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Einzelausstellung: Tracey Moffatt - "FOURTH" (vorbei)

20 Oktober 2001 bis 31 Dezember 2001
  Tracey Moffatt -
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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"Die Geschichte meiner letzten Fotoserie Fourth beginnt 1997. In diesem Jahr hatte ich zum ersten Mal eine Menge internationaler Ausstellungen mit meinen fotografischen Arbeiten und Filmen. Da bekam ich die Nachricht, daß jemand vom Komitee der olympischen Spiele in Sydney 2000 angerufen habe, um zu fragen, ob ich es mir vorstellen könnte, als offizielle Fotografin für die olympischen Spiele zu arbeiten. Ich sagte, daß ich durchaus Interesse hätte, hörte dann aber nichts mehr von ihnen. Das hat mich nicht besonders enttäuscht; aber es hat meine Phantasie in Gang gesetzt. Ich stellte mir vor, daß ich, wenn ich wirklich die "offizielle Fotografin" der Olympiade Sydney 2000 wäre, die Wettkämpfe so fotografieren würde, wie ich die Dinge sehe: Ich würde die Verlierer fotografieren.

Ich sah mich schon das Büro des Sydney 2000 Komitees betreten, einen Stapel Fotos auf ihren Tisch fallenlassen und sagen: "Das habe ich gesehen." Und vor ihnen würden die Bilder aller Athleten liegen, die letzter geworden waren. Ich stellte mir vor, daß die Zeitungen voll wären mit legendären Gewinnern, deren Fotos die Titelseiten der Zeitungen in der ganzen Welt überschwemmten. Wäre es nicht eigentlich viel großartiger, die Bilder der hervorragenden Athleten zu sehen, die es nicht geschafft hatten? Das alles ist natürlich nicht geschehen. Es fängt schon damit an, daß ich nicht besonders gut mit einer Kamera mit Teleobjektiv umgehen kann, ganz abgesehen davon, daß man dann auch noch um einen guten Platz auf der Pressetribüne kämpfen muß, zusammen mit Tausenden anderer Sportfotografen aus aller Welt, in einem Durcheinander von Menschen, die dort zusammengekommen sind, um das Drama der olympischen Spiele zu fotografieren.

Ich blieb im September 2000 also zu Hause und es gab nur mich. und die Femsehberichterstattung über die Spiele. Damals habe ich mich entschieden, mich auf die Position des Vierten zu konzentrieren. Was könnte tragischer sein, als der vierte Platz in einem Wettkampf der olympischen Spiele? Es ist trauriger, als letzter zu sein, denn wenn du vierter bist, hast du die Medaille um ein Haar verfehlt. Du hast es fast geschafft, aber du hast sie verfehlt. Vierter heißt, du bist fast gut. Nicht der schlechteste (was immerhin seinen eigenen verdrehten Reiz hat), sondern beinahe unter den besten. Fast ein Star!

Die meisten der Schlüsselmomente, die in den 26 Bildern, aus denen die Serie Fourth besteht, festgehalten sind, zeigen den empfindlichen Augenblick, in dem die Sportler gerade ins Ziel gekommen sind, sich umdrehen um zu sehen, wie es ausgegangen ist und um das Ergebnis zu erfahren ... wo sie herausfinden, daß sie vierter sind! Meist besteht der Ausdruck in völliger Ausdruckslosigkeit, es ist ein so ein bestimmter starrer Blick, der sich über das Gesicht legt. Es ist eine schreckliche, schöne, wissende Maske die sagt, "Oh s...t!"

Es war nicht gerade einfach, diese Momente herauszufiltem, denn für den größten Teil der Femsehberichterstatter war nichts unwichtiger, als der vierte in einem Wettkampf. Die Kamera geht einfach über sie hinweg, und richtet sich auf den Sieger. Ich mußte mich sehr konzentrieren, um diese Momente einzufangen.
Meine Fotoserie Fourth ist keine große Dokumentation der olympischen Spiele 2000 in Sydney. Ich denke, was ich versucht habe, ist etwas Grundsätzliches über Konkurrenz, über Wettbewerbssituationen zu sagen.
Daß es schön ist, einen Versuch zu wagen. Das Finale bei einer Olympiade zu erreichen, ist eine großartige Leistung. Es ist großartig, dazu eingeladen zu werden, an olympischen Spielen teilzunehmen. Überhaupt Sportler zu sein, ist eine großartige Leistung. Aufstehen und die Straße hinuntergehen ist eine großartige Leistung. Aufwachen und einem neuen, fürchterlichen Tag ins Gesicht sehen, ist eine großartige Leistung.
Schon darüber nachzudenken, was du in der nächsten Stunde tun wirst, ist eine großartige Leistung. Ich könnte so weitermachen. Ich sagte schon: Meine Sicht der Dinge ist etwas anders."

Tracey Moffatt
New York 2001

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