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Gruppenausstellung: There is no border...* (vorbei)

1 September 2007 bis 14 Oktober 2007
  There is no border...*
Amar Kanwar, A Season Outside, 1997, Videostill
 
  Galerie im Taxispalais

Galerie im Taxispalais
Maria Theresien Straße 45
6020 Innsbruck
Österreich (Stadtplan)

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tel +43-(0)512-508 3171
www.galerieimtaxispalais.at


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I wish*


1. September – 14. Oktober 2007

Pressekonferenz: Freitag, 31. August 2007, 10 Uhr

Eröffnung: Freitag, 31. August 2007, 19 Uhr

Zur Ausstellung spricht
Dr. Silvia Eiblmayr, Leiterin der Galerie im Taxispalais

Das Ausstellungsprojekt befasst sich mit dem Thema „Grenze“ unter verschiedenen Aspekten und künstlerischen Zugängen. Als Titel und gleichsam als Motto dient ihm ein Satz der Künstlerin Šelja Kameriæ, dessen zwiespältige Rhetorik die realen Verhältnisse anspricht und zugleich auch den Wunsch, diese zu überwinden.

In There is no border... beschäftigen sich 24 KünstlerInnen mit Systemen von äußeren und inneren Räumen, die sowohl von konkreten und materiellen als auch von imaginären und mentalen Grenzen bestimmt werden. Allen diesen Systemen ist gemeinsam, dass sie auf soziale und territoriale Strukturen verweisen, in denen es (im weitesten Sinn) um machtspezifische Situationen geht. Die „Grenze“ artikuliert sich in sehr diversen, vielfach fiktiven Formen von überschreitungen und Bewegungen, von Zwischenräumen, Kreuzungen oder Verflüssigungen. So kann sie sich als kartografische Trennlinie, als reale Mauer oder Zaun - z.B. eines Gefängnisses - manifestieren, ebenso aber auch in einem Überwachungssystem oder in der Bürokratie von Visumserteilungen einer Botschaft. In ihren verschiedenen Ausformungen wird die „Grenze“ zu einem zentralen Thema gesellschaftlicher Prozesse, dem die KünstlerInnen mit Aktivismus, mit dramatischer Regie, mit fotografischer Registratur, mit Ironie oder filmischer Fiktion begegnen.

So „porträtiert“ Dragos Alexandrescu hinter Gittern gesicherte Autos und deren sozialen Status in Rumänien. Narda Alvarado inszeniert eine absurd-witzige Barriere im Straßenverkehr von La Paz, indem sie die „Olive Greens“, die Verkehrspolizisten, für eine absurde Aktion die Straße sperren lässt. Heath Bunting realisiert eine weitere Route seines langjährigen Projekts borderXing (Border-Crossing), den Grenzübertritt an einem unbewachten Ort, diesmal an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Sonja Gangl zeichnet mit Bleistift besonders stimmig-symptomatische Schlussbilder (The End) von Hollywoodfilmen nach. In drei unterschiedlichen Arbeiten gestaltet Mona Hatoum subtile Metaphern zu Migration und Grenzkonflikten.

Die Gruppe IRWIN entwirft in der East Art Map eine neue Landkarte der Kunstgeschichtsschreibung und erschließt lange unbeachtete Bereiche der Kunst des östlichen Europa. Šelja Kameriæ wählte San Marino und Zypern als Orte für ihre „Grenzen“-Thematik. Amar Kanwars Film A Season Outside handelt in intensiven Bildern von einem abgelegenen Grenzort zwischen Indien und Pakistan. Gülsün Karamustafa lässt drei Frauen über ihre Gefängniserfahrung in der Türkei als politische Häftlinge erzählen.

Guillermo Kuitca malt einen quadratischen Ausschnitt einer Landkarte von China, ein sprachpoetisch gefasstes Fragment der Welt, das zugleich die Anmutung eines Möbelstücks hat. Yaron Leshem präsentiert mit Village ein palästinensisches Attrappendorf, das Israel als militärisches Übungsgelände dient und von ihm als fiktivem TV-Reporter auch als Kulisse für einen Kriegsbericht aus dem Irak verwendet wird. Ján Manèuška zieht konkrete „Grenzen“ quer durch den Ausstellungsraum, ein beschriftetes, in Augenhöhe gespanntes Gummiband.

MW Democratic Movement (Monika Marklinger & Johan Waerndt) untersuchen in The Politics of Color die Aufteilung der Welt in die drei Fernsehsysteme PAL, NTSC und SECAM. Ralo Mayer erkundet das Grenzgebiet östlich des Neusiedlersees. In dem Video Agente apri verfolgen Walter Niedermayr und Marina Ballo Charmet den Weg von zwei Kleinkindern, die bei ihren Müttern in einem Mailänder Gefängnis leben und täglich einmal in die Außenwelt geführt werden.

Tanja Ostojiæ reihte sich stundenlang in die Schlange der Visabewerber vor der Österreichischen Botschaft in Belgrad ein. Eva Schlegel und Eva Würdinger fotografierten das kürzlich aufgelassene Jugendgefängnis in Wien-Erdberg. Schlegel zeigt ein abstrakt wirkendes Foto des Gefängnisarchivs, Würdinger hat in vielen Aufnahmen die in und auf die Wände gekratzten und gezeichneten Graffiti festgehalten.

Ilya Trushevsky wirft in Map of the World einen ironischen Blick auf den Globus und die Politik. Auf eine Weltkarte projiziert er ein Video mit Fliegen, die an den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion entlang spazieren. Alexander Vaindorfs New Romantics wandern durch eine aus Hollywoodfilmen zusammen montierte Berglandschaft. Donovan Wylie zeigt die (frühere) Realität der Wachtürme an der militärisch hoch gesicherten Grenze im Hügelland zwischen Irland und Nordirland. Für seinen in Warschau gedrehten Film Repetition wiederholte Artur Zmijewski die Bedingungen des berühmten „Stanford Prison Experiments“ von 1971, in dem sich Freiwillige als Gefängnisinsassen und andere als deren Wächter zur Verfügung stellten.

„Grenzen“, schreibt Karl Schlögel, „erweisen sich als ‚bevorzugte Orte’, an denen Durchmischungsprozesse, Transferprozesse, Amalgamierungen stattfinden und die einen Erkenntnispunkt besonderer Qualität bieten“. Die „Grenze“ artikuliert sich als Schauplatz von Verschiebungen und Verwerfungen, aus dem „etwas Neues hervorgeht“.

* © Šejla Kameriæ

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