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Einzelausstellung: Edit Oderbolz - Am Haus lesen (vorbei)

21 August 2009 bis 31 März 2010
  Edit Oderbolz - Am Haus lesen
Edit Oderbolz, Ohne Titel, 2008, Stoff, Aluminium, Holz, Masse variabel
 
  Kunsthalle Basel

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
CH-4051 Basel
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (61) 206 99 00
www.kunsthallebasel.ch


Neues Projekt für die Rückwand der Kunsthalle Basel (neben der Elisabethenkirche)

Die Rückwand der Kunsthalle Basel ist in den vergangenen Jahren in regelmässigen Abständen mit unterschiedlichen Projekten von internationalen und Schweizer Künstlerinnen und Künstlern bespielt worden. So hat unter anderem der rumänische Künstler Dan Perjovschi 2007-08 an der Aussenwand Zeichnungen gezeigt, die sich mit lokal- und weltpolitischen Beobachtungen auseinandergesetzt haben, und die Schweizer Künstlerin Karin Hueber hat letztes Jahr eine skulpturale Wandarbeit realisiert.

Ab dem 20. August 2009 wird die in Basel lebende Schweizer Künstlerin Edit Oderbolz (*1966, Stein am Rhein) ein neues Projekt an der Rückwand präsentieren, welches sie speziell für diesen Ort zwischen dem Kunsthallegebäude, dem Theater und der Elisabethenkirche entwickelt hat.

Die installative Arbeit von Edit Oderbolz lehnt sich in ihrer Form an Gitter an, die als Schutz und Sicherheitsmassnahme aussen vor Fenstern und Türen angebracht werden. Sie nimmt damit ein Motiv auf, das an Architekturen als Abgrenzung zum öffentlichen Leben gelesen werden kann. Die Gestalt dieser meist aus Gusseisen bestehenden Vergitterungen kann sich je nach Funktion und Ort stark unterscheiden. Bei staatlichen Gebäuden (wie Gefängnissen) und bei Wohnhäusern schützen sie mit einfachen geometrischen Verstrebungen vor Ein- und Ausbrüchen. Sie können aber auch entsprechend der kulturellen und lokalen Bauweisen durch ornamentale Muster oder formale Spielereien der Ausschmückung der Hausfassade dienen. Die Gitter an Häuserfassaden werden in der Architektur allgemein immer dort verwendet, wo der Innenraum vom Aussenraum abgetrennt oder abgeschirmt werden soll, ohne ihn dabei visuell vollkommen zu verschliessen.

Ausgehend von Schutzgittern hat die Künstlerin eine Sequenz von sechs vergitterten Flächen entworfen, die in einem geringen Abstand zur Wand angebracht sind. Die Rasterung der Stäbe aus Armierungseisen folgt dabei einem eigenen künstlerischen Formenvokabular, welches durch formale Wiederholungen, Lücken und unerwartete Verbindungen die bildnerischen Möglichkeiten von Fenstervergitterungen erforscht. Die daraus entstehenden Gebilde beziehen sich aufeinander wie Schriftzeichen innerhalb einer rudimentären sprachlichen Struktur. Einzelne Stäbe weichen durch Verkrümmungen von den festen Anordnungen ab und überführen sie in eine subtile Bewegung, die eine funktionale Stabilität unterläuft. Die offene Gliederung befindet sich in einem Zustand der Auflösung, und bildet gleichzeitig eine autonome Formation, welche die Aussenwand der Kunsthalle neu vermisst und verortet. Eine veränderte Lokalisierung der Wand geschieht durch die Andeutung an Fenster: Die Gitter verwandeln die Rückwand in eine "blinde" Fassade eines Privathauses und bauen eine andere mögliche architektonische Situation für den spezifischen Ort auf. Die Vergitterungen verweisen dabei auch auf die Kunstinstitution zurück, welche auf ihrer Querseite zur Theatertreppe selbst bestehende Fenstergitter besitzt.

An die Gitter werden zudem verschiedene, farbige Tücher angebracht, welche die Gefüge an der Wand in ein skulpturales Bild mit einer changierenden, abstrakten Farbkomposition transformieren. Sie verstärken den Eindruck eines vor Blicken zu schützenden Innenraums, der sich dahinter befinden könnte: Aus dem alltäglichen Gebrauch stammend, erinnern die Stoffe an die verschiedenen Strategien von Hausbewohnern, sich in Architekturen heimisch oder geschützt zu fühlen.

Die Künstlerin setzt ein oft unbeachtetes architektonisches Element ins Zentrum, das, seiner ursprünglichen Funktion enthoben, zu einer Metapher eines durchlässigen Innen- wie Aussenraums wird. Als wortwörtliche "skulpturale Passagen" befragt die Installation von Edit Oderbolz die Funktion und die Repräsentationsweisen von Architektur, ihre sprachliche Beschreibung sowie ihre (Aus-)Wirkungen auf uns.
Das Projekt von Edit Oderbolz wird bis Ende März 2010 an der Rückwand zu sehen sein.

Edit Oderbolz

*1966 Stein am Rhein, Schaffhausen, Schweiz. Lebt und arbeitet in Basel.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2009 Dancing On The Roof Of My House, Centrum Sztuki Wspolczesnej, Torun, Polen / 2008 I know you know, Guestroom, Galerie Mark Müller, Zürich; Don't look back in anger, Kunsthaus Langental / 2006 Täuschungen und andere Wahrheiten, Kunstraum Baden (mit Philipp Gasser) / 2004 Now bring me that Horizon, Manorpreis, Museum für Gegenwartskunst Basel / 2003 Enter, Kunstmuseum Thun.

Gruppenausstellungen (Auswahl): 2009 Three leap seconds later - Ankäufe der Bundeskunstsammlung 1998-2008, Kunsthaus Grenchen; Choices, Ausstellungsraum Klingental, Basel / 2008 The Line is a Lonely Hunter, New Jerseyy, Basel; Eternal Flame, Über das Versprechen der Ewigkeit, Kunsthaus Baselland, Muttenz / 2007 Aufstieg vom Bergsee, KURATOR, Alte Fabrik, Rapperswil; Norwich Contemporary, Norwich, England; The Trees Bring Forth Sweet Ecstasy, Ausstellungsraum Klingental, Basel (Katalog); Loop, Les Complices, Zürich / 2006 midnight walkers, Centre d`art d`Ivry-Le Credac, Ivry-sur-Seine, Paris / 2005 We really have to strain ourselves to still discover mysteries on street signs, Center for Contemporary Art, Warsaw.

Abbildung:
Edit Oderbolz
Ohne Titel, 2008,
Stoff, Aluminium, Holz
Masse variabel

Installationsansicht:
Edit Oderbolz, I Know You Know, Guestroom, Galerie Mark Müller, Zürich
Courtesy die Künstlerin

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