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Einzelausstellung: Susanne Hofer - Tapeten und Porzellan (wallpaper and porcelain) (vorbei)

13 Februar 2009 bis 21 März 2009
  Susanne Hofer - Tapeten und Porzellan (wallpaper and porcelain)
Susanne Hofer
 
  Christinger De Mayo

CHRISTINGER DE MAYO
Ankerstrasse 24
CH-8004 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 252 08 08
www.christingerdemayo.com


Susanne Hofer
Tapeten und Porzellan

Ausstellung
: 13. Februar bis 21. März 2009

Vernissage: Donnerstag, 12. Februar, 18–21 Uhr
Die Künstlerin ist am Vernissageabend anwesend.

Orte, an denen alltägliche menschliche Handlungen stattfinden, sowie die Bedeutungen, die diesen Räumen und den daran angebundenen, häufig ritualisierten Vorgängen eigen sind, bilden seit einigen Jahren den Ausgangspunkt der Arbeiten von Susanne Hofer. In ihren dichten Videoinstallationen, -projektionen und Ein-Kanal-Videos lotet sie die Wechselwirkungen zwischen Aussen- und Innenraum, privat und öffentlich, individuellen Gesten und kulturell geprägten Mustern aus, befragt die verschieden determinierten räumlichen, topografischen Situationen und alltäglichen Momente hinsichtlich ihrer Bedingungen und ihres grundlegenden identitätsstiftenden Potenzials. Zugleich stellt sie in den Arbeiten selbst jeweils wieder unterschiedliche ‹Wirklichkeiten› her, deren mediale und materiale Konstruiertheit sie bewusst offen legt und somit auch deren Parameter immer neu zur Diskussion stellt.

In der aktuellen Einzelausstellung präsentiert Susanne Hofer drei neue Arbeiten, die sich durch eine präzise Verschränkung von Raum- und Realitätsmodellen und eine differenzierte ‹Bildlichkeit› auszeichnen. In den synchron abgespielten Videos der Doppelprojektion «Tapeten» (2009) fokussiert die Kamera eine schadhafte Wandpartie, die ausgebessert und dann mit Farbe überstrichen wird. Sobald der vom Objektiv erfasste Bereich ausgemalt ist, zoomt die Kamera auf und öffnet den Blick auf den Raum. Als kontinuierlicher Ton sind Kratzen, Schleifen und das Geräusch des Pinsels auf der Wand zu hören. Susanne Hofer rhythmisiert den aufgezeichneten Arbeitsablauf, sie lässt einzelne Momente für einige Sekunden stehen, so dass die Schichtungen der abgeblätterten Farbe, die Tapetenreste und die darüber gelegte Malerei in ihrer Textur und Stofflichkeit, vor allem aber als Bild sichtbar werden. Flächen- und Raumwahrnehmung kippen ineinander, die ausgemalte Cadrage liegt nicht immer plan auf der Wand, sondern ist häufig an Wandabbrüchen oder Ecken angesetzt. Bei jedem Wechsel vom fixierten Close-up zur Ausweitung des Ausschnitts entstehen Übergangszonen, Zwischenbereiche, die erst in den Schlusssekunden in ein räumlich entschlüsselbares ‹Suchbild› münden – die Totale, in der das farbige Feld wiederum ein Zeichen unter vielen darstellt. Diese innerbildlichen Überlagerungen führt Hofer in der Verschränkung von medialem Illusionsraum uund räumlicher Präsentation weiter: So stehen wir als BetrachterInnen innerhalb von zwei Raumprojektionen, deren imaginierte Räumlichkeit in sich selbst immer wieder aufbricht und auf den Realraum, die Ecksituation in der Galerie übergreift. Die immer wiederkehrende Tätigkeit, das Renovieren und Malen suggeriert eine Besitznahme, die jedoch nie abgeschlossen ist, sondern immer nur eine temporäre Markierung, eine partielle Aneignung bleibt.

Konzeptuell verwandt mit dieser Arbeit ist das Video «Porzellan» (2009), das auf einem Monitor gezeigt wird. Eine verfallene, menschenleere Siedlung, auf dem Boden liegt Zivilisationsabfall. Durch die Fenster einzelner Häuser sieht man zwei Hände, die Porzellanscherben mit Klebband zusammenkleben. Mit zunehmender Dauer des Videos wächst der Berg an repariertem Geschirr kontinuierlich an, verstellt immer mehr den Blick durch die Scheiben. Während im Inneren der Häuser aus Zerbrochenem etwas Funktionales wieder annähernd neu hergestellt wird, bleibt der Aussenraum unberührt von dieser Aktivität. Liebevoll, fast ein wenig nostalgisch zeichnet Susanne Hofer die Überreste einer vergangenen Lebenswelt auf. Mit den präzise einmontierten Sequenzen durchbricht sie punktuell dieses Raum-Zeit-Gefüge, stülpt gleichsam einzelne Innenräume in die Gegenwart und schreibt deren Spur wieder in die Videobilder ein. Scheinbar zufällige Momente bezeugen eine ‹überzeitliche Interaktion›, in der Zeichen der vergangenen Zerstörung im Aussenraum auf erhaltende, erneuernde Gesten im Inneren treffen, wenn beispielsweise Türme aus Tellern und Tassen einen aufs Dach gestürzten Baum zu stützen scheinen. Es sind diese Scharnierstellen, an denen Susanne Hofer die Konstitution des Bildraums aufweicht, seine skurrile Beschaffenheit akzentuiert und die verschieden gelagerten raumzeitlichen Modelle in einen spannungsvollen Augenblick verwebt.

Mit «Vorstadt» (2008) präsentiert Susanne Hofer die Form der Videoinstallation, die für ihre künstlerische Position besonders charakteristisch ist: die Formulierung einer spezifischen illusionistischen Situation, deren Herstellung in der Arbeit selbst aufgedeckt und zur Schau gestellt wird. Der Sonnenaufgang und -untergang hinter einer Skyline wird von ihr in Form einer sorgfältig arrangierten Material-Assemblage und des darauf projizierten Videos explizit als Projektion vorgeführt. Je weiter sich die Sonne dem Zenit nähert, umso deutlicher wird die Beschaffenheit der Architekturlandschaft. Die ‹Sonnenstrahlen› umschmeicheln zwar die aufgestapelten Gegenstände, tauchen sie in ein warmes, goldenes Licht, doch zugleich beleuchten sie auch das materiale Setting der Installation, schälen es gleichsam aus dem Halbdunkel heraus. Susanne Hofer entlarvt hier sukzessive den von ihr inszenierten romantischen Topos. Sie berührt aber zugleich das surrealistische Credo des zufälligen Zusammentreffens von Gegenständen unterschiedlichster Provenienz, aus dem eine unvergleichliche Schönheit resultiert. Es ist das Moment des Unerwarteten, des Absurden, des Unberechenbaren, das diese Schönheit ausmacht und das auch in der Videoinstallation von Susanne Hofer aufblitzt. Und so liesse sich in der Weiterführung von Lautréamont formulieren: Il est beau comme la rencontre fortuite sur une boîte en plastique d’une bouteille de bière et d’une perceuse.

Irene Müller, Februar 2009


Susanne Hofer, geboren 1970, besuchte von 1990 bis 1995 die Hochschule für Gestaltung Luzern. Seit 1997 hat sie verschiedene Auslandaufenthalte absolviert und Atelierstipendien gewonnen, wie Berlin, Paris, Chicago und New York. Sie erhielt verschiedene Auszeichnungen und diverse Preise: 2005 (zusammen mit Urs Hofer) einen Werkbeitrag von Stadt und Kanton Luzern sowie den Kulturwettbewerb Wirtschaft und Kultur Willisau für das Projekt «die Stellvertreterin». 2002 den Preis der Kunstgesellschaft Luzern. 2001 und 1996 erhielt sie einen Werkbeitrag von Stadt und Kanton Luzern, zusammen mit Marianne Halter 1998 das Stipendium VideoOst und 1996 den Preis der Videowerkschau Schweiz an der Viper in Luzern.

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