Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Susan Turcot - Exxon Valdez’s offspring (vorbei)

5 November 2010 bis 18 Dezember 2010
  Susan Turcot - Exxon Valdez’s offspring
Susan Turcot
 
  GALERIE URSULA WALBRÖL

GALERIE URSULA WALBRÖL
Mutter-Ey-Straße 5
40213 Düsseldorf
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden

www.galerie-walbroel.de


In ihrer neuen Ausstellung in meiner Galerie präsentiert die aus Kanada stammende Künstlerin Susan Turcot eine sechsteilige Serie großformatiger Kohlezeichnungen. Schon seit langem hat sich Turcot in unterschiedlichen Teilen der Welt in einer immer weiter ausdifferenzierten Arbeitsweise, die zwischen reportagehafteren und symbolisierungsnäheren Verfahren pendelt, der sich krisenhaft zuspitzenden und weltweit politische Prozesse lenkenden Ökonomien der natürlichen Ressourcen gewidmet. Nach ihrer Auseinandersetzung mit anderen fossilen Ressourcen konzentriert sie sich in ihren neuen Arbeiten auf die faktischen und metaphorischen Eigenschaften der Energiequelle Erdöl. Mit dem "Exxon-Valdéz" im Titel der Ausstellung, der auf das Öltankerunglück vor Alaska im Jahr 1989 rekurriert, reagiert sie nicht nur auf die aktuellen Geschehnisse, den fatalen und noch immer unüberschaubaren Umweltschaden, den eine leck gegangene Ölbohrplattform der Firma BP zuletzt angerichtet hat. Sie ruft auch die Kontinuität der Umweltkatastrophe ins Bewusstsein, die sich in ihrer Dynamik und Irreversibilität mit herkömmlichen politischen Instrumentarien längst nicht mehr effektiv bearbeiten lässt. Auf den querformatigen Zeichnungen ist jedoch nicht nur eine Ästhetik des "oil spill" vorgeführt, wie sie in der letzten Zeit in den Nachrichtenmedien entwickelt wurde - es werden die endlosen Extensionen, Kreuzungen, Stützkonstruktionen und Volumina der transkontinentalen Ölpipelines als ein äußerst verletzliches Adernssystem beschworen, das im Zeitalter sich vermeintlich lockernder Grenzen, aber auch ständig wachsender Sicherheitsrisiken neue Territorialitäten diktiert, die sich letztlich nicht mehr mit staatlichen Machtansprüchen rechtfertigen lassen. Dass Turcot für ihre Zeichnungen die fossile Ressource Kohle benutzt, verweist zurück auf eine bestehende Praxis der Reflexivität ihrer künstlerischen Mittel, bei der es längst nicht mehr nur um eine erklärende Darstellung von Verhältnissen geht, sondern zugleich immer mit großer Dringlichkeit um den Verweis auf die Geschlossenheit und Fragilität natürlicher Ressourcenkreisläufe. Aufgegriffen und teilweise auch umgeleitet werden die Motive dieser Zeichnungsserie durch ein zweiarmiges Mobile, das Turcot aus Fundstücken - dem inneren Kern eines Autoreifens und schwarz bemalten Palmwedeln - vor Ort zusammengefügt hat. Am Ende des einen Armes hängt ein Plastikbecher mit einem letzten Wasserrest, an der anderen Seite findet sich ein Zettel mit der Aufschrift "Slavery?". Mit diesen Motiven eröffnet sie den Zeichnungen mit einer Kritik der politisch-ökologischen Symbolik und Metaphorik den Zugang zu neuen und weiteren Bedeutungsräumen.

"Mein Interesse gilt den Ressourcenökonomien, Ländern wie Kanada, aus denen Petrodollar-Staaten geworden sind, die bisweilen auch als mafiöse Kapitalismusstaaten bezeichnet werden. Es sind ihre gewaltigen Profite, die ganze politische Systeme subvertieren. Natur und Menschen werden zu Objekten, deren Wert der Markt bestimmt. Wenn sie die Petrodollars annehmen, öffnen sie damit auch der ökonomischen Sklaverei Tür und Tor: Arbeiter/innen werden der Lohnsklaverei preisgegeben, Gewerkschaftsstrukturen aufgelöst, aus langfristigen werden kurzfristige Zeitverträge. 21 Tage Zwölfstundenschichten und 7 freie Tage, das ist keine Seltenheit, die körperliche Vergiftung durch die Arbeit mit schädlichen Substanzen tut ein übriges, um den Willen zum Widerstand zu brechen, die zugleich dem Diktat der Prämienwirtschaft unterworfen sind. Das Selbst verschwindet darin.

Der kanadische Journalist Andrew Nikiforuk vergleicht in seinem Buch "Tar Sands - Dirty Oil and the Future of a Continent" Gesellschaften, die auf Förderung, Verarbeitung und Distribution von Öl basieren mit Sklavenhaltergesellschaften. Beide Gesellschaftsformaten haben sich in eine Abhängigkeit von Wohlstand und gesteigertem Lebensstandard begeben, die sie mit den ihnen jeweils eigenen Mitteln hervorbringen. Ohne diese ist für sie kein Leben vorstellbar. In beiden werden grundlegende gesellschaftliche Funktionen korrumpiert, es wird ein ethischer Bankrott erklärt." (Susan Turcot)

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.