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Gruppenausstellung: Stefan SCHESSL / Michael WESELY - ein anderer Blick (vorbei)

2 Dezember 2011 bis 28 Januar 2012
  Stefan SCHESSL / Michael WESELY - ein anderer Blick
Michael Wesely, Stilleben (7.7. - 20.7. 2010)
 
  Nusser & Baumgart

Nusser & Baumgart
Steinheilstr. 18
80333 München
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)89 - 22 18 75
www.nusserbaumgart.com


Nusser & Baumgart freut sich, in der kommenden Ausstellung die beiden aus München stammenden Künstler Michael Wesely (*1963) und Stefan Schessl (*1967) im Dialog zu präsentieren. Weisen die fotografischen Werke von Michael Wesely und die Malereien von Stefan Schessl auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten auf, so eröffnet sich im Dialog ein anderer Blick. Es findet sich eine Übereinstimmung im künstlerischen Ansatz, die sich als Unterlaufen von vorgewussten Bildern beschreiben lässt - als Interesse an einem anderen Blick auf das, was im jeweiligen Medium ein "Bild" ist und leisten kann: Michael Wesely lässt in seinen Langzeitaufnahmen mit teilweise extrem ausgedehnten Belichtungszeiten fotografische Bilder entstehen, die sich einer Abbildhaftigkeit verweigern, so wie Stefan Schessl mit Hilfe diverser materieller Verfahren die Malerei an eine Grenze treibt, wo sie ihre Bildhaftigkeit verliert und dekonstruiert wird.

Michael Wesely hält durch seine Langzeitaufnahmen, welche teilweise mehrere Jahre andauern, nicht einen Moment, sondern ganze Zeitspannen fest. Es entstehen Bilder, die wir zu sehen nicht gewohnt sind: Den Fotografien Weselys sind der Verlauf der Zeit, der Fluss von Bewegungen und Abläufen eingeschrieben, ohne diese jedoch unmittelbar zu zeigen. Damit stellt sich die Frage, was wir hier eigentlich sehen? In hohem Maß sind die Arbeiten geprägt vom Zusammenspiel dessen, was zum einen das Foto zeigt und zum anderen dem, was wir in das Bild hinein projizieren. Projektion und Evokation als den Fotografien Weselys implizite Werkkategorien halten sich in einer nicht auflösenden Schwebe und stellen unsere gewohnte Wahrnehmung zutiefst in Frage.

"Wesely entledigt sich des notorischen fotografischen Realismus, indem er die Bilder in manchmal erheblichem Maße von den Zwängen der Eindeutigkeit und der Wiedererkennbarkeit suspendiert. Er versetzt die Bilder in anhaltende Aufnahmebereitschaft, heißt Zufälle willkommen, durchbricht den Stumpfsinn der Oberflächen, rüttelt an ihrem zur Selbstgewissheit gewordenen Anblick und beantwortet die konventionelle Starrsinnigkeit der Wiedergabe mit der Unschärfe des nur noch zu Ahnenden. Kurz, er bezweifelt die Bilder der Realität mit Hilfe der Realität seiner Bilder..."
(Jürgen Harten, Auszug aus dem Katalog "Michael Wesely. Time Works", 2010, Schirmer/Mosel)

Gebrauchsspuren und Farbschlieren suggerieren bei den Bildern und Papierarbeiten Stefan Schessls eine Geschichte, eine Herkunft aus möglicherweise graphischen und zeichenhaften Kontexten, sind tatsächlich aber die Folge einer Malerei, bei der das Sichtbare die Überreste dessen darstellt, was in einem aufwendigem Herstellungsprozess durch Schichtungen und deren nachträglicher Entfernung entwickelt wurde.
"Wir kommen nicht um die Erkenntnis herum, dass in Gemälden gerade jene Kategorien, die es uns überhaupt erlauben, sie als solche wahrzunehmen, nicht erkannt werden können. Wir bleiben vor den Bildern blind. Meine zunehmend komplexer werdenden Reihen von Verfahrensweisen halten die Gemälde in einer Schwebe von Unentscheidbarkeit und Vieldeutigkeit, in der unterschiedliche Wahrnehmungs- und Deutungsmöglichkeiten gleichzeitig und wertungsfrei existieren. Das Wesen der dienenden Hand, ihre Instrumentalität, wird zusehends sabotiert." (Stefan Schessl)

Michael Wesely und Stefan Schessl versuchen nicht, das real Sichtbare zu interpretieren. Stattdessen lassen beide Künstler eine paradoxe Souveränität der Vieldeutigkeit entstehen - die als mögliche Fixpunkte dienenden Aspekte wie Raum und Zeit scheinen sich dabei aufzulösen. Darüber hinaus wird bei beiden künstlerischen Positionen die technische bzw. materielle Einschreibung zum expliziten Thema: Spuren - die von Licht oder Farbe - schichten und überlagern sich auf komplexe Weise. Diese nicht mehr bildhaften Bilder evozieren ein gleichermaßen intellektuelles wie ästhetisch dichtes und sinnliches Erlebnis.

Ausstellungsidee und Konzept: Christopher Kramatschek

Stefan Schessl studierte von 1988 bis 1994 Malerei unter den Professoren Rudi Tröger und Jerry Zeniuk an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach einem Daad-Stipendium für Rom (1997-1998) und der Auszeichnung mit dem Bayerischen Staatsförderpreis (2000) folgten Stipendien für Paris (2006) und New York (2002). Schessls Arbeiten wurden weltweit in Museen und Institutionen wie Pinakothek der Moderne (München), Kunstverein Wiesbaden, Kunstverein Recklinghausen, Haus der Künstler (Kiew), Guang Dong Art Museum (Guangzhou), White Space Gallery (Peking) und Duolan Museum (Shanghai) ausgestellt. Arbeiten finden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Neben seiner künstlerischen Arbeit übt Schessl kuratorische Tätigkeiten aus, hält Vorträge und verfasst Texte zum Thema der Malerei. Zudem zahlreiche Auftritte als Akkordeonist. Stefan Schessl lebt in Leipzig.

Michael Wesely besuchte von 1986 bis 1988 die Bayerische Staatslehranstalt für Fotografie in München. Anschließend studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München. Weselys Arbeiten wurden weltweit in Museen und Institutionen wie Alte Nationalgalerie (Berlin), Berlinische Galerie (Berlin), Martin-Gropius-Bau (Berlin), Hamburger Bahnhof (Berlin), Haus der Kunst (München), Hamburger Kunsthalle, Kunsthalle Kiel, Gemeentemuseum (Den Haag), Museum of Modern Art (New York), Museum voor Fotografie (Antwerpen), Palais des Beaux-Arts (BOZAR, Brüssel), Museum für Moderne Kunst (Moskau) ausgestellt, aktuell in Schloss Wilhelmshöhe (Kassel). Arbeiten finden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Michael Wesely lebt in Berlin.

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