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Einzelausstellung: Thomas Gatzemeier (vorbei)

27 Oktober 2000 bis 8 Dezember 2000
 
 
  Galerie Ricarda Fox

Galerie Ricarda Fox
Liverpoolstraße 15
45470 Mülheim an der Ruhr
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)208 - 378 77 34
www.galerie-fox.de


"Mensch werde wesentlich" oder das Geheimnis der griechischen Tragödie

Malen ist für Thomas Gatzemeier "vergegenständlichte Lust", Lust am Material und am schöpferischen Prozess.
Als nonkonformer DDR-Künstler wurde der 1954 in Sachsen geborene Maler 1986 in den Westen ausgebürgert. Seitdem lebt und arbeitet er in Karlsruhe.
Die Ausstellung zeigt neueste Ergebnisse einer ungebändigten Malwut, kulinarische Malerei, die zwar an die Figur, den Akt gefesselt bleibt, doch darüber hinaus alle Freiheiten der Farbe genüsslich auskostet.
Erde, Öl, Mineralien, Gewebe, der Geruch von Leinöl, Terpentin...Gatzemeier nimmt die Witterung auf und kopuliert mit dem Leben. Ende, Anfang, Auflösung, Neubeginn: zwischen der Klarheit eines Pontormo und den Farborgien eines Leroy werden Schichten übereinandergemalt, Netze gespannt, wird revidiert und zerstört; mal mehr, mal weniger gewinnt Farbe das Übergewicht. "Der Weg zum Bild gehört dem Künstler, das Endprodukt ist für die Öffentlichkeit. Jedes Ergebnis ist ein Kompromiss von Kopf und Hand. Die Übertragung vom Kopf in die Hand ein Faszinosum. Auf diesem Weg entsteht das originäre Bild." (Gatzemeier)Von den beklemmend realistischen Menetekeln seiner Frühzeit in der ehemaligen DDR hat sich Gatzemeier mittlerweile weit entfernt. Geblieben ist die solide handwerkliche Ausbildung der Leipziger Schule, die Grundlage seiner virtuosen Maltechnik ist und ihm jene schöpferischen Freiheiten erlaubt, die das bewusste Gegenüber und Miteinander von Figuration und Abstraktion, Tradition und Moderne sowohl als Zitat als auch als Exegese zulässt. So hängt die "Liegende (nach Pontormo)" neben der "Figur in Landschaft aufgegangen"; klare Erkennbarkeit auf der einen, orgiastisches Farbspektakel als Ergebnis forschreitender Verinnerlichung auf der anderen Seite. Dazwischen "das blühende Leben", ein Frauenakt, übermalt mit einem linearen, gitterähnlichen Geflecht der fünfziger Jahre, visionär und voller Transzendenzen. In diesem bewussten Miteinander von Harmonie und Rausch, klarer Geistigkeit und Irrationälität zeigen die Arbeiten jene apollonisch-dionysische Verbindung, die Nietzsche als das Geheimnis der griechischen Tragödie ansah.
In dem darauf ausgerichteten Arbeitsprozess gelingt es Gatzemeier immer wieder, einen ursprünglich libidinösen Impuls in eine erotische Sehnsucht zu verwandeln.
Bewusst oder unbewusst tritt er damit dem heutigen Trend entgegen, den menschlichen Körper zu einer flüchtigen, reizüberfüllten Oberfläche zu degradieren.
Neben Arbeiten auf Leinwand wird auch eine Serie von Papierarbeiten zu sehen sein, für die Gatzemeier zum Teil alte Kontoblätter seines Grossvaters verwendet und das Zahlenwerk der Bilanzen mit Akten und Skurrilitäten übermalt und überzeichnet. Die Geschichte von Sexualität und Tod wird hier ironisch zwischen Soll und Haben verbucht.

Anlässlich der Ausstellung bieten wir 10 solcher Arbeiten aus 2000 mit einem Katalog zur Ausstellung in Giessen zum Vorzugspreis von 480,- DM an.

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