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Einzelausstellung: Veronika Bromovà - Autobiograph (vorbei)

9 Juni 2004 bis 31 Juli 2004
 
 
  lukas feichtner galerie

lukas feichtner galerie
Seilerstätte 19
A - 1010 Wien
Österreich (Stadtplan)

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tel +43 (0)1 512 09 10
www.feichtnergallery.com


Eröffnung
08.06.2004

Einleitende Worte
Die Künstlerin ist anwesend

Ausstellungsdauer
09.06 - 31.07.2004

zu den Arbeiten von Veronika Bromovà

Text: Olga Malá, 1997
deutsche Übersetzung: Marie Weissenböck
Der bildnerische Ausdruck von Veronika Bromová ist die Arbeit mit Fotografie. Mit Besessenheit fotografiert sie sich selbst, ihre Schwester, ihre Mutter, ihre Nichte, ihren Partner und ihre näheren Feunde. Diese Fotografien verarbeitet sie dann weiter, vervielfältigt und überarbeitet sie mit dem Computer oder schneidet sie einfach aus. In den vergangenen fünf Jahren hat sie sich mit ihrer Kunst innerhalb der protagonistischen Generation der 90-er Jahre durchgesetzt. Ihre Arbeiten werden aber auch auf spezifisch fotografischen Ausstellungen geschätzt. Bromová studierte auf der Kunsthochschule bei Prof. Jiri Salamoun Illustration und Buchgrafik, befaßte sich aber schon dort mit Fotografie. Ihre Diplomarbeit war die Illustration des Buches "Mai" von K.H. Macha, wo sie bereits die Kenntnisse aus ihrem Studienfach mit ihrer Computertechnik kombinierte. Bromová wurde erstmals 1992 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie an verschiedenen Gruppenausstellungen teilnahm: z.B. in der Frauenhausgalerie in Prag, Galerie Behémot (Ei des Columbus) und in der Galerie Spala. Im Rahmen der Ausstellung "Ihr Bruder, sein Gatte" zeigte sie in der Galerie Spala "Die verzauberten Prinzessinnen" (Abb.1), sechs Fotos von erotischen, leicht bekleideten, jungen Frauen in embryonalen Entwicklungsstadien. Bezeichnend für Bromová ist die Präsentation der Fotografien: Sie sind an der Oberkante von schwarzen Boxen (Särge für Schneewittchen) plaziert, in einem dunklen Raum, von unten effektvoll beleuchtet. Der entkleidete Körper stand dabei im Kontrast zu einem dekorativen Überwurf, im Raum entstand erotische Intimität. Bromovás Bemühung um einen Durchbruch in die dritte Dimension und die Beherrschung des ganzen Raums waren dabei klar erkennbar. In der Arbeit Fotoamputation-Fotoimplantation (Abb.2) aus dem Jahr 1993 reagiert Bromová auf die unmittelbaren Einflüsse der Welt in der wir leben und in der wir der aufdringlichen Reklame mit ihrer absurden Aggressivität ausgesetzt sind. Einem blonden Mädchen und einem schwarzen Jungen aus einer Benetton-Werbung schneidet sie einen Teil des Gesichts aus und ersetzt ihn durch den anderen. Es ist nicht mehr klar, wer wer ist, man erkennt weder Geschlecht noch Rasse. Bromová äußert sich damit zum aktuellen Problem der Identität, das in ihrer Arbeit eine wichtige Rolle spielt. In der Installation "Tanz mit dem Medizinball" entwickelt Bromová ihr gestalterisches Spiel, diesmal mit Illusion, Abstraktion, Individualität und Vervielfältigung. Sie verwendete dabei zwei zueinanderpassende Fotografien aus den 30-er Jahren von Turnerinnen mit Bällen und machte davon Detailbilder der rund um den Ball formierten Mädchen, wodurch eine Sonnenblumenform entstand, welche die Individualität der Turnerinnen verschwinden ließ. In den letzten beiden Bildern ist der Ball ausgelöscht. Die Fotografin hat ihn aus der alten Fotografie in die Wirklichkeit übertragen und zwei echte Bälle als Teil der Installation plaziert. Das Interesse der Künstlerin an Serieneffekten und am Problem der Individualität des menschlichen Körpers zeigt sich in einer Auswahl von Gruppenfotos New Yorker Girls aus dem Ende der 20-er Jahre, die sie vergrößerte und als Basis für ihre Installation "Mädchen" verwendete. Im Rahmen ihrer illusionistischen Spielerei stellte sie unter ihre "Chorus Line-Mädchen" (wie sie die Kritik treffend bezeichnete) ein großes Beleuchtungspodium. Auf überzeugende Art gelingt der Künstlerin hier ein Übergang von zweidimensionaler Fotografie zum Raum. Sie geht aber auch den Weg des Experiments, wenn sie neben ihre "Mädchen" ein farbiges Diapositiv stellt, das sie ironisch "Auch Mädchen" nennt (ihre erste öffentlich ausgestellte Arbeit mittels Computertechnik). Man erkennt darauf die vervielfältigte Figur eines männlichen Transvestiten, dessen Geschlechtsteil im Schritt sichtbar ist. Der Sinn der ganzen Installation wird in Frage gestellt und Bromová kehrt auf verschiedenen Ebenen wieder zur Identitätsfrage zurück. Das in der Arbeit "Auch Mädchen" bewiesene Interesse am menschlichen Körper und an der Sexualität bestätigte die Autorin etwas später auf ungewöhnlich offene und schockierende Art in ihrer Arbeit "Ausblicke", monumentale Farbfotografien, die in der Kunsthalle Baden-Baden gezeigt wurden. Mit Hilfe des Computers stellt sie nackte menschliche Körper dar, die im Bereich des Bauches, der Wangen, der Waden und der Geschlechtsorgane ohne Haut sind und entblößt so die innere anatomische Beschaffenheit vor dem Auge des Betrachters. Die Wirkung dieser Installation entsteht aus dem Kontrast zwischen der kühlen Objektivität, mit der die anatomischen Details des menschlichen Körpers in medizinischen Büchern dargestellt werden und der expressiven Art des "Öffnens" der gezeigten Frauen (Portrait einer Schreienden, gespreizte Beine, geöffneter Mund). Aber auch in derart drastische Darstellungen mischt Veronika Bromová Momente zarter Weiblichkeit, wie ein Blütenbett oder rosa Damenschuhe. Nähere Bekannte und Bromová selbst standen Modell für die Serie "Ausblicke", ihre Identität jedoch blieb unter einer dicken Schichte Make-up und einer weißen Perücke verborgen. Die Möglichkeit einer ersten großen eigenen Ausstellung wurde Veronika Bromová in der Galerie der Hauptstadt Prag geboten, die für junge Künstler vorgesehen ist. Bromová bereitete ein großes Projekt vor, das von den vorhergegangenen Frauen- und Sexualthemen abweicht. Es geht dabei nicht um die Frau oder den irdischen Menschen, es geht um die Lebewesen und ihre Existenz. In "Am Rande des Horizonts", wie sie ihre Installation nennt, versucht Bromová die Grenzen zwischen der rational begreifbaren und der transzendenten, außerhalb unseres Erkennens gelegenen Welt zu erfassen. Dem Verständnis der Autorin nach hat das Transzendente eine kosmische Dimension und sie stellt das Anderssein von Außerirdischen auf dieselbe Stufe wie das Nichtakzeptieren von Mitmenschen. Die Installation beruht wieder auf computerbearbeiteten Fotografien, die im Zusammenspiel von Licht und Dunkelheit, Architektur und Technik eine eindrucksvolle Illusion vermitteln.

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