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Gruppenausstellung: Schwarz-Weiss (vorbei)

28 Januar 2011 bis 20 März 2011
  Schwarz-Weiss
Hans Lankes, "Kannst du mich nicht heute lieben, morgen ist es leicht zu spät", Messerschnitt 2008, 90 x140 cm
 
  KUNSTKABINETT

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Untere Bachgasse 7
93047 Regensburg
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Schwarz-Weiss
Eine Einführung von Margit Unger-Kunz

"Schwarz-Weiss" lautet der programmatische Titel dieser Ausstellung, in der Messerschnitte von Hans Lankes Grafiken von Künstlern, wie Oskar Kokoschka, Pablo Picasso, Günther Förg, Armin Göhringer, Winfried Tonner oder Marino Marini, gegenübergestellt werden.

Sehr beeindruckend ist Oskar Kokokoschkas Selbstportrait, das nicht nur eine streng-nüchterne Selbstdarstellung ist, die sich allein aus Linien zusammensetzt, sondern gleichzeitig auch den Entstehungsprozeß der Arbeit, den Künstler mit Radiernadel, darstellt.
Pablo Picassos Radierung "Celestine" entstand 1968, also in einer Zeit, in der der Künstler schon lange niemanden mehr etwas beweisen wollte. Er zelebrierte allein seine Lust am künstlerischen Schaffen. Diese Radierung ist offensichtlich mit sehr schnellen Pinselstrichen entstanden. So wie sie aussieht, könnte sie auch aus Papierausrissen zusammengesetzt sein.
Marino Marinis lebendige Lithografie "Il Profondo" zeigt eine Szene im Theater mit zwei Frauenakten und einem für diesen Künstler sehr typisch gezeichnetem Pferd. Das Blatt besteht nur aus dünnen weißen Linien auf schwarzem Hintergrund. Einen zusätzlichen Akzent setzen zwei roten Vierecke.
Winfried Tonners Lithografie trägt den Titel "Der Prediger". Wir sehen eine Atelier-Szene mit an der Wand lehnenden Leindwandbildern, einer gestikulierenden Marionette und einer Pfauenfeder, die aussieht, als würde sie von einem leichten Windhauch bewegt werden.
Günther Förg gelingt in seinen hier ausgestellten Lithographien etwas Wunderbares. Trotz der einfachen Formen, der Reduktion, gestaltet er ein fibrierendes Kunstwerk. In dieser Arbeit scheinen die schwarzen, grauen und weißen Vierecke nebeneinander zu schweben.

Mal sind es Dialoge, mal sind es Konfrontationen, die wir in dieser Ausstellung sehen und erleben können. In jedem Fall erwartet uns eine anregende Schau, die zeigt, welche vielfältig-spannenden Ergebnisse die Gegenüberstellung von Schwarz und Weiß bieten kann: Die vermeintliche Nichtfarbigkeit ist absolut "BUNT".
Was vielleicht etwas paradox klingen mag, ist hier durchaus real. Die Reduktion auf Schwarz-Weiß bedeutet nicht den Verlust von Komplexität, sondern ist Ausdruck einer vitalen Konzentration. Zum einen spielen die Künstler mit Licht und Schatten, mit Dichte und Transparenz - zum anderen arbeiten sie mit der radikalen Konfrontation von Schwarz mit Weiß.

Womit wir auch schon bei den Messerschnitten von Hans Lankes angekommen wären: der scharfe Schnitt mit dem Skalpell oder mit dem Cutter bestimmt die Arbeiten dieses Künstlers. Seine Cutouts haben nichts mit biedermeierlicher Volkskunst, mit märchenhaften Galanterien längst vergangener Jahrhunderte zu tun - sie sind ganz im Hier und Jetzt der Kunst der Gegenwart.
Er zählt damit zu einer überschaubaren Gruppe von ambitionierten, aktuellen Künstlern, die, besonders in Deutschland und in den USA, den Messerschnitt als adäquate Ausdrucksform gewählt und - jeder für sich - ganz eigene Bilderwelten und Stile entwickelt haben.
Der Ausspruch des auch mit der Schere arbeitenden Malers Matisse, er "zeichne mit der Schere", kann hier etwas abgewandelt werden, "Lankes zeichnet mit dem Messer".
Wer mit dem Messer zeichnet, verzichtet ganz bewusst auf einfache Effekte, jeder Schnitt ist eine unumkehrbare Entscheidung, jeder Schnitt hat Konsequenzen. Kurz: Was zu viel ist, wird weggeschnitten.
Mit Pinsel oder Stift kann man durch Schraffuren, Drippings, Farbverläufe, Schwünge oder Zufälle schnelle Effekte erzielen - die Arbeit an Messerschnitten verbietet diese Methode einfacher Effekthascherei.
Ernsthaftigkeit, Konzentration und Bewusstsein bestimmen den Arbeitsprozess - ebenso bewusst verzichtet Hans Lankes auch auf den Einsatz von Computerprogrammen oder Schneidplotter.
Statt auf computertechnische Perfektion setzt er ganz bewusst auf künstlerische Perfektion, die einhergeht mit handwerklicher Akribie. Allerdings sagt Lankes auch ganz deutlich, dass er, sobald er das Gefühl habe, ein Messerschnitt werde zu perfekt, zu "glatt", ganz vorsätzlich einen vermeintlich "falschen" Schnitt machen würde, um das Bild aus dem Gleichgewicht zu bringen, um damit auch eine gewisse Rohheit zu bewahren.
Das Ziel ist immer das autonome Bild, das ganz für sich allein steht, das meint, dem Betrachter keine eindeutige Antwort vorzugeben zu müssen. Entsprechend dem Satz von Karl Kraus: "Ein Künstler macht aus Lösungen Rätsel".
In dieser Ausstellung sehen wir so wichtige Werke wie "Days like this" von 2010, in dem ein auf Stelzen laufendes Reh auf einer, wie der Künstler sagt, tätowierten Wiese steht und dabei von einem Mann beobachtet wird. Es werden die sehr beeindruckenden "Hybridenkinder" und "Junge mit Tiger (Jäger Söhne)" gezeigt und das durchaus witzig-leicht gemeinte "Passiert jeden Tag - irgendwo auf der Welt", das bereits jetzt den Spitznamen "Kaffeemännchen" trägt.
Mit gleich sechs Werken ist die 2008 begonnene Serie "Kannst Du mich nicht heute lieben, morgen ist es leicht zu spät", vertreten. Eine Spannung, eine erwartungsvolle Situation, der Gedanke, was als Nächstes passieren könnte ... schwingt in allen diesen Messerschnitten mit. Es sind unterschiedliche Szenarien vorstellbar, verschiedene Möglichkeiten, was aber aus der Konstellation in den Messerschnitten als Nächstes folgt, ereignet sich ganz allein in der Fantasie der Betrachter.
Die Messerschnitte sind in jedem Fall so angelegt, dass sie, je nach Wissens- und/oder Gemütszustand des Betrachters zahlreiche Assoziationsketten auslösen können.
Die Serie "Kannst Du mich nicht heute lieben, morgen ist es leicht zu spät" ist beispielhaft für die Messerschnitte von Hans Lankes, denn die thematischen Schwerpunkte seiner Arbeiten sind sehr oft:

- Innen- und Außenwelten,
- Mensch-Tier-Konstellationen, die nicht als idyllische Mensch-Tier-Portraits konzipiert sind, sondern symbolhaft eingesetzt werden,
- Wechselwirkungen, die emotionale Situationen auslösen,
- Anomalien als Regel, weil es in der Kunst keine Regeln gibt.

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