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Einzelausstellung: Walter Weer - visual basics (vorbei)

12 März 2004 bis 10 April 2004
 
 
  lukas feichtner galerie

lukas feichtner galerie
Seilerstätte 19
A - 1010 Wien
Österreich (Stadtplan)

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tel +43 (0)1 512 09 10
www.feichtnergallery.com


Eröffnung
11.03.2004

Einleitende Worte
Carl Aigner, Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseum St. Pölten Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

Ausstellungsdauer
12.03 - 10.04.2004

WALTER WEER Zwischen Bild und Skulptur

Von Florian Steininger

Walter Weers dreidimensionale Arbeiten entziehen sich einer bestimmten medialen Definition. Sind sie mehr der Malerei oder der Skulptur zuzuordnen?

Weers künstlerische Laufbahn hat Mitte der 70er Jahre eingesetzt. Damals zeichnete er figurative Arbeiten, Schwimmer auf der leeren Bildfläche: gleichsam symbolisch psychologisch aufgeladene Bildinhalte, die das Ausgeliefertsein thematisierten. Seine Haltung gegenüber der Malerei und dem Bild hat sich ab diesem Zeitpunkt jedoch schlagartig verändert. Heute meint er: „Ein Bild wäre immer auch ein Symbol. In meinen Arbeiten aber ist die Symbolhaftigkeit eine Falle." Damals in den 70er und frühen 80er Jahren erlebte die Malerei in ihrer narrativen und symbolischen Aussagekraft eine neue Blüte. Die italienische Transavanguardia mit Paladino und Clemente bezog sich auf die Mythen der antiken und christlichen Vergangenheit, Markus Lüpertz oder Anselm Kiefer reflektierten mit besetzten Symbolen Ihre Deutsche Geschichte, in Österreich floß Eros und Tod in Siegfried Anzingers Bildikonographie ein.

Bereits Ende der 80er Jahre schlug Walter Weer einen deutlich konzeptuellen von aller Symbolik, Figürlichkeit und Erzählung befreiten Weg ein. Die ersten Jalousie-Bilder entstanden, die auch in seinem aktuellen Werk immer wieder auftauchen.
Dabei ging der Künstler eine spannungsreiche Symbiose zwischen Alltagsobjekt und Gemälde ein. Gleich einem Tafelbild definiert sich die Rollo im offenen Zustand als frontal ausgerichtete Fläche, die jedoch den Blick in die Wirklichkeit verdeckt - wie ein abstraktes Bild. Wenn auch der Künstler keine wirkliche Rollo als Ready Made zu einem Kunstwerk verarbeitet, so orientiert er sich an ihrer Form. Horizontal verlaufende Bahnen werden aneinandergereiht und die Summe der Teile frei hängend an die Wand appliziert. Die Front bemalt der Künstler in meist gedämpften Nichtfarben wie Braun, Grau oder Schwarz. Gleich der Verblendung des Fensters durch das Rollo, die den Blick in die Welt verbietet, präsentiert sich auch Walter Weers Arbeit als abstrakt. Figuration, Inhalt und Tiefenillusionismus fehlen. Sein malerisches Agieren ist ein strukturelles. Wie wirkt Farbe als eigenständiger Organismus und als Resultat nach dem Malprozess? Dabei sieht man durchwegs Wahlverwandtschaften zu Robert Ryman, der die „Hardware" – also Farbe, Bildträger und Aufhängungsweise - und die Machart der Malerei in den Mittelpunkt gestellt hat. So betont auch Walter Weer: „Es geht stets um das Material an sich. Eher schon ist das Bild Bildfarbträger, entweder aus sich, seiner eigenen Materialhaftigkeit heraus oder indem ich es bemale." Dabei läßt sich Weers dezidierte Distanz zum klassischen Bildbegriff festmachen. Malerei im analytischen Sinne steht Ihm näher als das Bild als Abbildung von Wirklichkeit oder als Träger von Inhaltlichkeit und Symbolik.
Im deutlichen Unterschied zum klassischen Tafelbild legt der Künstler wesentlichen Wert auf die materielle und plastische Dimension seiner Werke. Papier und Karton wie im Beispiel der Jalousie-Arbeiten ist in ihrer Oberflächenbeschaffenheit und materiellen Eigenschaft von Bedeutung. Die klassische Malerei verneint ja das Material, wie etwa Leinwand oder Papier, das lediglich als neutraler Bildgrund fungiert. Mit den Collagen von Picasso und Braque und den Merzbildern aus Alltagsgegenständen von Kurt Schwitters haben bildfremde Materialien wie Zeitungsausschnitte oder dreidimensionale Fundstücke den Materialitätsbegriff im Tafelbild erweitert. Verwandt mit Schwitters führt Weer in seinen Werken einen Balanceakt zwischen Eigenwert des vorgefundenen Materials wie Karton oder Zeitungspapier und Integration in die Malerei vor. Auch bei Kurt Schwitters fügte sich oft ein Stück Buntpapier oder ein Magazinausschnitt der Komposition unter oder wurde mit Farbe malerisch überdeckt.
Walter Weers Werkbegriff zeigt sich immer als ein offener, der zwischen Bild und Skulptur kreist. Sobald etwa die Jalousie-Arbeit mitten im Raum von der Decke hängend installiert wird, wird die Arbeit mit der dritten Dimension und dem Ihr umgebenden Raum erweitert.
Dies trifft auch bei seinen „graphischen Objekten" zu, die parallel zu den malerischen Beispielen entstehen. „... Die Netze haben eine Funktion. Sie ergeben eine dünne Schicht, um den so abgesteckten Raum zu umarmen und zu begrenzen. Die Schnur wird also zur dreidimensionalen Zeichnung. Im Unterschied zur Bleistiftlinie ist es eine Textillinie." Von der Wand ausgehend, „zeichnet" Walter Weer einen Raster aus groben Garn, verknotet ihn, und bemalt Ihn oft mit weißer Farbe. Die Rechteckform erinnert noch stark an das klassische Bildgeviert. Um die Nähe zum Tafelbild jedoch zu relativieren, zerbricht und öffnet der Künstler die geschlossene Form und verleiht somit dem Werk Fragmentarisches, Provisorisches und Brüchiges.
Der Raster als bestimmendes formales Element tritt ambivalent in Erscheinung. Zum einen vermittelt er die klare Ordnung im orthogonalen System. Konstruktion, Geometrie und der unpersönliche Gestus stehen im Zentrum. Piet Mondrians neoplastizistische Kompositionen bieten dafür ein gutes Beispiel. In den Gitterzeichnungen von Agnes Martin oder Brice Marden gewinnt dagegen die individuelle Handschrift wieder an Bedeutung. Das Netz verlässt das rational festgeschriebene Ordnungssystem.
Der diametrale Pol in Weers Gitterobjekten aus Schnüren ist durch das persönliche Handanlegen, den Zufall im Arbeitsprozess und die „Eigenwilligkeit" des Materials zu definieren. Der Garn franst aus, die Knoten sind unterschiedlich gebunden, der Verlauf des Materials fällt aus dem rechten Winkel.

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