Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: William Anastasi (vorbei)

25 April 2002 bis 24 August 2002
  William Anastasi
Maintenance III, 1968, Silver Gelatine Print
 
  Thomas Rehbein Galerie

Thomas Rehbein Galerie
Aachener Strasse 5
50674 Köln
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49-(0)221-310 10 00
www.rehbein-galerie.de


William Anastasi, 1933 in Philadelphia geboren, zählt zu den ersten, den sogenannten "klassischen" Konzeptkünstlern, die in den frühen 1960ger Jahren, ganz der Tradition Duchamps und der Dadaisten verpflichtet, für eine radikale Abkehr vom traditionellen, ästhetisch dominierten Kunstverständnis eintraten. Anastasi lehnt die illusionistische Repräsentation, die eine auf Täuschung basierende und somit trügerische Welt des Scheins erzeugt, ab. Er begreift diese Wiedergabe als eine Verzerrung der Identität, der Realität der Dinge, so wie sie an und für sich sind. (Wie könnte ein Objekt etwas anderes "repräsentieren" und vollkommen und unzweideutig es selbst sein?)

Anastasi stellt die Ausschließlichkeit des "Selbstseins" wieder her und schließt das über den bloßen Eigenwert der Dinge hinausgehende aus: Jedes Objekt ist es selbst und nichts anderes. Tautologie wird thematisiert. So spielt ein Tonbandgerät ein Band ab, auf dem die Betriebsgeräusche dieses Gerätes zu hören sind. Dabei sind die aufgezeichneten und wiedergegebenen Geräusche zusammen mit den gerade beim Abspielen des Bandes vom Gerät erzeugten Betriebsgeräuschen gleichzeitig zu hören (Microphone, 1963). Oder es wird die Ansicht einer Ausstellungswand als Photosiebdruck auf Leinwand gespannt und an eben jene Wand gehängt, die in der Ansicht beinahe im 1:1 Maßstab wiedergegeben wird. Das Abbild der Wand ist nichts anderes als die Wiederholung der nackten Wand selbst: Es verbirgt sich nichts dahinter, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne (Untitled (Six Sites), 1966).

Während seiner täglichen Fahrten mit der U-Bahn quer durch Manhattan in den 1970ger Jahren (er traf sich mit John Cage zum Schach spielen), entstanden Anastasis Subway Drawings, seine sogenannten "blinden" Zeichnungen. Anastasi sitzt in der Bahn, ein Zeichenblock auf den Knien, zwei Bleistifte in der Hand. Er nutzt den unregelmäßigen Rhythmus der fahrenden Bahn als gestalterische Kraft, welche die Bleistifte in seinen Händen über das Papier führt und die Strichführung bestimmt. Anastasi schließt als Künstler die Augen und überträgt als bloßes Medium Fahrgast die Bewegungen, die er als solcher durchmacht. Die Zeichnungen sind reiner, d.h. von jeglicher Ästhetik gereinigter Ausdruck der Bewegungen. Die Diskrepanz zwischen Schein und Sein ist somit aufgehoben und die Befreiung der Kunst von ihrem (Vor)Täuschungseffekt und metaphorisch aufgeladenen Bedeutungsinhalten gewährleistet.

Wiederholt korrespondieren die Objekte in Anastasis Werken mit sich selbst, oftmals sind sie in einem unendlichen Prozeß der Rückführung, in einer fortlaufenden Bild-vom-Bild-vom-Bild... Sequenz inbegriffen. Sie verweisen dabei immer auf sich selbst, es gibt keine Realität außer der eigenen. So erreicht die von Duchamp und den Dadaisten angestrebte Annäherung Kunst - Leben sowie die Aufhebung des Illusionismus in der Kunst William Anastasis einen Höhepunkt.

Bettina Deschler

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.