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Einzelausstellung: raum 3: Axel Lieber - zwischendurch (vorbei)

18 April 2009 bis 23 Mai 2009
  raum 3: Axel Lieber - zwischendurch
Ausstellungsansicht
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Axel Lieber zwischendurch (Reise nach Jerusalem)

Ein bisschen ist es, als betrete man eines von René Magrittes surrealistischen Interieurbildern, wenn man über das eigens eingebaute Treppchen in Axel Liebers Installation im kleinen Raum der Galerie Mark Müller balanciert. Kleine knorrige Stühle, eine Miniatur-Türe und die Treppe verdichten sich da zu einer Assemblage, die im Wechselspiel mit der räumlichen Disposition die Wahrnehmung von Proportionen - ähnlich wie in Magrittes Gemälden - ordentlich ins Wanken bringt. Die Möbelstücke sind zwar als solche sofort erkenntlich, durch ihr eigenartiges Grössenverhältnis aber stellt sich eine Unsicherheit ein, die bis zum Empfinden der eigenen Dimensionen beim Betrachter reicht.

Reise nach Jerusalem lautet der Untertitel der Installation und man entsinnt sich sogleich des Spieles, bei dem es gilt, sobald die Musik aufhört, sich einen der Stühle zu ergattern, von dem immer einer weniger aufgestellt ist, als es Teilnehmer gibt. Wer Axel Liebers „Sesseltanz" wohl aufführen mag, bleibt jedoch fraglich und ein Mal mehr lassen sich die Assoziationsstränge nicht zusammenführen.

Die Installation ist so konzipiert, dass die Treppe, die kleine Tür in der eingezogenen Wand sowie die gegenüberliegende hohe Tür im gleichen Blassgrün gehalten sind und so eine räumliche Begrenzung markieren und gleichzeitig die architektonischen Eigenheiten des Raumes betonen. Die Stühlchen, dreizehn an der Zahl, zeigen sich zu einer Reihe im Raum aufgestellt. Sie sind unterschiedlicher Materialität; ein Freischwinger reiht sich neben das Gartenstühlchen, ein altmodischer Holzstuhl neben das Ikea-Modell - alles Mini-Formate. Die Stühle sind jedoch nicht einfach kleine „Kinderausgaben" ihrer grossen Zeitgenossen; sie sind Produkt eines bildhauerischen Prozesses, in dem Axel Lieber die Stühle (der abtragenden Technik der Skulpturgenese entsprechend) auseinandersägt, die inneren Fragmente entfernt und die Reststücke wieder zusammensetzt. Dieser Vorgehensweise haftet etwas Destruktives fast Brutales an und dementsprechend behäbig, knorrig, ja gar ein wenig krüppelhaft kommen die Stühlchen trotz des behutsamen Zusammenfügens und ihrer niedlichen Grösse daher. Axel Lieber definiert zwar durch die verschiedenen Modelle eine Typologie des Möbels, gleichzeitig findet aber durch deren Bearbeitung bis zur „Unbrauchbarkeit" eine Abstraktion des Gebrauchsgegenstandes als solchem statt.

Mit der Gesamtinszenierung wirft Axel Lieber Fragen nach dem Wesen der Bildhauerei heute auf. Der Begriff der Statue greift schon lange nicht mehr, die Grenzen zu den Nachbardisziplinen Architektur, Performance oder Design verschwimmen mehr und mehr und die Rezeption dreht sich meist um den Dualismus von Materialität und Form. Axel Lieber definiert in diesem Diskurs eine individuelle Auffassung von Skulptur, die all dies thematisiert und sich dennoch primär von einem inneren persönlichen Impuls geführt zeigt.


Yasmin Afschar

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