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Einzelausstellung: Stephan Melzl (vorbei)

4 September 2010 bis 12 Oktober 2010
  Stephan Melzl
Stephan Melzl
 
  Thomas Rehbein Galerie

Thomas Rehbein Galerie
Aachener Strasse 5
50674 Köln
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)221-310 10 00
www.rehbein-galerie.de


Dies ist die vierte Einzelausstellung von Stephan Melzl in der Thomas Rehbein Galerie.
Eine ganze Welt malerischer Gestaltungsmittel, die als revolutionäre, künstlerische Neuerungen für das Zeitalter der Renaissance kennzeichnend sind, entfalten sich bei genauerem Hinsehen in den Bildern von Stephan Melzl. In der abendländischen Malerei, mit Bilderwerken überwiegend religiösen Inhalts, trugen diese formalen Errungenschaften viel zur Verfeinerung der Bilderzählung bei. Das Zusammenwirken einer harmonisch ausgewogenen Bildkomposition, christlichen Attributen und Symbolen machten die Wiedergabe biblischer Geschichten und eine direkte Betrachteransprache wahrscheinlich. Auch die Bilder von Melzl berühren, doch bleibt der Bildinhalt in seinen Arbeiten für den Betrachter rätselhaft. Mit den traditionellen Mitteln der Malerei liefert er uns zwar vermeintlich Bausteine für den Versuch einer Inhaltsdeutung, jedoch lassen seine eigenwilligen Bilderwelten jeden Interpretationsspielraum offen. Klassische Bildkonventionen werden hier in eine zeitgenössische Bildsprache überführt. Seine Bilder formulieren etwas Eigenes, eine neue Bildhaftigkeit, in der metaphysische Fragestellungen auf einer inhaltlichen Ebene sichtbar werden.

In Entwurf blickt eine männliche Figur in zeitgenössischer Alltagskleidung auf ein monumentales Wandfresko, das eine barocke Bildkomposition zeigt. Auf dem Pergament in seinen Händen wird mit dem Schriftzug INRI auf den Bildinhalt der Wandmalerei verwiesen. Weitere Hinweise auf das biblische Ereignis der Kreuztragung finden sich in der Darstellung selbst, etwa durch die deutliche Anlehnung an die Darstellung der Heiligen Veronika in der christlichen Kunst nach 1400. Nur, dass sich hier das Antlitz Christi, nicht in das Tuch der weiblichen Figur im Bildvordergrund eingeprägt hat. Die leicht gebeugte Haltung des vermeintlichen Museumsbesuchers korrespondiert mit jener der männlichen Figur im mittleren Bildraum des Freskos, bei der wir jedoch ein leeres Pergament vorfinden. Die Betrachterfigur vor dem Gemälde wird somit zur Schlüsselfigur, die mit dem Schriftzug das Bild im Bild als eine biblische Szene lesbar macht. Solche Doppelungen von Attributen oder dem Habitus von Figuren sind eine Konstante in Melzls Bildern.

Die Lichtführung in seinen Arbeiten erinnert an die Hell-Dunkel-Malerei in der Spätrenaissance und im Barock, dem sogenannten Chiaroscuro, wie bei Carravaggio und später bei Rembrandt. Auch Melzl bedient sich der Wirkung von Licht und Schatten, um Körper in ihrer Räumlichkeit zu betonen, aber vor allem um seelische Befindlichkeiten darzustellen. In o. T. (Nr. 2010-05) wird die Hauptfigur des Ölgemäldes durch ein grelles Licht erhellt und somit eine ausdrucksvolle Stimmung geschaffen, während die Dunkelheit zugleich das Geheimnisvolle dieser Szene unterstreicht. Die Papiertüte über dem Kopf erinnert an Bildnisse zur "Verspottung Christi", in denen Jesus mit verbundenen Augen und gefesselten Händen von Spöttern geächtet wird. Dem unbarmherzigen Bildthema, wird auf einer zweiten Bildebene scheinbar ein Sinnbild der Unschuld in der zarten Gestalt einer jungen Frau gegenübergestellt. Als Pendant trägt sie eine Papiertüte mit dem Portrait der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, die aufgrund einer chronischen Krankheit ein vergleichsweise leidvolles Martyrium erdulden musste.

Immer wieder stößt man auf religiöses Bildvokabular, etwa einen Heiligenschein oder schöpferische Erkenntnisse, wie die Studie "Der vitruvianische Mensch" von Leonardo da Vinci in Vergessene Bilder, die ihre entsprechenden Analogien in Gegenwartssymbolen wieder finden. Für den Ausdruck innerer Zustände hebt Melzl seine Figuren durch bestimmte Lichteffekte auf eine zeitentrückte Ebene. Zugleich umhüllt er seine malerischen Welten jedoch gänzlich in ein mystisches Licht und transferiert sie in eine Atmosphäre von merkwürdiger Melancholie. Mit dem Aufgreifen der kleinformatigen Bildform des für die altniederländische Malerei charakteristischen Tafelbildes fordert er uns zur nahsichtigen Betrachtung seiner Bilder und regt so zu einer Reflexion über die allgemeinen Fragen des Seins an. Dennoch bewahrt Melzl seiner Malerei auch einen humorvollen Charakter, indem er uns die verstorbenen Idole Marilyn und Elvis als Stillleben mit Totenkopf präsentiert oder in Capriccio (Barbie) offenbar auf erotische Spielereien anspielt.

Miriam Walgate

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