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Gruppenausstellung: Solitaires (vorbei)

18 Oktober 2012 bis 17 November 2012
  Solitaires
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Mit Blanca Blarer, Reto Boller, Ilona Ruegg und René Zäch bringt die Ausstellung «Solitaires»
vier Positionen zusammen, die den hochzivilisierten und –industrialisierten Alltag als
Ausgangspunkt ihrer räumlichen Arbeiten nehmen. Sie bedienen sich den Produkten der
Industriegesellschaft und damit Objekten, denen eine gewisse Funktionalität und Bedeutung
bestimmt ist. Diese Funktionalität jedoch, inklusive ihrer Konnotationen eines effizienten
Produktions- und Kultursystems, durchläuft im Transformationsprozess vom bestimm- und
benennbaren Alltagsgegenstand in die Sphäre der Kunst eine Metamorphose, welche die
gezeigten Arbeiten aus verschiedenen Blickwinkeln artikulieren.

Blanca Blarer bewegt sich mit ihren Kunst-und-Bau-Projekten, die den Schwerpunkt ihrer
Arbeit bilden, exakt im Spannungsfeld von Zweckdienlichkeit, wie sie die Architektur fordert,
und Funktionslosigkeit, wie sie die Kunst suggeriert. Auch den beiden «kontextfrei»
entstandenen Arbeiten in der Ausstellung liegen Untersuchungen von Strukturen und
Systemen zugrunde, die architektonischen Entwurfs- und Konstruktionsweisen nahe stehen.
Sowohl die Wandarbeit – eine «Konstruktion aus Edelstahl» – wie auch der «Spiegelstrauss»
vermitteln unterschwellig einen gewissen Gebrauchsaspekt, der aber erklärtermassen
unerfüllt bleibt, gleichsam als Störelement mit der formalästhetischen Perfektion der
Arbeiten bricht.

Das Material von Reto Bollers jüngeren Arbeiten stammt aus nicht minder bekannten
Zusammenhängen – industrielle Restprodukte und Alltagsgegenstände, Isolationsplatten und
Autoreifen; konkrete Objekte, die Boller seinen Farb- und Formdispositionen soweit
einverleibt, sie etwa mit Folie überzieht oder zu installativen Arrangements zusammenfügt,
dass das eigentlich bestimmte Material ins Unbestimmte, ja Abstrakte abzudriften scheint.
Diese bisweilen widersprüchliche Materialität der Arbeiten eröffnet Denkräume, die uns
unser Verhältnis zur Dingwelt aber auch zu Bild und Abbild überdenken lassen.
Auch Ilona Rueggs Kontextverschiebungen von Bauteilen, die sie in den beiden Arbeiten in
der Ausstellung vornimmt, zielen in eine ähnliche Richtung. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf
dem oben beschriebenen Transformationsprozess – dem Vorher und Nachher des Materials,
das, seinem ursprünglichen Verwendungszusammenhang entzogen, mit anderen entfremdeten Werkstoffen in einen Dialog tritt, um hier wiederum neue Zusammenhänge zu generieren.

Produkt dieser Auseinandersetzung, gleichsam künstliche Zugabe aber auch
Scharnier, sind die von Ruegg angefertigten Aluminiumobjekte, deren Formen aus den zu
einem Dreiecksprisma positionierten Türzanken resultieren.
René Zächs Rückgriff auf die Dingwelt geschieht durch Zitate. Anstatt sich die faktischen
Werkstoffen und Objekten anzueignen, artikuliert er sich durch Modelle, die „die Dinge auf
den Begriff“ bringen. Uns Bekanntes wird nicht nur zweckentfremdet, sondern auch ins
Absurde, Anekdotische gekippt – eine Fernrohrkette ohne Anfang und Ende; Mikrophone, die
ihre Redner kategorisch ausschliessen. Zächs widersprüchliches Unterfangen ist es, die
Zeichenhaftigkeit der Dingwelt zu konkretisieren – in den beiden Arbeiten in der Ausstellung
passiert dies auf erfrischend humorvolle Art und Weise.

Der neue, künstlerische Kontext bedeutet für die Alltagsmaterialien und -dinge über ihre
Verfremdung hinaus auch eine Veredelung. Ihrem Dasein als anonymes Massenprodukt
entzogen, entfalten sie, zu räumlichen Objekten verarbeitet, eine Individualität, die sie zu
Kommentaren zu den im Alltag viel zu unreflektierten Wahrnehmungsmodi der uns
umgebenden Dingwelten macht. Sie sind, wie es der Titel der Ausstellung impliziert,
«Solitaires»: rarer Diamant und zugleich Einsiedler und Fremdgänger.

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