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Einzelausstellung: Lea Asja Pagenkemper - Blut, Schwarz & Tränen (vorbei)

4 September 2009 bis 20 September 2009
  Lea Asja Pagenkemper - Blut, Schwarz & Tränen
Lea Asja Pagenkemper
 
  Galerie Jette Rudolph

Galerie Jette Rudolph
Strausberger Platz 4
10243 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 613 03 887
www.jette-rudolph.de


"Ich habe mich oft in diesen Zustand unmöglicher Absurditäten versetzt, um zu versuchen, Gedanken in mir entstehen zu lassen."
(Antonin Artaud, Nervenwaage; aus: Pour Vos Beaux Yeux, Librairie Gallimard, Paris 1925)

Vom Sehen in der erkenntnistheoretischen Erläuterung des Begriffs der Emanation durch Demokrit handeln die Bilder der aktuellen Ausstellung: als Ausströmung der Abbilder aus den Dingen. Das Subjekt unseres Interesses ist im Sehen erfasst, gefangen und gesteuert. Ja, manches Mal muss man die Augen schließen, um zu sehen. Die Galerie Jette Rudolph freut sich, die neue Solo-Ausstellung BLUT, SCHWARZ & TRÄNEN der Baselitz- Meisterschülerin Lea Asja Pagenkemper (*1976, lebt und arbeitet in Berlin) ankündigen zu dürfen.

Der Doppelsinn der neuen groß- und kleinformatigen Leinwände von Lea A. Pagenkemper liegt in ihrem suggestiven, symbolistisch-metaphysischen Ansatz verborgen und verleiht ihrer Malerei eine rätselhafte Ambiguität. Diese Bilder liefern keine Eitelkeiten, kommen vielmehr aus dem Innersten und beschreiben das Suchen nach einem Wort, einem Augenblick. Sie entstehen Schicht für Schicht in zarten, farbigen Lasuren, gewinnen prozessual an Form und Gestalt, um sich zuletzt gleich einem Bühnenvorhang in ein samtig tiefes Schwarz zu hüllen. Doch durch ein Kratzen und Schaben wird auch dieser blickdichte Schutzmantel wieder verletzt, um Einblicke in die Seele zu gewinnen, oder um sich selbst in diesen einzuschreiben. Leinwandsadist! Die grafischen Schraffuren fügen sich zu Tropfen, sammeln sich hie zu einem rieselnden Meer, da zu einer scheinbar regelmäßigen Textur, um sich wenig später wieder in loses Geflecht aufzulösen. Untere Farbschichten blinzeln durch die Kratzspuren hindurch, begleitet von einem unbestimmten, silbrig-goldenen Glanz, der sich über die Leinwände ausbreitet wie schimmernde Pailletten auf einem Kleid.

Es sind weder Häuserwände noch Graffititexturen auf den neuen Arbeiten der Künstlerin auszumachen, wie sie ihre Malerei der Jahre 2004- 2008 prägten. Auch sind die Sprüche verschwunden, die einst weder die soziale noch sexuelle Provokation scheuten. Mehrdimensional werden Pagenkempers aktuelle Bilder erst im Kopf des Betrachters. Doch trotz ihres Verzichts auf Worte und Geschriebenes ist ihre Malerei der Literatur so nahe wie nie. Es liegt eine leise Unberechenbarkeit in den Bildern: "... sie sind wie Rauch einer Zigarette, der sich leicht und schwebend zwischen Boden und Himmel seinen Platz sucht und verschwindet, eben noch an den Lippen des Lebens hängend, (...) und im selben Augenblick verloren (...), Gegenwart des Flüchtigen und Schönen. (...)" (Gregor Jansen, ZKM/ Museum für Neue Kunst, Karlsruhe).

Pagenkempers Malerei schöpft aus dem Poetischen als der Qualität eines Ausdrucks, der sich der Sprache entzieht, aus einer Stille, die gleichzeitig eine leise Auflehnung impliziert, wenn sie nach dem Sinn- und Wahrheitsgehalt der Malerei fragt. Der Ansatz der Künstlerin ist ein Begehren, das suchend an der Oberfläche der Bilder nagt und rätselhafte Gestalten freilegt: einen goldenen Tropfen, einen türkisblauen Haufen, einen Engel "l´ange Lautréamont", eine fabelartige Figur mit Sternenumhang. Ihre Poesie macht die lichten Schatten sichtbar. Man kann ihre Malerei sogar hören: Villons, Lautréamonts, Baudelaires, Artauds stille Schreie ins Nichts, ins menschliche Nichts, ein Echo aus dem Abgrund der Geschichten. "Nie erblickst Du mich da, wo ich Dich sehe" (Jacques Lacan) Das Wort, das Bilder schafft, sich selbst nicht genügen kann. Das Bild, das Worte schafft, die sich selber nicht genügen werden.

"Alles ist weggemalt, (...) das ganze Drumherum weg(..)gelassen, den Zirkus und die Erklärungen. (...) keine Illusionen schaffen, sondern die Wirklichkeit des Unsichtbaren (...). Nervenwaage." (L.A.P.)

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