beteiligte Künstler:
Kunstwerke
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Die Vernisage findet am Freitag, dem 19. Oktober 2007 um 19.00 Uhr statt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
DIE POESIE DER ORTE
Mit einer neuen Werkgruppe stellt Andreas Silbermann eine neue Sicht des Künstlers auf die Welt, die ihn umgibt, vor. Seine Kunst ist dabei nicht ein Medium "die schon erkannte Wahrheit darzustellen, sondern weit mehr, die vorher unerkannte zu entdecken."1 Das zuvor Unerkannte findet Silbermann in der Landschaft, genauer: in der Stadtlandschaft, die ihn umgibt. Der Blick des Künstlers aus dem Atelierfenster findet in den trivialen Details einer tristen Umgebung Anhaltspunkte für neue "Bilder der Welt", wie Magritte sagte. Anhaltspunkte sind hier für die Augen des Malers tatsächlich Punkte des Anhaltens, ihre Aufmerksamkeit gilt Ansichten, in denen das Gewöhnliche zum Ungewöhnlichen verdichtet wird. Damit wird jedes Bild zu einem reduzierten Weltbild, das Detail wird zu einem Sinnbild des Ganzen. So zeichnet sich vor einem nahezu illusionistisch gemalten Himmel oft ein an- oder abgeschnittenes Detail eine Baumes, einer Architektur, einer Stromleitung, einer Straßenlaterne. Damit beschreibt der Maler nicht eine neue Welt- sondern die Welt von neuem. Bisher unbeachtete Aspekte eines Berliner Hinterhofes werden nun zum Anlass einer bildnerischen Überhöhung. Dabei bleibt der jeweilige Bildort, der Topos im Bild unbestimmt wird aber vom Künstler in einem wahrhaftigen Kunst-Griff mit unübertrefflicher Präzision topografisch präzisiert:
Silbermann nennt als Titel seiner neuen Arbeiten jeweils die exakten Koordinaten im Sinne einer Ortsbestimmung, die er nicht durch das Abbilden von Realität vornimmt, sondern die er mit wissenschaftlicher Distanz physikalisch determiniert, zum Beispiel Abb..(Nr./Seite.... einfügen !), die lapidar und eindeutig 52° 32' 2,29" N - 13° 26` 16,20" O lautet.
Damit spielt Silbermann die geografische Lokalisierung, die zwar exakt, aber sinnlich nicht erfahrbar ist gegen die künstlerische aus, die das sinnliche Nacherleben des Betrachters emotional anspricht. Diese Ansprache lebt von der Konfrontation eines messerscharf gemalten Details, das nur einen kleinen Bereich der Bildfläche ausmacht, mit der großen Fläche des atmosphärisch gegebenen Himmelsraumes. Ihm gelingt auf diese Weise "das Geistige sinnlicher und das Sinnliche geistiger" Paul Valéry) darzustellen. Indem Silbermann aus der ihn umgebenden Wirklichkeit zunächst mit der Kamera ein Bruchstück "herausschneidet", entfernt er sich bereits von der traditionellen Landschaft als Beschreibung. Das so gewonnene Fragment fragmentiert er weiter durch die Verabsolutierung zweier Bildebenen:
-der des Himmels, der in sanften Modulationen von Blau zu Weiss wie eine Folie über den Bildgrund gespannt wird
-und zum zweiten, der Ebene der wiederum fragmentierten Realitätspartikel, die gerade noch identifizierbar bleiben, jedoch keinen gewohnten Landschaftskontext mehr herstellen.
Damit löst der Maler die Elemente seiner Bilder von ihrer Gegenständlichkeit ab und überführt sie in rein poetische Zusammenhänge in denen gerade das irritierende Oszillieren zwischen Bekanntem und Unbekanntem den Betrachtenden zu überraschend neuen Seherlebnissen führt. Somit macht Silbermann nicht allein sichtbar, sondern seine Kunst macht auch sehend ohne jemals didaktisch zu werden. Er gibt in jedem Bild eine Interpretation dessen, was er sah und was wir sehen sollen. André Malraux beschreibt diesen Prozeß so:
"Die Kunst ist eine Auslegung der Natur - dessen, was die Menschen sehen können."2
An dieser Stelle erweisen sich Silbermanns neue Werke auch als konsequente Fortsetzung seiner bisherigen Arbeit: es ist stets der besondere Blick des Malers auf das Alltägliche, das allein durch die Kunst "zum Erhabenen vereinfacht"3 wird.
©
Professor Jost Funke
Kunstwissenschaftler
1-W,v,Humboldt,Werke,III,19
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