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Einzelausstellung: Thomas Draschan - Utopia Parkway (vorbei)

31 August 2012 bis 27 Oktober 2012
  Thomas Draschan - Utopia Parkway
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


Dr. Robert Bock
Chaos und Kosmos

Als Thomas Draschan im Jahr 1998 sein Studium als Meisterschüler der Filmklasse Peter Kubelkas an der Frankfurter Städelschule abschloss war die Welt noch in Ordnung. An archaisch anmutenden Schneidetischen wurde das Zelluloid mit blossen Händen bearbeitet: Kader für Kader wurden die Filmstreifen durchdrungen und zur künstlerischen Verdichtung neu zusammengefügt. Rückblickend ist es kaum fassbar mit welch atemberaubender Geschwindigkeit sich die Informartions- und Kommunikationstechnik in den letzten fünfzehn Jahren revolutioniert hat.

Die Filmschöpfungen "Metropolen des Leichtsinns" und "Yes ? Oui ? Ja ?" die er gemeinsam mit dem Maler und Filmmacher Max Franz in den Jahren 1999 bis 2001 herstellte, resultierten aus exzessiver Materialausbeutung gefundenen Filmmaterials (sogenanntem "found footage").

Denn mit dem Aufkommen des Internetzeitalters wurden plötzlich auch alle erdenklichen historischen Filmstreifen in Internetauktionen angeboten, als kiloschwere Filmkoien auf Celluloid, und dies war ein gefundenes und lustvolles Fressen und Verdauen für die beiden Kollegen. Alte Wissenschaftsfilme, Dokumentationen, Werbe- und Familienfilme etc. wurden zerfleischt und kombiniert.

Es ist ein allgemeines Phänomen, dass jedermann mit einem gewissen zeitlichen Abstand das Manierierte einer Epoche ins Auge fällt: zeittypische Gesten, Farben, fotografische Stilmittel und technische Möglichkeiten entblössen sich dann wie von selbst und erscheinen uns als amüsant.
Wir selbst stehen selbstverständlich über den Dingen, denn wir bemerken nicht das Lächerliche, dass unserer eigenen zeitgeistigen Bilderwelt anhaftet. An diesem Punkt setzen die Collagen Thomas Draschans an. Denn der Künstler, als Wahrnehmungsspezialist, galoppiert seiner eigenen Zeit voraus und benötigt daher den zeitlichen Abstand nicht mehr um die geltende Ästhetik zu durchschauen. Er baut sich seine eigene, zeitlose Welt, eine Realität aus Bausteinen verschiedenster Epochen und Medien. Die Digitalisierung bietet die technischen Möglichkeiten einer ungeheuren Bildmanipulation und diese stellt Draschan obsessiv zur Schau. Was vordergründig lustvoll daherkommt stellt eine Analyse unseres eigenen Zeitgeistes vor. Wir verlachen unsere Altvorderen und bemerken dabei nicht, wie naiv wir selbst visuelle Glasperlengeschäfte betreiben. In einigen Jahren werden wir über die uns heute mitreissenden Effekte aus den Spidermanfilmen ebenso schmunzeln, wie wir dies heute über die Unbeholfenheit des Slapstickfilms tun. Thomas Draschan verführt uns in seine gemütlichen Wohnzimmer, wo alles zusammenkommt, harmonisch und ausgewogen sinnvoll erscheint obwohl wir doch wissen und augenscheinlich nachprüfen können, dass hier einiges nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Wir wollen es ihm aber glauben, Zusammenhänge und ordnende Sinnhaftigkeit herstellen wo immer wir können und daher werden wir zu willfährigen Opfern seines Spieltriebes.

Merkwürdigerweise überträgt Draschan, als ausgewiesener Kenner alter Malerei, seine Schöpfungen neuerdings auf Leinwand und bedient sich dabei auch malerischer Möglichkeiten, wohl wissend, dass die kompositionelle Zerrissenheit der grössten und bedeutendsten Werke der Malereigeschichte, wie z.B. Rembrandts Nachtwache oder Delacroix´s "Massaker von Chios" seinen eigenen Inszenierungen verwandt ist. Vordergründig stürzen die Dadaisten im frühen 20.Jh. das Medium der Malerei ins Chaos, ihrer Persiflage auf überkommene Konventionen liegt aber gerade das Streben nach Ordnungssystemen, nach der Schöpfung eines neuen und wahrhaftigeren Kosmos zu Grunde. Die Überwindung und Abschaffung der Malerei und die Theoretisierung der Kunst ist bis heute eines der Hauptanliegen, gepredigt an den Akademien im Namen der Avantgarde.
Auch dieser Verirrung ist Thomas Draschan einen Schritt voraus.

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlich zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 31. August 2012 ab 19.00 Uhr ein. Der Künstler ist anwesend.

Anlässlich des Saisonstarts der Frankfurter Galerien ist die Ausstellung auch am Samstag und Sonntag, den 1. und 2. September von 11.00 bis 18. 00 Uhr geöffnet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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