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Einzelausstellung: Timm Rautert - KOORDINATEN - Fotografie (vorbei)

13 Juni 2009 bis 24 Juli 2009
  Timm Rautert - KOORDINATEN - Fotografie
Timm Rautert, Koordinate 1, 1995, Farb- und S/W-Fotografie, 147 x 200 cm
 
  Parrotta Contemporary Art - Stuttgart

Parrotta Contemporary Art - Stuttgart
Augustenstr. 87-89
70197 Stuttgart
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)711 - 69 94 79 10
www.parrotta.de


Koordinaten erlauben die Position eines Punktes innerhalb eines Gradnetzes zu bestimmen. B3 wäre beim Schiffe-Versenken ein solcher Punkt, der durch die Koordinaten B und 3 festgelegt wäre. Koordinaten stehen für ein mathematisch-rationales Bezugssystem, innerhalb dessen jeder x-beliebige Punkt beschreibbar wird. Je mehr Koordinaten hinzutreten, desto präziser wird die Lagebestimmung und desto verworrener wird das Netz, innerhalb dessen sich Intentionen, Wirkungen, Ereignisse verfangen.

Timm Rauterts (*1941) Fotografien sind und hinterfragen zugleich die Koordinaten der Arbeitswelt, innerhalb derer der Künstler auch seinen Beruf und sein eigenes Medium situiert. Mit seiner medienreflexiven Herangehensweise macht er die gängigen Koordinaten des Fotografierens sichtbar, und indem er sichtbar macht, was dazu da ist, verborgen zu wirken, dekonstruiert er die mit der Fotografie verbundene Ästhetik der Transparenz.
Wenn Timm Rautert Arbeitswelten fotografiert, so scheinen sich diese Fotografien zunächst durchaus durch einen hohen Anteil an Transparenz auszuzeichnen. Seine in dieser Ausstellung gezeigten Werkserien Porsche aus den Jahren 1968, 1992 und 2006 zeigen das Porschewerk mit seinen hochspezialisierten Arbeitern und hochtechnologisierten Maschinen. Wo sich das Medium in seiner traditionell dokumentarischen Funktion erfahrbar machen könnte, wird beim Anblick der Fotografien doch deutlich, dass sie in unseren Augen längst der Nostalgie und damit vollkommen anderen, nicht vorhersehbaren Koordinaten unterworfen sind. Dennoch erweist sich die Fotografie dabei als ein Medium, das prädestiniert ist, komplexe Zeit- und Erinnerungsprozesse aufzuzeigen, indem sie fortwährend Monumente eines gewesenen Hier und Jetzt produziert.

Die Darstellung der Realität weiß um die Realität der Darstellung, wenn Timm Rautert in seinen Bildpaaren eine seiner Fotografien aus dem Porschewerk mit der Fotografie aus einer Zeitung verbindet, das einen Skirennfahrer in rasender Geschwindigkeit im alpinen Wettkampf zeigt. Durch die Verknüpfung der Fotografie verkabelter Montagemaschinen des Porschewerkes mit dem Image einer menschlichen Maschine in Hochgeschwindigkeit, von potenzierter Kraft und Unverletzbarkeit, werden die narrative Struktur und die mögliche symbolische Bedeutung des Einzelbildes gebrochen und neue Beutungsmuster scheinen auf. In seiner Pixelstruktur weist sich die Fotografie des Rennfahrers - vollends referentiell - als Bild eines Bildes aus und dabei scheint etwas jenseits der Koordinaten auf, das indifferent bleibt und der Beschreibung trotzt.

Timm Rautert fotografierte nicht nur im künstlerischen, sondern auch im angewandten Feld der Fotografie für zahlreiche internationale Medien und Unternehmen. So arbeitete er in den 1970er Jahren als Fotograf, u.a. für das Zeit-Magazin und Geo. In der Koordinaten-Serie werden Fotografien aus so genannten angewandten Serien mit sogenannten freien verschränkt, und es wird deutlich, dass beides ohnehin schon miteinander verbunden ist.

In seinen künstlerischen Arbeiten zitiert er sich selbst und abstrahiert die dargestellte Situation. Es sind Abbilder von Bildern, Vorstellungen von Vorstellungen, sie referieren auf die Technik und weisen zurück auf das Medium - auf die Fotografie als ein technisches Bild, das stets eine Konstruktion ist.

Timm Rautert studierte bei Otto Steinert an der Essener Folkwang Schule, es folgte fotojournalistische Tätigkeit, begleitet von bildanalytischen Projekten sowie Gemeinschaftsprojekten mit dem Grafiker Otl Aicher. 1993 bis 2007 hatte er eine Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2008 erhielt er als erster Fotograf den Lovis-Corinth-Preis. Vor wenigen Wochen endete eine umfassende Retrospektive mit dem Titel ‚Wenn wir dich nicht sehen, siehst du uns auch nicht' im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

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