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Einzelausstellung: Roland Roure (vorbei)

6 Dezember 2003 bis 17 Januar 2004
  Roland Roure
Roland Roure
 
www.bege-galerien.de/sites Fischerplatz Galerie | BEGE Galerien

Fischerplatz Galerie
Fischergasse 21
89073 Ulm
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)731 - 63 349
www.bege-galerien.de/sites


Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

liebe Freunde der Fischerplatz-Galerie,

nach über 7 Jahren ist es am 6. Dezember zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr soweit, daß wir mit Ihnen zusammen Roland Roure's sich drehende, tanzende und bewegende Figuren mal wieder in Ulm begrüßen können.

Sicher wird sich die eine oder der andere von Ihnen noch gerne an Roland Roure's feuerspeienden Eisenhund erinnern, den er uns bei seiner letzten Ausstellung auf dem Ulmer Saumarkt vorgeführt hat.

(May you stay forever young)… zu Besuch bei Roland Roure:
Ich stehe nicht unbedingt so sehr auf Picasso. Vieles, das ich von dem großen Meister bisher gesehen habe, ließ mich kalt. Aber ich mochte den Mann. Ich blättere oft in einem Buch, in dem er in allen möglichen Situationen abgebildet ist. Picasso in der Werkstatt, Picasso beim Essen mit Freunden, Picasso mit kurzen Hosen. Ein kleiner stämmiger Mann mit Glatze, Bauch und Knollennase. Ein Mann mit unendlich schönen sanften Augen.

…über Roland Roure hatte ich schreiben wollen.
Als ich den zum erstenmal sah, dachte ich an Bilder von „Jung Picasso". Als ich später in seiner Werkstatt herumgestolpert bin - und das ist wörtlich gemeint, alles ist vollgestellt mit allem möglichen Kram - hab ich an Bilder von Picassos Werkstatt denken müssen. Und ich hab mich erinnert: Stimmt! Bei Picasso gab's auch diese zusammengeschusterten Figuren aus Latten und Abfällen. Die fandest Du damals toll! Wir sind nach Südfrankreich gefahren, um Roland Roure zu besuchen. Die Landschaften rasen am Zugfenster vorbei, und ich schau durch alles hindurch. Man nimmt ja sich selbst, seine Alltagsgefühle und Gedanken überall mit hin.
Schließlich sind wir da. Er steht einen Schritt vor seinem Werkstattor, sagt „bonjour".
Keine Temperamentsausbrüche nach dern Motto: „Na das ist aber toll, daß ihr da seid." Vielleicht hat er noch „ca va?" gefragt.
Genau, weiß ich das nicht.

Man betritt die Werkstatt und ist gleich mittendrin. Da stehen und hängen sie, als wären sie für eine große Parade angetreten, für einen Umzug ganz besonderer Art.
Gleich werden sie losmaschieren: Zuvorderst die Abteilung der flügelarmigen Doppel-Radfahrer, dicht gefolgt von einer Gruppe Flachwagen-Ruderer. Wir sehen die aller festlichsten Festkarossen, sowie die Garde der pauke-schlagenden Riesenclowns…
TSCHING-DERASSA-BUM!!

Die Werkstatt ist ein Sammelplatz, Roland Roure ein stiller Zeremonienmeister. Hat immer noch was zu pinseln und zu klecksen, zu biegen und zu zupfen. Ach, wenn ich mich doch schnell auf, dreißig Zentimeter Gesamtlänge zurecht schrumpfen könnte - wie gerne lief ich mit!.

Die Figuren, die dieser Mensch im südlichsten Südfrankreich zusammenbastelt, haben die Qualität vergegenständlichter Kinderträume. Ich könnte pausenlos umherlaufen, nicken, dem Meister Roure krachend auf die Schultern schlagen „Genau" brüllen.
„Genau, so habe ich mir das immer vorgestellt!" So ist es mir mit Buster Keaton ergangen. Wie er sich, nach getaner Arbeit unter Wasser die Hände wäscht und - unter Wasser versteht sich - abtrocknet. Chagall ist mir eingefallen, mit seinen schwebenden Geigenspielern und Liebespaaren und der Ziege auf dem Dach. Und die Klapper- Knister- und Quietschmaschinen des Jean Tinguely. Bei all diesen Leuten hab ich etwas „wieder"-getroffen. Es kommt mir vor, als träumten all diese Leute, und eben auch dieser Roland Roure, unsere Kinderträume weiter. Und sie machen etwas daraus. Und wir haben die Möglichkeit, uns zu erinnern.
Und wie alle spannenden Sachen gehts nach vorne und nach hinten los. Man kann nicht sagen, was überwiegt: das Utopische oder die Erinnerung? Ich mochte schon immer die Verrückten, die Schrulligen, die Leute, die man leicht übersieht. Die ein bisschen komisch sind, weil sie komische Geschichten hinter sich haben. Ich hatte oft den Wunsch, diesen Leuten Denkmäler zu setzen - besser, ihnen ewiges Leben einzuhauchen. Ich brauch's nicht mehr zu tun, Roland Roure hat es getan. Hat sie auf großartige Dampfschiffe, auf quietschende Elefanten, auf Festwagen oder auf reichgeschmückte Riesenfische gesetzt, hat ihnen Kronen und Zylinder über die Köpfe gestülpt. Sie sind zu Ehren gekommen. Und sie tragen es mit Würde, mit einer klapprig-mechanischen Feierlichkeit. Sie sind - wie gesagt - kurz vor der Großen Parade. Ich wünschte, alle kämen um sie zu bestaunen. Denn ich staune gerne. Viel zu selten hab ich dazu Gelegenheit.

Roland Roure ist einer, der uns wieder das Staunen beibringen könnte. Das Staunen ohne Schrecken wohlgemerkt. Roland Roure ist einer, der haarscharf am Wahnsinn vorbeisegelt. Einer, der Dinge in die Hand nimmt, die genauso gut daneben gehen könnten: schrill und irrsinnig und trotzdem belanglos. Aber er schafft es. Er gibt seinen Figuren einen Atem. Man glaubt ihnen ihre Existenzen. Kleine Schepperfiguren werden zu poetischen Geist-Damen und -Herren.

Natürlich habe ich gedacht, das ist ein „Naiver". Ich, der ich mich gegen Schubladen und Etiketten wehre. Aber dieser Mensch ist ganz offensichtlich hoch informiert - um nicht zu sagen „gebildet". Ich hatte gedacht, das muß so ein verhuschtes Sensibelchen sein - wie der junge Barrault in den „Kinder des Olymp". Aber, obwohl er gar nicht sehr groß ist, wirkt er eher wie ein zarter Riese. Und ein bisschen verschlossen noch dazu. Ich habe ihn wenig lachen sehen! Ein Witzmacher ist er nicht. Er wirkt bedächtig in seinem Kraut- und Rüben-Sammelsurium. Sitzt da, mit einer seiner Figuren auf den Knien wie der Vater von Pinoccio. Und um ihn herum stehen, liegen und hängen sie. Dem einen fehlen die Arme, der andere - na, das weiß er selber noch nicht…
Und durch die großen Werkstattfenster hat man einen schönen Blick nach allen Seiten. Da klapperts und da fuchtelts vor sich hin. Da schweben kleine Fische an langen Drähten, und lange Kerls schlackern mit den Armen.

Und als wir auf dem Heimweg sind, bilde ich mir manchmal ein, da, eben schon wieder: war da nicht so eine dünne Klappergestalt? Ist natürlich Unfug!..
Aber so kann's gehen…
(Wolfgang Rudelius)

Wir freuen uns, Sie am Samstag, 6. Dezember 2003, zur Ausstellungseröffnung zwischen 10.00 und 16.00 Uhr mit Adventspunsch, Lebkuchen und Christstollen begrüßen zu dürfen.

Bernd und Felicitas Geserick

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