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Einzelausstellung: Torben Giehler - "Sputnik Sweetheart" (vorbei)

15 Januar 2004 bis 28 Februar 2004
  Torben Giehler -
Torben Giehler, Nomenklatura, 2003, acrylic on canvas, 244 x 304 cm
 
  ARNDT

ARNDT
Potsdamer Straße 96
10785 Berlin
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www.arndtberlin.com


In seiner zweiten Einzelausstellung bei Arndt & Partner zeigt Torben Giehler fünf großformatige Acrylgemälde, die neue bildnerische Möglichkeiten zwischen Malerei und digitaler Codierung, zwischen Repräsentation und Konstruktion erschließen. Ausgangspunkt seiner vielgliedrigen, geometrischen Kompositionen sind Freihandzeichnungen von Landschaften oder urbanen Zentren, die er anschließend einscannt und mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen am Computer umgestaltet. Die so völlig neu generierten, komplexen Bildwelten, die an Querschnitte durch 4-dimensionale Hypercuben erinnern, werden nun auf die Leinwand übertragen. Die aus diesem Prozess hervorgehenden leuchtenden rhythmischen Farbstakkati - zusammengesetzt aus zackigen Liniengefügen und sich überlagernden eckigen Flächen - verweigern eine eindeutige Stellungnahme zwischen Figuration, Abstraktion und Konkretion.

Eines der zentralen Bilder der Ausstellung verdankt seinen Titel dem im vergangenen Jahr erschienenen Roman Haruki Murakamis „sputnik sweetheart". Murakami entfaltet in diesem Roman ein Spiel mit Realität und Traumwelt, die als Parallelwelten nebeneinander existieren. Seine einsamen Helden - Grenzgänger zwischen diesen Welten - umkreisen einander wie Satelliten ohne sich dennoch jemals nahe zu kommen. „Sputnik", was im Russischen Weggefährte bedeutet, nennt eine Protagonistin Murakamis die Frau, die ihre Liebe nicht erwidern kann. Während Murakami die Distanz zwischen seinen Romanfiguren in den Vordergrund stellt, schickt Giehler den Betrachter in Schwindel-erregende Höhen über seine abstrakten architektonischen Landschaften, so dass der Eindruck entsteht, man betrachte verfremdete Satellitenaufnahmen urbaner Zentren oder den Bildschirm eines Flugsimulators. Das abstrakte Flechtwerk aus geometrischen Flächen und Linien von pulsierender synthetischer Farbigkeit evoziert eine anonyme bauliche Umwelt ohne jegliches Anzeichen menschlichen Lebens oder einen Hinweis auf einen konkreten Ort. Zugleich erinnern die gerasterten Strukturen in Giehlers Bildern auch an Pixel. Nicht nur die sichtbaren Verkehrsnetze und architektonischen Strukturen, sondern auch die virtuellen Kommunikationsnetze, Datenhighways und das multimediale Netz scheinen in Giehlers Arbeiten zu dynamischen Kompositionen von kristalliner, scharfkantiger Klarheit zu gerinnen. Im Gegensatz zu Murakami, der die Parallelwelten seiner Protagonisten in mythische und seelische Sphären verlagert, handelt es sich bei Giehlers Darstellungen eher um Reisen in die uns umgebenden digitalen Welten, die immer mehr auch das Gesicht unserer faktischen Umwelt bestimmen.

Auch wenn der Betrachter in eine perspektivische und kontinuierliche Räumlichkeit hineingezogen wird, handelt es sich bei Giehlers Arbeiten weniger um Abbilder als um Variationen und Interpretationen der digitalen 3-D- und 4-D-Räume. Mittels eines sehr dicken präzisen Farbauftrags verleiht er seinen eindringlichen Bildern einen collagenhaften Charakter, der der perspektivischen Illusion spannungsreich entgegenwirkt. Da die vibrierenden Farben weniger auf eine äußere Realität referieren, als dass sie innerbildlichen Forderungen folgen, lassen sich Giehlers flächige, gerasterte Kompositionen ebenfalls im Zusammenhang der Konkretion in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie z. B. den Arbeiten Piet Mondrians oder Theo van Doesburgs, verstehen. Während Mondrian die universellen geistigen Strukturen offen legte, destilliert Giehler die Gesetze der digitalisierten und virtuell generierten Realitäten und benutzt ihre Spuren als Bausteine für seine eigene Bildsprache. Seine bisweilen ironisch übersteigerten Bildwelten sind Science-Fiction und beschleunigte Wirklichkeit zugleich.

Torben Giehler wurde 1973 in Bad Oeynhausen, geboren, absolvierte sein Studium an der School of the Museum of Fine Arts of Boston, USA, und lebt und arbeitet heute in New York City.

Nach zahlreichen Ausstellungen in Galerien Europas und der USA, war er jüngst in der Gruppenausstellung "Painting Pictures" im Kunstmuseum Wolfsburg vertreten. Darüber hinaus zeigte ihn das Museum für Moderne Kunst in Salamanca, Spanien, in einer umfassenden Einzelausstellung. Wir freuen uns, mit „Sputnik Sweetheart" die zweite Einzelausstellung Torben Giehlers bei Arndt & Partner bekannt geben zu dürfen.

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