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Gruppenausstellung: Rachel Harrison - "Seven Sculptures" / Sophie Calle - "The Gotham Handbook" (vorbei)

11 März 2002 bis 20 April 2002
  Rachel Harrison -
Sophie Calle, Gotham Handbook, 1994/2000
Rachel Harrison
 
  ARNDT

ARNDT
Potsdamer Straße 96
10785 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 20 61 38 70
www.arndtberlin.com


Rachel Harrison rät dem Betracher ihrer Arbeiten, diese mehr zu erfahren, denn zu analysieren. In der für sie charakteristischen Kombination von Skulptur, Fotografie und readymades weist ihre Kunst eine Widerständigkeit gegen gängige Kategorien der Interpretation auf.

In ihrer ersten Ausstellung bei Arndt & Partner zeigt sie eine Serie abstrakter Skulpturen.
Aus Holz oder Polystyrol gefertigt und mit einer Zementmischung überzogen, besitzen die Oberflächen eine rauhe haptische Qualität. In die Skulpturen nun bezieht Harrison Fotografien oder Objekte ein, deren unzweifelhafte Gegenständlichkeit der abstrakten Formensprache der Skulpturen unvermittelt gegenübersteht.

So etwa steht die Plastikfigurine eines Indianers am Rand einer solchen Skulptur und scheint tief in die Betrachtung der sich vor ihm auftürmenden Formen versunken. Die Skulptur ist auf einem Tisch mit einer Schublade plaziert, der seinerseits auf einem Podest ruht, wobei das skulpturale Ensemble im Material homogen ist. Was genau fesselt den Blick des Indianers? Auf der Suche nach Bedeutung wird der Galeriebesucher, welcher sich in der Gestalt des Indianers präfiguriert sieht, mit seinem Blick die Skulptur abwandern.
Noch bevor er die Arbeit als Ganzes fassen und einordnen - gleichsam "in eine Schublade stecken" - kann, wird er deren einzelne Elemente identifizieren müssen, um schließlich in der - tatsächlich geöffneten - Schublade auf das Augenpaar Marion Brandos zu treffen, welches Harrison dort im Ausschnitt als Fotografie versteckt hat. Der Blick des Betrachters wird buchstäblich in die Skulptur hineingezogen und gleichzeitig auf sich selbst zurückgeworfen.

Mit dieser vielschichtigen Vergegenwärtigung des Sehens gelingt es Harrison, für die unterschiedlichen Arten des Kunstwahrnehmens - von Gegenständlichem und Abstraktem, sowie von Zwei- und Dreidimensionalität - zu sensibilisieren. Dabei halten ihre Arbeiten dem Blick stand, können sich als autonome Einheiten im Hier und Jetzt der Betrachtung behaupten. Und die Künstlerin? Sie wird dem mit einem Augenzwinkern zusehen.

Rachel Harrison wurde 1966 in New York geboren und absolvierte ihr Kunststudium an der Wesleyan University in Middeltown, CT. Sie lebt und arbeitet in New York. Ihre Arbeiten werden international mit großem Erfolg ausgestellt, so u.a. am P.S.l und dem Museum of Modern Art in New York Arndt & Partner freuen sich, die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland zu präsentieren. Ab 28.03.2002 werden ihre Arbeiten zudem in der Ausstellung Stories am Haus der Kunst, München, zu sehen sein (bis 23.06.2002).



Verführt von der "Idee, einem Roman zu gehorchen wie dem eigenen Schicksal", bat Sophie Calle den Schriftsteller Paul Auster um einen fiktiven Text, dem sie dann ein Jahr lang gehorchen wollte. Auster jedoch lehnte die damit einhergehende Verantwortung ab und verfaßte stattdessen "Persönliche Instruktionen für S.C. darüber wie das Leben in New York City zu verbessern ist (Weil sie fragte ...)". Den Anweisungen Austers folgend, richtete sich die Künstlerin während einer Woche in einer New Yorker Telefonzelle häuslich ein und verteilte Lächeln, Sandwiches und Zigaretten an Passanten. Calle, die sich selbst als eine "erzählende Künstlerin" bezeichnet, protokollierte die Telefonate, unterhielt sich mit Vorbeikommenden und notierte ihre Erlebnisse. Die entstandene Arbeit "Gotham Handbook" (1994 / 2000) ist eine Art künstlerisches Tagebuch in Form einer Serie von Texten, Fundstücken und Fotos, die Sophie Calle auf sieben gerahmten Tafeln, eine für jeden Tag ihrer Unternehmung, präsentiert.

Die Amalgamierung von Fiktion und Realität wird zum Mittel und Vorwand einer gelebten Kunst, welche die Möglichkeiten menschlicher Interaktion erforscht. Calle fordert die Mitarbeit ihres Gegenübers ein - sei dies der New Yorker Passant oder der Betrachter des "Gotham Handbook". Die übergreifende Aufforderung Austers, ihr Lächeln und damit einen kleinen Teil ihrer selbst in authentischen Begegnungen zu verschenken ("give of yourself"), macht Sophie Calles Arbeit darüber hinaus auch zu einem Flirt mit dem Wesen der Kunst: ihrer Offenheit und Disponibilität. Sie realisiert in besonderem Maße das Geben und Nehmen künstlerischer Erfahrung.
Sophie Calle, 1953 in Paris geboren, lebt in Malakoff (Paris) und in New York. Ihre Arbeit genießt international höchstes Ansehen und wurde u.a. im Centre Georges Pompidou, Paris, und im Museum of Modern Art, New York, ausgestellt. In diesem Jahr wird ihr der internationale "Spectrum"-Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen verliehen.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen Julie Burchardi und Eleonora Holthoff gern zur
Verfügung (Tel +49 - 30 - 280 81 23).

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