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Den Sehnerv des Betrachters kitzeln (4.11.2009)
 
ALFA
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  Ulm (flx) - Parallel zur Jubiläumsausstellung "25 Jahre Fischerplatz-Galerie Ulm" findet in den Räumen der Fischergasse 34 (gegenüber dem Stammhaus Fischergasse 21) eine Präsentation der Werke von Yvette Heller und Gabriele Ulmer statt.

Die beiden Künstlerinnen arbeiten seit elf Jahren miteinander. Ihr Markenzeichen: zwischen Op-Art, Malerei, Installation und Lichtkinetik angesiedelte Objekte, die den Sehnerv des Betrachters kitzeln. Wie gelingt es, in einer bilderüberfluteten Welt noch für die ganz kleinen Details, die bildnerische Anspielung, das geistreiche Zitat zu sensibilisieren? Gabriele Ulmer, 1958 in Dornbirn geboren, und Yvette Heller, 1966 in Sternberk (Tschechien) geboren, kultivieren ein Entdecken des Details. Das von Mustern und „Codes" übersättigte Auge muss sich in den Gemeinschaftsarbeiten langsam auf ein entschleunigtes Sehen einstellen. Erst dann kommen die feinen, oftmals aus alten Folianten oder Zeitungen entnommenen Textausschnitte und Satzfetzen unter lichten Wachsschichten zur Geltung. So geht man an eine Arbeit heran, die vermeintliche Muster unterm obligatorischen Wachs zeigt; bei näherem Herangehen entdeckt das Auge Buchstaben; erst wenn man fast schon mit der Nasenspitze an die Arbeit anstößt, formt sich aus den Buchstaben der Satz: „How much nearer can you get?" Immer wieder ironisieren die Künstler somit den Habitus des Kunstgängers, der, im vermeintlichen Begreifen der Kunst, am Beschnüffeln von Oberflächlichkeiten verharrt. Und wenn die Magie der Heller-Ulmer'schen Lichtkanten, Wachstopographien und Textcollagen längst entlang des Sehnervs ins intellektuelle Zentrum vorgestoßen ist, brennt ein immer wieder vorgetragenes Statement seinen bitter-komischen Witz ins Gedächtnis: „Wenn zeitgenössische Kunst zum Fürchten ist, warum schaut man sie dann überhaupt an?". Reduktion ist eines der Schlüsselmomente im Werk von Heller-Ulmer. Sie meiden grelle Effekte, das Bunte, das Effekthascherische liegt ihnen fern.

Geistige - und optische - Verwandtschaften knüpfen sie zur konkreten Poesie. Vollends verlassen diese Werke jedoch die Genregrenzen, wenn es Heller und Ulmer gelingt, Ahnungen, Eindrücke und Stimmungen in ihrer Flüchtigkeit sichtbar zu machen: Das Wachs, diese abstrahierende Trennschicht, wird dichter, fester und lässt die Sätze, denen der Betrachter soeben erst habhaft wurde, wie in Nebeln verschwinden.

Ausstellung "Bitte nicht berühren" in den Räumen der Fischerplatz-Galerie, Haus Nr. 34 bis 28. November. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag. 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr.
 
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