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Einzelausstellung: Wim Botha (vorbei)

28 November 2008 bis 10 Januar 2009
  Wim Botha
 
  Galerie Jette Rudolph

Galerie Jette Rudolph
Strausberger Platz 4
10243 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 613 03 887
www.jette-rudolph.de


Wim Botha

28. November 2008 - 10. Januar 2009

Eröffnung: 28.Nov. 2008, 19:00 - 22:00 Uhr


„Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass jedes Sichtbare aus dem Berührbaren geschnitzt ist, dass jedes taktile Sein gewissermaßen der Sichtbarkeit zugedacht ist (…)". „Als würde der Akt des Sehens stets in der taktilen Erkundung einer von uns aufgerichteten Fläche enden (…)". „Wir müssen die Augen schließen, um zu sehen (…)" (aus: Was wir sehen blickt uns an. Die Metapsychologie des Bildes; George Didi-Hubermann, Finkverlag, München 1999)

Nach unserer erfolgreichen Präsentation der Installation „Vanitas Toilette" auf dem diesjährigen Art Forum Berlin freuen wir uns, den südafrikanischen Künstler Wim Botha (geb. 1974 in Pretoria, lebt & arbeitet in Cape Town) mit seiner ersten Soloshow in Berlin in der Galerie Jette Rudolph präsentieren zu dürfen.

Die Bildsprache seiner zwei- und dreidimensionalen Objekte fügt sich in eine Welt aus Referenzen und Symbolen und kreiert ein narratives architektonisches Konzept, das sich aus naturalistischen Zeichnungen und großformatigen Linolschnitten, sowie raumgreifenden Skulptur- Ensembles speist. Die einzelnen Elemente sind in gegenübergestellten Positionen in einen mit subjektiven und objektiven Assoziationen durchzogenen Raum installiert. Geist und Natur korrelieren mit dem ästhetischen Ideal und menschlichen Fehlbarkeiten.

Bothas Berliner Ausstellung visualisiert das Grundmotiv des Spiels zwischen These- Antithese formal in den Farben Schwarz und Weiß. Typisch für Bothas Installationen sind ist die Abhängung der einzelnen Objekte mittels Stahlseilen von der Raumdecke, sodass vermutete Deutungen oft ihre Bodenhaftung, respektive Zuordnung verlieren. Formal arbeitet Botha in den einzelnen Arbeiten mit Rückgriffen auf die Architektur und das Mobiliar südafrikanischer Wohnhäuser und calvinistisch geprägter Kirchenräume: unter Verwendung schwebender Säulen aus schwarzem Holz durchsetzt von Spiegelflächen, einer sargähnlichen Wanne, Bilderrahmen mit Goldkanten, naturalistischer Studien von Skeletttierköpfen, sowie dem Weiss und partiellen Kardinalsrot der aus Bibeln geschnittenen Büsten. Durch das Zusammenfügen heraldischer und ikongraphischer Symbole, sowie Tierfabeln und Stereotypen von Menschen, wird ähnlich wie in der Addition der Raumkoordinaten x, y und z die Installation zu einer epischen Erzählung, einer Frage nach Macht, Religion, Ideologie und Vergänglichkeit als szenographischer Spiegel der Gesellschaft- inmitten die Rolle des Individuums.

Beispielsweise scheint sich ein Ensemble bestehend aus einer figurativen Büste und vier Tierzeichnungen dem Gesang eines kanonischen Lieds zu widmen, adressiert und erwidert durch den Menschen, indem sich alle mit weit aufgerissenen Mündern präsentieren.

Im Einzelnen findet sich hierin das Motiv der Schlange: in der Christliche Sprache verkörpert sie den Teufel, wiederum in der Asiatischen Mythologie die Weisheit, während die Zulus (ein Südafrikanischer ethnischer Stamm) sie als Verkörperung der Ahnen interpretieren und in ihren rituellen Schlangentänzen den Gehorsam der Frau gegenüber dem Mann zum Ausdruck bringen. Sie ist ein magisches Tier, dass während der Regenzeit nicht getötet werden darf, Hunger und Untergang des Stammes wären die Folgen- es ist ein archaisches Symbol für die männliche Sexualität.

Jenseits dieser inhaltlichen Bedeutung bindet Botha seine Zeichnungen an ein architektonisches Konzep, welches auf einen Organismus im Allgemeinen hinweist. Der Mensch in seiner Selbstwahrnehmung, autonom und im Glauben die letzte Instanz zu Gott oder zu einem göttlichen Wesen zu sein, führt in die Erschütterung seiner Selbstbestimmung mit der Frage nach seiner Vergänglichkeit.

Neben den o. a. installativen Ensembles beherrschen zwei monumentale gerahmte Linolschnitte das Entree der Galerie. Zwei Figurendarstellungen zeigen die freigelegte skelettierte Übersetzung kunsthistorischer Gemäldevorlagen. Eine davon zeigt "Saturn" verwandt mit Uranus, der in der Personifizierung der griechisch- mythologischen Himmelsgötter der Christlichen Trinität gleichgesetzt wird. So ist auch Janus, der Gott der Türen, der Ein- und Ausgänge, Geburt und Tod, wie auch in der Verkörperung der Jahreszeiten doppelgesichtig nach vorn und rückwärts gewand, emblematisch dargestellt. In Tizians „Allegorie der Weisheit" ist er als dreigesichtige Darstellung der Menschenalter personifiziert („ex praeterito, praesens prudenter agit, ni futura actione deturpet"- „Aus der Vergangenheit heraus handelt das Gegenwärtige klug, damit es das Zukünftige nicht beeinträchtige"). Diese Verknüpfung evoziert die älteste Frage der Menschheit nach dem Tod und dem Leiden der Menschen an sich, die bis heute ein offenes Ende hat, aber mit der Sehnsucht Grenzen überschreiten zu können, verbunden ist.

Der Organismus der Installation kreiert ein Bild einer Welt, die sich durch haptische Wahrnehmungen von Farben, Linien, Flächen, auch den Materialien Papier, Glas, Holz und Wasser, ebenso wie durch die visuelle Sprache historischer und zeitgenössischer Quellen generiert und eine individuelle Reflektion basierend auf Methodik und Allegorie nach sich zieht.

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