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Einzelausstellung: Veronika Dirnhofer - habenwollen (vorbei)

8 Juni 2005 bis 25 Juli 2005
  Veronika Dirnhofer - habenwollen
Veronika Dirnhofer, "Sigmund, du hattest nicht Recht" 2004, 180 x 145 cm, Acryl auf Molino
 
  GALERIE FREY

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Text über die Künstlerin

Mag. Sonja Traar, Kuratorin der Sammlung Essl – Klosterneuburg, über Veronika Dirnhofer
Veronika Dirnhofer - Ebbe und Flut


"Ich habe als Kind gerne experimentiert – nicht nur mit Farben, sondern auch mit anderen Materialien wie Stoffen. Das Verkleiden und die Kleidung an sich sind für mich besonders wichtig." Wir standen schon eine Weile zusammen vor ihren Arbeiten, als die Malerin Veronika Dirnhofer diese Sätze sagte. Sie führten mich weiter ins Innere ihres "Körper-Hauses". Ihre Vorliebe für Kleidung könnte man als ein Nach-Außen-Kehren der Identität sowie ein Spiel mit dieser sehen. Die Grenzen zwischen Innen und Außen sind übergehend, das Subjekt dringt durch die Haut nach außen und fließt, von Blicke gestreift, wieder in sich zurück. „Ebbe und Flut" – so bezeichnet Veronika Dirnhofer ihre Malerei. Was speziell ihre aktuellen Arbeiten kennzeichnet, ist eine Verschmelzung von Abstraktion und Figuration auf unterschiedlichen Bildebenen. In einer Auf- und Ab- oder Hin- und Wegbewegung treten Frauengestalten, Babys oder Tiere in die abstrakten leuchtenden Farbflächen ein – und umgekehrt. Die Malerin betont, dass die Unterscheidung zwischen Figur und abstraktem Farbraum nicht wesentlich sei. Manchmal male sie Bilder, wo gar keine Figur zu sehen sei. Wie das Kleiden ein Verwandeln der Identität in Stoffe und Farben ist, wird auch der Übergang zwischen Figur und Abstraktion fließend: die Figur hat ihre Identität nach außen in die Abstraktion verlagert und ist präsent auch dort, wo sie nicht zu sehen ist – wie eine Flut hat sie ihre Farben und Formen über die Bildfläche ergossen, bevor sie sich wieder in sich zurückzieht.
Die schrille Leucht-Farbigkeit in Veronika Dirnhofers Malerei ist der kontemplativen Gelassenheit der Figuren gegenübergestellt. Aggressivität weicht Selbstreflexion - wieder ein Vor und Zurück, das die magische Schwingung der Bilder verstärkt. Wie könnte ein mit Malerei gefüllter Raum aussehen? Dirnhofers Werke sind Versuche, mit Malerei in den Raum zu schreiten und ihn spielerisch zu erobern. Die starke Farbigkeit verweist auf die Pop-Art, auf Roy Lichtenstein und Andy Warhol oder auch auf die Neon-Installationen von Bruce Nauman. Die Inhalte der Pop-Art sind den Arbeiten der Künstlerin aber fern. In trashiger Manier sitzen abstrakte, grellbunte Farbmuster neben geometrischen, rasterartigen Bauteilen; expressive und raffiniert dilettantische Umrisslinien von Figuren liegen auf malerischen, impulsiven Farbflächen in Pastelltönen. Bei den Figuren ist auffallend, dass Titel wie „Frosch" oder „Froschkönig" vorkommen. Der Hässliche und Glitschige, den jeder verwandeln möchte, bleibt was er ist und damit verführerisch. Indem die Prinzessinnen und andere Frauen in den Bildern ihre Nicht-Verführbarkeit demonstrieren, ohne ihre Sinnlichkeit zu verlieren, werden sie ungemein anziehend und reagieren mit Entzug – ihre Gesichter oder ganze Körperteile verschwinden. Das Bild der Frau, das Veronika Dirnhofer entwirft, ist dennoch ein sehr körpernahes. Die Bilder, die sie malt, müssen mindestens so groß sein wie sie selbst, damit ihr Körper darin Platz hat. Auch wenn Frauen und Babys nur in Umrisslinien dargestellt werden, wohnt ihnen etwas stark Körperhaftes inne. Manche Werke zeigen ein besonders hohes „Körpergefühl": da, wo die Frau aus dichten pastelltonigen Farbflächen besteht. Aus dem künstlerischen Umfeld, das die Malerin nachhaltig beeindruckt hat, ist vor allem Maria Lassnig zu nennen. Die Motive in der Malerei Lassnigs, die als solche auf den ersten Blick frisch und fröhlich wirkt, entpuppen sich beim genaueren Hinsehen als semantische Verschlüsselungen von besonderer Skurrilität. Diese Vernetzung von visuellem, malerisch zur Erfüllung gebrachtem Erleben und den nach oben drängenden symbolhaften Untergründen ist auch in den Arbeiten Dirnhofers anzutreffen. Neben Lassnig sind es auch Siegfried Anzinger mit seinen Schicht um Schicht aus der Leinwand herausgearbeiteten Körpern, die mit ihrem abstrakten Umfeld verwoben sind, oder Herbert Brandl mit seinen illusionistischen Farbräumen, die Veronika Dirnhofer beeindrucken. Ebenso die minimalistische Malerei – hier speziell die Amerikaner Ad Reinhard oder Frank Stella.

Veronika Dirnhofer ist in ihrer Malerei in den letzten zehn Jahren konsequent einen Weg des Erwachens und der Befreiung gegangen. Als Vertreterin eines sanften, jedoch schlagkräftigen Feminismus sind Themen des Frau-Seins immer wieder in ihren Bildern zu finden. Als überaus selbstkritische Künstlerin sind Bewegung und wechselnde Umgebung Maßstäbe für die eigene Beurteilung ihrer Werke. Vom abgelegenen Landsitz mitten in die Wiener Innenstadt, dann wieder zurück aufs Land – überall muss ein Bild bestehen. Drei Bilder sind meist gleichzeitig in Arbeit, immer im Schwung der körperlichen Aktion. So geschmeidig und kraftvoll wie der Tiger, den sie oft malt, und prächtig wie ein Paradiesvogel, der mit der Macht seiner Farben Räume erobert – so zeigt sich uns die Malerin durch ihre Werke.

Mag. Sonja Traar, Mai 2005
Kuratorin der Sammlung Essl – Klosterneuburg

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