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Gruppenausstellung: Sean Scully / Jon Groom (vorbei)

15 August 2004 bis 17 Oktober 2004
  Sean Scully / Jon Groom
Jon Groom
 
  Galerie 422

Galerie 422
An der Traunbrücke 9 - 11
4810 Gmunden
Österreich (Stadtplan)

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tel +43-(0)7612-62 668
www.galerie422.at


AUFGRUND DES GROSSEN PUBLIKUMINTERESSES wurde die Ausstellung um 4 Wochen
V E R L Ä N G E R N B I S 17. 10. 2004


K U R Z I N F O :
Sowohl Sean Scully (geb. 1945 in Dublin, Ireland) als auch Jon Groom (geb. 1953 in Powys, Wales) gelten als international renommierte Künstler von Weltrang, darüber hinaus verbindet die beiden Maler - in Kunstkreisen heute eher rar geworden - eine langjährige Freundschaft.

Es ist daher der Galerie422 eine große Freude, diese beiden herausragenden Künstler erstmals in Österreich gemeinsam in einer großen Ausstellung präsentieren zu können.

EINIGE ANMERKUNGEN UND ZITATE ZU SEAN SCULLY
"I think if you have Mondrian, if you have Matisse, Mondrian, Rothko, then you've got my work.
Those are the three - there are others."

Sean Scully in einem Interview, 1994

"Ein wahrer Sog geht von den einfachen Farbmustern aus - eine Attraktion, die den Blick des Betrachters ansaugt, aber nicht in eine vage Tiefe zieht, sondern an der Oberfläche der mit breitem Pinsel aufeinander geschichteten Materien zur Ruhe kommen lässt. (...)
Scully erteilt dem Experimentieren mit den selbstverzehrenden Zweifeln an der Fortsetzungsfähigkeit der Moderne eine Absage. Er ist ein Traditionalist der Moderne. Die Berufung auf die Autorität von Matisse, Mondrian und Rothko ist kein Anspruch auf matte Wiederholungen. (...)
Die Dominanz und verlässliche Präsenz des Farbenspiels, die uns in Scullys Streifenbildern begegnen, passt nicht zum utopischen Versprechen des Konstruktivismus; und spröde changierende Farbschichten, die den Blick an der Oberfläche festhalten, erlauben auch kein Eintauchen in spekulative Tiefen.(...)
Scully bleibt auf handwerklich solide Weise der Moderne treu, indem er den prätentiösen Gestus der hinter ihm liegenden Avantgarden verabschiedet. Er malt einfach so, als hätte die längst verunsicherte Moderne noch festen Boden unter den Füßen."
Jürgen Habermas

EINIGE ANMERKUNGEN UND ZITATE ZU JON GROOM:
"Grooms Umgang mit Farbe ist überaus behutsam und kenntnisreich, souverän und konzentriert setzt er seine Farben ein, die nur auf den ersten Blick monochrom oder minimalistisch wirken mögen.
Er trägt der Tatsache Rechnung, daß Farben Lichtfrequenzen darstellen und als solche Modulationen unterliegen. So ändern sich seine Farben je nach Tageszeit, Lichtquelle und Einfallswinkel, wirken einmal stumpfer und matter, um ein anderes Mal goldfarben oder bienenwachsähnlich opak von innen heraus zu leuchten."
Hans Michael Herzog

"Und mit seinen jüngsten Bildern führt er auch den Augen betörenden Beweis an, dass das minimalistische Korsett der Farbflächenmalerei noch ein ungeahntes Potential bergen kann, wenn man es mit intellektuellem Esprit, mehr noch aber mit Sensitivität zu aktivieren weiß."
Birgit Sonna

Sean Scully - malerischer Minimalismus
Von Florian Steininger

Sean Scully gilt als entscheidender Protagonist einer in den frühen 80er Jahren etablierten Künstlergeneration, die sich einer abstrakten Bildsprache mit malerischem Schwerpunkt verschrieben hat. Scully bildet die Speerspitze derjenigen Strömung - David Reed, Helmut Federle, Brice Marden, Günther Förg, u.a. -, die gleichsam das formale Gegenstück zur wieder erstarkten figurativen Malerei in der postmodernen Kunst definiert. Anstelle von Gegenstand, Narrativität und heftiger Unmittelbarkeit, wie etwa in den malerischen Würfen der Neuen Wilden, herrscht eine klassische Ästhetik des Sublimen und Minimalistischen vor, jedoch stark durch die sinnliche Note des Malerischen par excellence gespeist. Scullys Gemälde sind exquisite, dichte koloristische Schöpfungen, an die Tradition der europäischen Malerei gebunden - das Sfumato von Tizian und Veronese oder die intensive Farbenpracht von Matisse schwingt entfernt aber dennoch spürbar in Scullys Farbtextur mit.

Scullys formale Gestaltungsprinzipien erinnern in ihrer Struktur an konstruktivistische Kompositionen, indem er farbige Segmente in einem Rastersystem in Relation zueinander setzt. Streifenkompositionen und Schachbrettmuster entstehen. Die kunsthistorische Basis dafür ist vielfach: Piet Mondrians relationale neoplastizistische Gemälde diesseits der Darstellung oder minimalistische Positionen der amerikanischen Avantgarde von Brice Marden oder Agnes Martin sind dafür naheliegende Beispiele.

Scully forciert in seiner Malerei einen Kompositionsbegriff, der sowohl Strategien des europäischen Konstruktivismus als auch die der Minimal Art vereint, aber dennoch neue eigene Wege einschlägt. Verhältnisse, Verbindungen zwischen einzelnen Bildteilen treten auf, Spannung des Zu- und Gegeneinander werden aufgebaut. Farbbalken fügen sich zu einer auf Orthogonalität, Symmetrie und Rhythmus basierenden Logik: auf Vertikal folgt Horizontal, Hell und Dunkel kommunizieren miteinander, auf Quadrat folgt Quadrat. Manchmal entstehen komplexe Brüche innerhalb einer Komposition. Der Maler relativiert die homogene Erscheinung des Bildgefüges, in dem er diametral entgegengesetzte Farben und Formen einschiebt oder neue Bildebenen in Form von Inserts darüber schichtet.
In der Minimal Art wir der klassische Kompositionsbegriff, der auch noch in der abstrakten europäischen Malerei, wie bei Kandinsky und Mondrian vorgeherrscht hat, aufgehoben. Anstelle einer in sich geschlossenen Ordnung und Balance herrscht Gleichheit und Serialität der Bildteile vor. Vor allem aber in den dreidimensionalen Arbeiten von Carl André und Donald Judd - aneinandergereihte Module - herrscht eine nonrelationale Struktur des Werks vor: Gleichwertigkeit der einzelnen Teile.

Dieses formale Phänomen der Gleichwertigkeit ist bereits in den monumentalen Drip Paintings von Jackson Pollock zu erkennen. Bildzentren oder hierarchisch übergeordnete Zonen werden zugunsten eines gleichmäßigen Liniennetz von gespritzter Farbe negiert. Das All Over, das scheinbar potentiell erweiterbare Ganze, das Aufbrechen der faktischen Bildgrenzen, verleiht dem Bild Feldcharakter und Weite, einem Wandbild in seiner elementaren Beschaffenheit näher als dem traditionellen Staffeleibild mit Rahmen, als Metapher für den Blick durchs Fenster. Wenn auch nicht informell gestaltet, sondern mehr konstruktiv geometrisch, arbeitet auch Scully mit der Dimension des All Overs, dem weiten Bildfeld. Die Mächtigkeit des Formats und das Ausschnitthafte in der kompositorischen Anlage der Streifen, Balken und Quadrate zeigen Verwandtschaften zum Abstrakten Expressionismus und zum Colourfield Painting. Scully lebt und arbeitet seit den 70er Jahren regelmäßig in New York, die Geburtsstätte der Bilder von Pollock, Newman und Rothko, entscheidende Inspirationsquellen für seine malerischen Strategien.

Wenngleich Sean Scullys Gemälde, Pastellarbeiten, Aquarelle und Druckgrafiken formal abstrakt erscheinen, fließen dennoch inhaltliche und emotionale Momente der Erinnerung und Reflexion des Künstlers ein. Scully hat bereits seinen strengen minimalistischen Gemälden der 70er Jahre ganz persönliche Titel verliehen, wie etwa Catherine, den Namen seiner ersten bereits verstorbenen Frau. So wie auch Brice Marden und Agnes Martin zeigt sich Scully als sensibler "humanistischer" Maler, trotz Raster, Konstruktion und Serialität. Impressionen des Alltags, wie etwa die der pulsierenden Metropole New Yorks, sind Bestandteil seiner Malerei, wie etwa die mit breiten Holzlatten bedeckten Baugruben, die sich in den leicht unregelmäßig definierten groben Farbbalken widerspiegeln. Ab den 90er Jahren entstehen auch Fotografien von Scheunen- und Häuserfassaden, in denen der Künstler kompositorische Wahlverwandtschaften zu seinen gemalten Bildern sucht.
Scullys monolithisch anmutende Werke strahlen auch eine gewisse archaische Kraft aus. Die samtig vibrierend warmen Farben vermitteln eine "menschliche" Qualität und ihre geometrischen Fassungen - Streifen, Rechtecke und Quadrate - zeigen "dekorative" Züge, verwandt mit Textilien außereuropäischer Kulturen, wie etwa Navajo-Wolldecken oder mit marokkanischen Geweben. Ornament und Abstraktion nehmen hier eine selbstverständliche Wechselwirkung ein.

Synergien treten in Scullys Bildern zwischen der Moderne, die die Abstraktion als eines ihrer markantesten Phänomene hervorgebracht hat - Selbstanalyse der Malerei - und kulturellen funktionellen Praktiken, die an den Dekor als ästhetische Konstante gebunden sind, auf. Diese Qualitäten stehen somit den coolen, industriell fabrizierten Objekten von Donald Judd, Carl André und Sol LeWitt deutlich entgegen, wo jegliche persönliche Handschrift dezidiert ausgeschlossen wird.

Scully führt uns in eine Bildwelt mit Sinnlichkeit und malerischer Klassizität angreichert ein, die uns sowohl in rational konzeptionellen Belangen als auch rein "menschlich" emotional erfasst und erfüllt.

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