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Einzelausstellung: John Hilliard - Profiles (vorbei)

23 Januar 2009 bis 14 März 2009
  John Hilliard - Profiles
John Hilliard, Good Dog, Bad Dog 2, 2007, c-type colour photograph on aluminium, 126 x 156 cm. © L.A.Galerie
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


L.A. Galerie Lothar Albrecht zeigt:

John Hilliard

"Profiles"

23. Januar bis 14. März 2009

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlich zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, dem 23. Januar um 19.00 Uhr ein.

Der Künstler ist anwesend.

Profiles

Ich habe die Konsequenzen untersucht, die sich ergeben, wenn man bei der Aufnahme eines symmetrischen Objekts einem bestimmten Blickwinkel den Vorzug vor einem anderen Blickwinkel gibt, und indem ich zugleich die Möglichkeiten der Fotokamera ausgelotet habe, mehrfache Ansichten auf ein einziges Stück Film zu bannen, habe ich zahlreiche Werke geschaffen, in denen entweder drei oder (was die Regel ist) vier Perspektiven zu einer einheitlichen Komposition zusammengefügt sind. Dies ermöglicht eine Gleichzeitigkeit von sonst getrennten Darstellungen. Auf diesem Wege ergibt sich ein komplexes Bild, das aus dieser Schnittstelle (verschiedener Perspektiven) hervorgeht (siehe hierzu: Division Of Labour, 2004; 1, 2, 3, 2004; Inside Out, 2005). Ein Bedürfnis, dieser etwas öden und nüchternen Methode der Herstellung dreifacher und vierfacher Ansichten (jeweils sorgfältig ausgemessen und ausgeleuchtet, um die Einheitlichkeit von Entfernung und Lichtverhältnissen sicherzustellen) zu entkommen, zusammen mit dem Interesse, mich einigen asymmetrischen Subjekten zuzuwenden, hat zu einer Vereinfachung des Verfahrens sowohl im Hinblick auf die technische Prozedur wie auch hinsichtlich der Abbildung selbst geführt. Indem ich den wechselnden Standpunkt des Betrachters auf die geringste Zahl (zwei) beschränkt habe, die noch ein Vergleichen und Kontrastieren verschiedener Eindrücke erlaubt, basiert eine in jüngster Zeit entstandene neue Werkgruppe auf einer lediglich doppelten Darstellung, und die abgebildeten Subjekte sind danach ausgewählt, dass sie von zwei einander entgegengesetzten Seiten aus ein besonderes Profil erhalten (sofern sie seitlich umgekehrt werden).

Der Begriff ,Profil' wird hier nicht nur im wörtlichen Sinne, als Kennzeichnung einer Form, gebraucht, sondern auch in übertragener Bedeutung: So spricht man von einem medizinischen Profil, einem polizeilichen Profil, einem psychologischen Profil, einem öffentlichen Profil und so fort. In Good Dog/Bad Dog (2006) steht ein traditionelles Kinderspielzeug, ein getüpfelter Hund auf Rädern, den man an einer Schnur hinter sich herziehen kann, auf dem glanzlosen Fußboden eines Raums. Von einer Seite aus gesehen, befindet er sich vor einem beleuchteten Weihnachtsbaum, umgeben von Paketen in hell glänzendem Geschenkpapier, die vermutlich Geschenke enthalten, wie auch der passenderweise ,Spotty' genannte Hund selbst wohl ein Geschenk darstellt. Von der anderen Seite aus gesehen, blickt eine Frau, die vor einer spanischen Wand posiert und bis auf eine schwarze Maske vollkommen nackt ist, innig und mit wissendem Lächeln zu dem Spielzeughund hinüber. In der Überblendung beider Sichten (die eine horizontal gedreht und dann deckungsgleich auf der anderen montiert) erscheint das Muster der hinter dem Weihnachtsbaum sichtbaren Wandtapete - das im Stil der Entwürfe für Tapetenmuster des englischen Schriftstellers, Künstlers und Sozialreformers William Morris (1834-1896) gehalten ist - auf dem nackten Fleisch der Frau als ein ausgedehntes florales Tattoo, was ihre laszive Wirkung auf den ,bad dog' nur noch erhöht.

Die digitale Technik zur Übereinanderlagerung zweier unvereinbarer Sichtweisen auf ein ungleichmäßiges Subjekt (im Gegensatz zu der traditionelleren doppelten Darbietung, die sich für eine doppelsymmetrische Form eignet) ist gleichermaßen bei zwei anderen Werken angewendet, in denen jeweils eine sitzende weibliche Figur seitlich im Profil gezeigt wird. Another Time, Another Place (2005) zeigt eine geschmackvoll angezogene Frau in schwarzem Kleid und Schuhen mit einem aufgeschlagenen Buch auf ihrem Schoß. Von einer Richtung aus betrachtet, erscheint sie vor angrenzenden Wänden, die mit einem großen Wandfoto geschmückt sind, das eine tropische Insel bei Sonnenuntergang darstellt; von der anderen aus gesehen, ist sie von einer Ausstellung von schwarzweißen Aktfotos aus dem 19. Jahrhundert umgeben, die vor einem grauen Hintergrund präsentiert werden. Die nüchterne Neutralität, die die Frau ausstrahlt, bildet gleichermaßen einen Kontrast zu der Sammlung von Erotika wie auch zu dem exotischen Schauplatz auf dem Wandfoto, welche nun zu einem wirkungsstarken Gebräu zusammengemixt sind - und wer wüsste übrigens zu sagen, was sie da liest? Der Titel des Werks (Another Time, Another Place), der die Vermutung nahelegt, dass ihre abgelenkte Aufmerksamkeit nicht dem Hier und Jetzt gilt, lässt sich auch als Definition der fotografischen Kunst selbst verstehen, bei der die Bilder, die wir betrachten, immer bereits früher entstanden sind und mit großer Wahrscheinlichkeit auch in einer anderen Umgebung als in der, in der sie später betrachtet werden. Naked/Nude (2006) zeigt in ähnlicher Weise eine sitzende Frau, dieses Mal mit Ausnahme ihrer Schuhe unbekleidet, die in einem Studio plaziert und das Objekt der Aufmerksamkeit zweier verschiedener Personengruppen ist. An der einen Seite des Raumes befinden sich Kunststudenten vor ihren Staffeleien, die nach dem lebenden Modell zeichnen oder malen. Auf der anderen Seite haben Fotografen, ausgerüstet mit Kameras und Stativen, Position bezogen, die ihr Bild der Frau auf Film festhalten. Durch die Übereinanderblendung der beiden gegensätzlichen Sichten wird das Modell, das sich beide Gruppen teilen, als ein intaktes Wesen wiederhergestellt, umgeben von ihren Betrachtern in überfüllter, streitsüchtiger Sphäre. Gilt ihre gemeinsame Aufmerksamkeit der Nacktheit oder der unverhüllten Gestalt des weiblichen Körpers? Ist sie das Objekt der voyeuristischen Kameralinsen der Fotografen oder das Subjekt der einfühlsamen Zeichenstifte der Künstler - oder verhält es sich womöglich gerade andersherum?

Die Schuhe, die sowohl glamouröses Accessoire wie auch schützende Fußbekleidung sein können, lassen sich als Angelpunkt auffassen, auf dem sie diese beiden Wahrnehmungen ausbalanciert.

Wenn die Künstler in Naked/Nude auch eine grafische Kontur ausführen, so enthalten all diese Stücke, in denen eine Figur als zentrales Subjekt im Blickpunkt steht, ebenso die Implikation (wenn auch fiktiv) eines biografischen Entwurfs, der sich im Regelfall auf einen einfachen Gegensatz stützt (gut/schlecht; ja/nein und so weiter). Vielleicht noch wichtiger ist jedoch, dass das doppelte Profil, das sich als ein mehrfacher Ausschnitt verstehen lässt, bei dem eine Version grob auf die andere gelegt wird, um eine intensivere Gegenwärtigkeit zu erzielen, in jeder Hinsicht den Kern des Werks darstellt - ein aus dem Einklang gebrachtes Duett, das sich nichtsdestotrotz als die stabilste Konstante in schwankenden Umgebungen behauptet.

In einem dritten Werk, das eine auf einem Stuhl sitzende Figur zeigt, Labour, Intellect And Celebrity (2007), befindet sich eine Frau in ihrem Studio. Sie ist nicht für ihre Arbeit angezogen, sondern hat sich fein gemacht und ist bereit zum Ausgehen. Hinter ihr sehen wir, aus einer Richtung, die Werkzeuge, Materialien und Produkte der Künstlerin. Indem wir von der entgegensetzten Seite auf sie blicken, nehmen wir dann aber auch ihre Bücherregale, ihren Schreibtisch, den Computer und Schreibutensilien war. Sie leistet vorbereitende Recherche, sie macht sich an der Produktionsstätte ihrer Kunst ihre Hände schmutzig, und sie geht aus, um sich in Gesellschaft zu amüsieren. Sie ist eine Intellektuelle, eine Handarbeiterin und eine Partygängerin - eine zeitgenössische Künstlerin, im Profil.

In mancher Hinsicht ist es ihr getreues Profil, ihr von beiden Seiten aus gesehener, durch Verdopplung verstärkter Umriss sowie das von zwei gegensätzlichen Blickwinkeln aus eingefangene umgebende Material, das nun zu einer Grenzfläche gemischter Informationen zusammenfließt, die den innersten Kern der diesen Kunstwerken innewohnenden Idee bilden, und die Künstlerin in ihrem Studio ist lediglich eine von vielen möglichen Bildinhalten, die sich eignen, um diese Idee zum Ausdruck zu bringen. Tatsächlich sind all die hier beschriebenen technischen Methoden, die zur Hervorbringung dieser Stücke eingesetzt worden sind, auf eine große Bandbreite von Ausgangsmaterial angewendet worden. Diese reichen von Schilderungen des häuslichen Lebens bis zu Porträts zerklüfteter Landschaften. So richtet beispielsweise das Werk Meeting Point (2008) in den ländlicheren Umgebungen von Wäldern den Fokus auf einen Baum, der in einer kennzeichnenden und sprechenden Konfiguration präsentiert wird. Aus dem einen Blickwinkel heraus gibt es keine sichtbare Anzeichen der heutigen Zeit (Häuser, Autos und so fort), sodass sich der Eindruck einstellen könne, es handle sich um ein ,zeitloses' Motiv. Vergegenwärtigt man sich allerdings, seit wann Fotografie überhaupt erst existiert, wird einem bewusst, dass die Flugbahn in die Vergangenheit im neunzehnten Jahrhundert enden muss; und entsprechend erblicken wir ein Paar, das in der Kleidung jener Epoche steckt.

John Hilliard lives and works in London, UK. He is professor at the Slade College in London. His works are presented in important collection like the Tade Gallery. His works were shown in many exhibitions like the Documenta in Kassel.

John Hilliard - "Profiles" Pressemitteilung als pdf-Datei 314 KB

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