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Gruppenausstellung: Slater Bradley "Keys in the mailbox" / Lisa Ruyter - Paintings (vorbei)

12 Januar 2002 bis 23 Februar 2002
  Slater Bradley
Lisa Ruyter
Slater Bradley
 
  ARNDT

ARNDT
Potsdamer Straße 96
10785 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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www.arndtberlin.com


Arndt & Partner eröffnen die Saison des Jahres 2002 mit zwei US-amerikanischen Künstlern, die in ihren Arbeiten auf unterschiedliche Weise Anleihen bei ihnen künstlerisch fremden Medien nehmen.

So sucht Slater Bradley die formalen und emotionalen Möglichkeiten der Videotechnik auszuloten, indem er diese sowohl im dokumentarischen Modus als auch in Form präzise arrangierter Filmsettings vorführt. Geraten ihm die Bilder dabei zeitweise in Unschärfe, so können sie eine betont malerische Qualität erlangen. Ob nun dokumentarisches real-life oder artifizielle Konstruktion - stets werden die Arbeiten von einer ungewöhnlichen Dichte und Kraft getragen, die dem Betrachter eine empathische Antwort abverlangen.

In "JFK, Jr." (1999) beobachtet der Künstler ein junges Mädchen vor dem New Yorker Wohnhaus von John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette Kennedy am Tag nach deren Unfalltod. Wie viele andere möchte es eine Blume niederlegen, um ihrer Trauer Ausdruck zu geben. Der Kamerablick folgt dem Mädchen, schaut ihr über die Schulter, liest ihre Karte - bis die Blicke sich treffen. Das Video erstirbt formal, als die Trauernde der Kamera gewahr wird, direkt zurückstarrt, verletzt und wohl verlegen, und die Neugierde des dokumentarischen Blicks plötzlich sichtbar in Voyeurismus umschlägt.

In der Videoarbeit "The Laurel Tree (Beach)" (2000) inszeniert Bradley eine Passage aus Thomas Manns Novelle "Tonio Kröger" (1903). Der Text kontrastiert die "Heiligkeit" der Kunst in ihrer Entfernung vom Leben mit der rührenden, doch irritierenden Anmaßung des Dilettanten, der für seine Verse halb mitleidiges, halb gutmütiges Lob erntet. Für ihn kann der Dichter-Erzähler als ernstmeinender Künstler nur offene Verachtung empfinden. Bradley nun "besetzt" die Rolle des Erzählers mit der Schauspielerin Chloé Sevigny, die den Text unter stürmisch schweren Wolkenschichten auf einem einsamen Strand vorträgt. Begleitet von der getragenen Musik Georges Delerues für Jean Luc Godards "Die Verachtung" erlangen die Bilder ein sublimes Pathos. Die künstlerische Ernsthaftigkeit wird von einem Moment sorgloser Jugend durchbrochen als Sevigny "auf eine gewisse übermütige Art lachend den Kopf zur Seite wirft", einem Moment des "Entzückens", so Mann, das den Künstler aus der Verachtung des Lebens, in das Leben zurückholt. Weiter fährt die Kamera über Sevignys Gesicht, ihre Hände, ihr T-Shirt, auf dem - in Fraktur - die Worte "Power Through Joy" zu lesen sind. Welch abgründiger Ironie entspringt diese Aufschrift, Titel des nationalsozialistischen Freizeitprogramms für Arbeiter, dem auch Vergnügungsreisen an die See angehörten?

Slater Bradley wurde 1975 in San Francisco geboren und studierte an der University of California, Los Angeles. Er lebt und arbeitet in Brooklyn. Nach internationalen Ausstellungserfolgen, u.a. in New York, Los Angeles, Paris, Genf und Amsterdam, präsentiert er sich nun erstmals dem deutschen Publikum in einer Einzelausstellung.

Anläßlich der Ausstellung erscheint die Serie "Keys in the mailbox" (2001), eine Edition von 25 kleinformatigen Fotographien (36 x 43 cm).

Lisa Ruyter verbindet auf besondere Weise die Medien Fotografie, Malerei und Film. Schnappschüsse von Alltagsszenen, Freizeit- oder Industrieanlagen dienen der Malerin als Vorlage für großformatigen Acrylbilder, indem sie auf eine monochrom eingefärbte Leinwand projiziert und in ihren Umrissen scharf nachgezeichnet werden. Zwischen den entstandenen Konturen trägt Ruyter homogene Farbflächen auf, dicht und ohne Variation im Duktus. Erinnert dies an das Malen-nach-Zahlen aus Kindertagen, so trotzt Lisa Ruyter dem Verfahren in ihrer Mißachtung dafür, welche Farbe einer bestimmten Fläche zugedacht sein könnte. Die Farben übernehmen selbst die Regie, wie etwa in „Here beneath the North Sky" (2001), wo das Senfgelb des Himmels, das Mauve eines Reifens und das Himmelblau des Asphaltbodens beginnen, eine eigene Geschichte zu erzählen. Die fotografischen Vorlagen bleiben oftmals als scharf angeschnittene Kompositionen präsent, so dass die Gemälde rätselhaft, wie aus dem Zusammenhang gerissen scheinen und die Qualität von Filmstills erlangen. Ein Eindruck, den auch die Bildtitel suggerieren mögen, welche zumeist Filmen entliehen sind.

Lisa Ruyter, 1968 in Washington D.C. geboren, studierte am MCPS Art Center in Maryland, sowie in New York an der School of Visual Arts und dem Hunter College. Sie lebt und arbeitet in New York. Ruyter ist seit Jahren international erfolgreich tätig und stellte in der jüngsten Vergangenheit u.a. am P.S.1 und dem Whitney Museum in New York aus.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen Julie Burchardi und Eleonora Holthoff gern zur Verfügung.

Abbildungen:
Lisa Ruyter, High Sierra, 2001
Slater Bradley, Keys in the mailbox, 2001

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