Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Sarah Schoenfeld - Kolyma (vorbei)

16 Februar 2008 bis 15 März 2008
  Sarah Schoenfeld - Kolyma
Auto, C- Print, 80 x 93 cm, framed, 5+2 AP
 
  FELDBUSCHWIESNER

FELDBUSCHWIESNER
Linienstrasse 155
10115 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49 (0)30 - 695 04 142
www.feldbuschwiesner.de


Sarah Schoenfeld - Kolyma

Gefördert von einem DAAD-Reisestipendium hat die Berliner Künstlerin Sarah Schönfeld 2006 verschiedene Orte im Kolymagebirge in Ostsibirien bereist. Erst unter Stalin war es zur Besiedlung dieser unwirtlichen Gegend gekommen, wo bis in die 60er Hunderttausende Zwangsarbeiter in Straflagern (GULag) unter extremen klimatischen Bedingungen nach Gold und Uran schürfen mussten. Bis heute leben Nachfahren der Zwangsarbeiter und später durch hohe Prämien angelockte Arbeiter in der Gegend, die der Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn mit seinem Werk „Archipel GULag“ weltweit bekannt machte. Seither steht „Archipel GULag“ für die über die ganze Sowjetunion verteilten, abgeschlossenen "Inseln" der Unterdrückung und Entmenschlichung.

Die mittel- bis großformatigen Fotografien, die während Schönfelds Reise entstanden sind, legen Zeugnis von einer kaum greifbaren Geschichte ab. Sie sprechen den Orten eine Zeitlosigkeit und Schönheit zu, die in einem ambivalenten Verhältnis zur Historie stehen und sich mit den tatsächlichen Gegebenheiten kaum in Deckung bringen lassen. Um diese Leerstelle auszufüllen und dem Unsichtbaren ein Gesicht zu geben, bedient sich Schönfeld alter Kinofilmrollen, derer sich das ortsansässige Kino in Ust-Omtschug zum Ende der sowjetischen Ära entledigt hatte und die von der Künstlerin nur durch Zufall in einer Grube gefunden wurden.

Gut 15 bis 20 Jahre waren die Filmbänder genau jener Gegend ausgeliefert, deren Geschichte Schönfeld versucht zu umreißen. Über den gesamten Zeitraum hinweg konnten der Fortgang der Zeit, die Hitze im Sommer und Kälte im Winter ihre Spuren auf der Filmschicht einbrennen. Schönfeld hat im Nachhinein das Filmmaterial durchsichtet, einzelne Kinobilder ausgewählt, gescannt und vergrößert.

Zwischen den Abzügen des Filmmaterials und ihren eigenen, auf der Reise erstellten Farbaufnahmen entdeckt Schönfeld formale und inhaltliche Bezüge, die sie durch die Kombination einzelner Bilder und die Isolierung anderer freilegt. Die Hinterlassenschaften von Uranabbaugebieten korrespondieren mit den Farben und abstrakten Figuren der von Zeit und Wetter gezeichneten Filmstreifen. Innenräume verweben sich mit Landschaften, öffentliche Räume mit Schraffierungen und kristallinen Strukturen. Mit der Reihe „Geister“ entwirft Schönfeld einen Bildraum für das Unausgesprochene, Ungewisse und Vergessene. Das Portrait von Mischa, einem jungen Sibirier, versinnbildlicht Schönfelds rückwärtsgewandten Blick und wird so zum Schlüssel für die ganze Serie.

Die tatsächlichen Geschichten, die sich an diesen Orten abgespielt haben, kennen wir nur bruchstückhaft. Sie setzen sich zusammen aus historischen Aufzeichnungen, Akten, Romanen, Zeugenberichten, Fotografien und jenen Bildern, die sich aus dem kollektiven Wissen um die kommunistische Vergangenheit in unseren Köpfen fügen. Die Fotoserie Kolyma stützt sich auf mehrere Pfeiler. Die Künstlerin führte zahlreiche Gespräche mit den Menschen vor Ort. Sie fotografierte Jugendliche an von ihnen ausgewählten Orten und sie begleitete über einen längeren Zeitraum die Recherchen von der Institution „Memorial“, die sich der Aufarbeitung der russischen Vergangenheit verschrieben hat. Auf die eine oder andere Weise haben alle Herangehensweisen einen Einfluss auf die Serie ausgeübt und kommen in der sicheren Auswahl der Bildausschnitte, den klaren Fluchtlinien und Diagonalen, in der Unmittelbarkeit und Transparenz der einzelnen Arbeiten zum Ausdruck.

Sarah Schönfelds Arbeit sorgte 2007 für breite Aufmerksamkeit. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle erwarb zwei Arbeiten aus ihrer Serie „Wende Gelände“. Das Manager-Magazin zählte sie zu den 20 weltweiten Jungtalenten, denen man eine außergewöhnliche Entwicklung zutraut. Die Kunstagenten freuen sich, Schönfelds neueste Fotoserie zu präsentieren.

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.