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Gruppenausstellung: Nasan Tur / Jari Silomäki / Jana Gunstheimer / Greif & Hennig / Stevanos Tsivopoulos - POIK II (Politische Ikonografie) (vorbei)

6 Februar 2009 bis 28 Februar 2009
  Nasan Tur / Jari Silomäki / Jana Gunstheimer / Greif & Hennig / Stevanos Tsivopoulos - POIK II (Politische Ikonografie)
 
  Galerie Jette Rudolph

Galerie Jette Rudolph
Strausberger Platz 4
10243 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 613 03 887
www.jette-rudolph.de


POIK* II
*Politische Ikonografie


mit

Alken, Greif & Hennig
Jana Gunstheimer
Jari Silomaki
Stefanos Tsivopoulos
Nasan Tur

Eröffnung: Freitag, 16. Januar 2009, 19.00- 22.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 16. Januar - 28. Februar 2009

"Ich glaube es gibt bei vielen ein Verlangen, nicht anfangen zu müssen; ein ähnliches Begehren, sich von vornherein auf der anderen Seite des Diskurses zu befinden(...)."
(M. Foucault, Die Ordnung des Diskurses, Inauguralvorlesung am College de France, 1970)

"POIK II" versteht sich als Fortsetzung der Gruppenausstellung "Politische Ikonografie I", die zum Jahreswechsel 2007/ 08 in der Galerie Jette Rudolph präsentiert wurde und sich primär der aktuellen Relevanz ikonographischer und heraldischer Symbolik widmete. Dahingegen sucht das Kapitel II eine stärker konzeptuelle Annäherung an die Frage nach dem politischen Akt/ der politischen Aussage, die nicht wie einst bspw. in der linken Szene der 20er Jahre (vgl. die "Asso") nach der künstlerischen Wahrheit mittels einer oppositionellen Sprache sucht als vielmehr mit subversiven Ansätzen arbeitend im Sinne J. Rancieres eine inter- institutionelle Kritik zum Status von Kunst, Künstler und Ästhetik als (medialen) Bruch im sozialen Gefüge respektive der Öffentlichkeit formuliert. (vgl. Jutta Held in ihrer Einführung für "Politische Kunst heute", in: Kunst und Politik, Bd.9, Osnabrück 2008)

Fünf Künstler unterschiedlicher kultureller Prägung stellen im Rahmen des Ausstellungsprojekts "POIK II" mittels Film, Photographie, Bild, Objekt und Installation ihre Reflektionen historischer Rückblicke oder des sozial- politischen Zeitgeschehen vor, welche bisweilen stark fiktiv, auch poetisch, sarkastisch oder schlichtweg pragmatisch ausfallen.

In partiellen Ansätzen von Kritik an der Moral werden die verschobenen Grenzziehungen von Wahrheit und Geschichte durch die unterschiedlichen Künstlerpositionen beleuchtet. Sie konterkarieren mit dem allgegenwärtigen Anspruch der Massen, dass der Sprecher Transparenz schaffen, als Verkünder fungieren soll. So werden Prinzipien der Schauspielerei, der Mittelmäßigkeit und der Erbärmlichkeit der Gesellschaft aufgezeigt, das Fehlen einer Kritik an staatlicher Moral und Gewalt, an politischer und volkswirtschaftlicher Denkweise und ihre Manipulationsmechanismen. Durch die Medien und deren suggerierte Allwahrheiten, die Nachrichtenflut sowie den Informations- und Bilderüberschuss wird die basisdemokratische Intervention oftmals Dreh- und Angelpunkt der einzelnen Arbeiten in der Ausstellung.

Das Künstler-Duo Greif & Hennig (oft in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern, hier: Franz Alken) arbeitet in seinen Werkgruppen mit verschiedenen Medien: Industriewerkstoffen, multimedialen Inszenierungen sowie installativ kombinierten Aussagen von Wort und Bild. Ihre Arbeiten sind oft mit einem satirisch- ironischen Unterton versehen, der das Paradoxon von Wiederholungen und Wiederholbarkeiten in ein spielerisches Ensemble verfrachtet, allerdings mit Revolutionscharakter.

Die Arbeit "F.s Karriere" (2007) von Jana Gunstheimer ist ein Kapitel der mehrteilig angelegten gleichnamigen Installationsserie der Künstlerin, die das fiktive Leben und Wirken sog. "POA"´s (= "Personen ohne Aufgaben") beleuchtet. Mittels einer Kombination aus Logo- Bild- Text radikalisiert sie die seitens der Medien- und Unterhaltungsindustrie suggerierten Inhalte und Interaktionsmöglichkeiten, um sie gleichzeitig auf die homogene Ebene der S/ W- Ästhetik zu bannen, welche an geheimes- konspiratives Material erinnert und schonungslos der gesellschaftlichen Realität von Arbeitslosigkeit und Identitätskrisen gegenübergestellt wird.

Jari Silomäkis Fotoinstallation "Personal war stories of an outsider" (2007) verknüpft zwei unterschiedliche Realitätsebenen miteinander: Kriegszeitzeugnisse einer "Zweiten- Hand- Erfahrung" überschrieben mit tagebuchähnlichen autobiografischen Notizen. Die Retrospektive des Kriegs- im Historismus romantisiert- steht dem Verlust, den Ängsten und Traumata der direkt Betroffenen gegenüber. Assoziationen nächtlichen Himmels legen sich wie eine Folie der Erinnerung auf die Einschusslöcher an Häuserwänden in Kriegsgebieten hernieder. Die Fülle an solchen Bildern und die wachsende Emotionslosigkeit gegenüber den Zerstörungen und Verwirrungen werden angesichts der Meldung aktueller Geschehnisse immer wieder auf den Plan gerufen.

In einer Doppelprojektion zeigt der erst kürzlich mit dem "Golden Cube- 2008" ausgezeichnete Stefanos Tsivopoulos seinen neuestens Film "In Plato´s Cave". Zwei simultan ablaufende Szenarien verfolgen minutiös den Prozeß der Sichtung von Archivmaterial, das Zuschneiden bis hin zur fertigen Kriegsreportage- die eine lässt sich Dank Kostüm und Setting in die 30er Jahre, die andere ins Jetzt verankern. Aufgrund ihrer ruhigen Bildfolgen wird eine meditative Atmosphäre geschaffen, um gleichzeitig Momente der Unsicherheit zu evozieren, wenn der Künstler mit minimalen Verschiebungen von Ort und Zeit operiert. Tsivopoulos' Interesse gilt nicht der Analyse kollektiver Erinnerungsbilder in Hinsicht auf eine moralische Konklusion als vielmehr der Aussicht auf ein eigenständiges poetisches Erzählpotential dieser Bilder und der in ihnen verborgenen Wahrheiten.

Nasan Tur kombiniert für seine künstlerischen Eingriffe in soziale, kulturelle und politische Kontexte mit Vorliebe Aktion und Produkt, respektive agiert er im öffentlichen Raum und hinterlässt agitativ oder symbolisch aufgeladene Objekte. Seine künstlerischen Strategien sind oft außerhalb institutionalisierter Stereotypen angesiedelt, um Bewusstseins- und Entscheidungsprozesse im Rezipienten zu provozieren. Tur inszeniert eine Aufschichtung mannigfaltiger Graffiti- Zitate auf einer begrenzten Wandfeldmaske, deren ursprgl. gestischer Ausdruck von Emotion bis Aggression zur rätselhaften Unleserlichkeit erstarrt. Jedoch wird die Tat mittels einer gegenübergestellten Videodokumentation in Memoria zur lesbaren Form einer Repräsentation der stofflichen Vehikel: Wand/ Sprayfarbe und der inneren Antriebskraft.



SHOWS 2009:

POIK II
m. Jari Silomäki, Nasan Tur, Stefanos Tsivopoulos, Alken. Greif & Hennig, Jana Gunstheimer, Jan.16th- Febr.28th, 2009
MARCUS SENDLINGER, March.6th- April 18th, 2009
ConceptIOUS (G), May 01- June 13th, 2009
PHILIP LOERSCH, June 19th- July 31th, 2009
Summerbreak, Aug. 1rd- 31th, 2009
LEA ASJA PAGENKEMPER, Sept.04th- Oct.10th, 2009
KLAUS- MARTIN TREDER, Oct.16th- Nov.21th, 2009

FAIRS:
OPEN SPACE 2009 m. Constantin Luser, April 22- 26, 2009

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