erinnerung zu skizzieren. Rauschenberg konnte dieser Forderung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachkommen. Es schien, als könnte diese historische Geste nun doch nicht mehr "umgedreht" werden. Indem Bismuth jedoch von Fu Site ein "leeres" Bild nachzeichnen-/malen ließ, verweist er ein weiteres Mal auf die Problematik des Namens und der Signatur. Nicht nur, dass er auf den fetischistischen Charakter der Kunst und auf ihren ökonomischen Wert hinweist, er zeigt auch, wie ein leeres Blatt Papier zu einem Objekt der Kontemplation wird - und er zeigt, wie eine Arbeit, die versucht, die Leere nachzuzeichnen, zu einem mit Signaturen überfüllten Raum werden kann: De Kooning, Rauschenberg, Fu Site, Bismuth.

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