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Einzelausstellung: Tom Früchtl - dub (vorbei)

13 Mai 2004 bis 19 Juni 2004
  Tom Früchtl - dub
Tom Früchtl, "Lowfidelity-04", 2003,
Acrylfarbe auf Möbeldecke, 190 x 300 cm
 
  Nusser & Baumgart

Nusser & Baumgart
Steinheilstr. 18
80333 München
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)89 - 22 18 75
www.nusserbaumgart.com


Tom Früchtl - dub

dub (engl) film: synchronisieren; nickname: taufen; jdn zum Ritter schlagen; amerik. Tolpatsch

Die Ausstellung dub* von Tom Früchtl (*1966) beinhaltet Arbeiten auf Pappe, Holz, Transportdecken und gewöhnlichem Papier. Es sind Verpackungsmaterialien, deren visuellen und haptischen Charakteristika in unserem kategorisierenden Gedächtnis gespeichert sind. Man glaubt zu wissen, wie Pappe oder Holz aussehen kann, sich anfassen und sich verwenden läßt. Über den materiellen Wert solcher Verpackungsmaterialien besteht ein breiter Konsens. Ihr Einsatz in der Kunst ist
nicht neu. Bereits die “Ikonen” der Kunstgeschichte, etwa Picasso, Braque, Schwitters und Duchamp, verwendeten unscheinbare Materialien der alltäglichen Welt, machten sie durch Kontextänderungen zu Artefakten oder integrierten sie in
Gemälde oder Collagen. Tom Früchtl gelingt es trotz und wegen dieser und anderer ‘Vorfahren’ auf ganz eigene Weise, den Blick des Betrachters aus der Gewohnheit zu lösen, uns in Erstaunen zu versetzen und zugleich in eine Selbst-Verständlichkeit der Bild-Welt zu führen.
Früchtl gibt dem Gegenstand sein Abbild zurück, in dem er es während eines bestimmten Moments festhält und dem Gegenstand direkt einschreibt. Nicht eine trompe l’oeil artige Vortäuschung der gegenständlichen Wirklichkeit, ungeachtet ihrer Anwesenheit, steht also im Interesse, sondern das Bannen des Moments, des Lichteinfalls und Schattenwurfs auf das Objekt. Die Differenz zwischen dem Objekt selbst und der farblichen Festlegung auf demselben lässt sich als Malerei ausmachen.
Zeit wird visuell spürbar. Früchtl stellt so die Malerei gleichermaßen in Frage wie er sie bestätigt, sie auflöst und ihr zu einer neuen Existenz verhilft:
Ein ockerfarbenes Stück Pappe malt er mit Acrylfarbe auf Pappe. Nein, genau dieses Stück Pappe malt er auf dasselbe. Die braune verbeulte Papiertüte wird auf die braune verbeulte Papiertüte gemalt, der Pappkarton auf den Pappkarton; die Klebebänder, mimetisch dargestellt mit Lack, sind nahezu ununterscheidbar vom realen Packband. Der Schein der Wirklichkeit erscheint zurückgeführt auf das wirkliche Objekt und lässt es zugleich nur durch die Farboberfläche hindurchscheinen: Farbe, aufgetragen auf die Fläche eines Bildgrunds, ihn wiedergebend und zugleich verdeckend.
Früchtls Gemälde sind gegenständlich und abstrakt zugleich, tiefgründig, und vor allem Ausdruck eines neugierigen aufrichtigen Forschergeistes, der sich auch durch die Synergiewirkung von Musik und Malerei auszeichnet.So beschreibt der Maler und Gitarrist Früchtl seine Arbeiten entsprechend:„Als Inszenierung ihres eigenen Untergrunds übernimmt sie /die Malerei/ gleichsam die Funktion eines Lautstärkereglers, der die Objekte in ihrer Präsenz verstärkt. (...) Diese Verschiebung zeigt sich als Malerei.” (Früchtl, samples, 2002). In den „Deckengemälden“, deren Bildgrund sich durch die Beschaffenheit aus Altkleiderresten auszeichnet, wie sie für Transportdecken eben charakteristisch ist, verstärkt Früchtl die Farbigkeit und greift in die Oberfläche der Flusen ein, indem er sie nahezu farbidentisch imitiert. Ihre Individualität und Schönheit wird plötzlich bewusst.
Dieses ‘Lautstellen’ funktioniert auch als Raumgemälde wie unlängst in der Ausstellung changing rooms in der Lothringer Dreizehn zu sehen, wo Früchtl die Lichtreflexionen einer Diskokugel an der Wand festhielt.
Auf die malerische Suche nach dem Stein der Weisen begibt er sich in seinen Papierarbeiten: Gelänge es, den Goldgrund zu imitieren, würde sich der Bildgrund seiner Gemälde ins Transzendente auflösen.
Früchtls Annäherungen sind geradeaus, scharfsinning und einfach und - die Lautstärke ist gut.

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