Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Chloe Piene (vorbei)

16 Januar 2010 bis 6 März 2010
  Chloe Piene
Chloe Piene
Iobella, 2009
Charcoal on velum
116.8x71.1 cm (46x28 in)
 
  Rotwand

Rotwand - Sabina Kohler & Bettina Meier-Bickel
Lutherstrasse 34
8004 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +41 (0) 44 - 240 30 55
www.rotwandgallery.com


Es freut uns ausserordentlich, Chloe Piene (*1972 Stamford, Connecticut) erstmals bei Rotwand in einer Einzelausstellung praesentieren zu duerfen.

Das Primat der Erfahrung und des Koerpers als Staette dieser Erfahrung stehen schon seit langem im Mittelpunkt von Chloe Pienes Praxis. Ihre Zeichnungen waren immer schon in ein erotisches Spiel verstrickt, das den Koerper als wandelbares und endlos komplexes Fabergé-Ei behandelt, seine Verstrickungen enthuellt, seine Kontingenzen blossstellt, bis er nur noch als Objekt in einer unmoeglichen Phasenverschiebung existiert, zugleich fest, gasfoermig und fluessig, Knochen, Blut und Atem, Lymphe, Methan, Haar und Zaehne. Alle Festkoerper schmelzen, jede Leere ist Ort einer moeglichen Erscheinung.

Pienes neue Skulpturen treten auf ueberraschende Weise in ein Wechselspiel mit ihren Zeichnungen, eroeffnen einen Dialog, in dem sie einander auseinandernehmen und untersuchen mit dem morbiden Auge eines Aestheten, das die Gewebe ihrer Figuren Schicht für Schicht freilegt. Was hier fest ist, ist wirklich fest. Aber oft scheinen die Eruptionen grober Materie eher einen Raum als ein Objekt zu umschreiben – sagen wir, das Volumen ausgeatmeter Luft oder die Waermeaura eines lebenden Koerperteils. Für Piene stammen Zeichnung und Skulptur aus dem gleichen "fixierten und ambivalenten" Ort, wo Polaritaeten neutralisiert und verkompliziert sind. Ausbruch und Einbruch sind wesensgleich, jeder Bruch ein Eindringen. Die Materie dringt vor, um den Raum zu beherrschen (oder zu ihm zu werden?), ebenso wie der Raum in den Zeichnungen in die Koerper eindringt und sie aufbricht – die Volumen sind veraenderlich, fest, abgeschlossen, dunstfoermig und abgruendig. Das Gleiten zwischen Zustaenden hat eine klare parallele in der Definition des Ektoplasmas als einer Substanz, die keine Substanz hat, die in einem Zustand existiert, der so unvergleichlich ist mit allem, was wir kennen, dass er ueber keine empirisch greifbaren Qualitaeten verfuegt. Das Plastilin (ein reaktionstraeges Material, das normalerweise in der Gussvorstufe verwendet wird), das Piene als prima materia ihrer Skulpturen verwendet, hat einen ganz eigenen Zwischenstufencharakter. Sie sagt, dass es "die Qualitaet von etwas Organischem wie Schokolade oder Fett besitzt". Seine Oberflaeche erinnert an feuchten Ton, als ob es immer noch formbar, immer noch fleischig sei. Das Beibehalten dieses Gefuehls materieller Formbarkeit erlaubt der statischen Form ueber den Fluss zu sprechen: Der fixierte / sich wandelnde Punkt des Jetzt (wie das Auge des Sturmes) wird zu einer Anspielung auf den Fluss der Zeit, der sich von jedem Punkt aus in alle Richtungen ausdehnt. Auch die Energieuebertragung, die in Zeichnung und Skulptur geschieht, ist wichtig. Die Oberflaechen von Papier, Ton und Plastilin fungieren als Orte von Widerstand und Austausch. Sie sind weniger Aufzeichnungen als vielmehr Gefaesse. Die Figur des Golems ist ein nuetzlicher Bezugspunkt – ein Koerper aus Staub und Lehm mit der hebraeischen Inschrift "Wahrheit", muehevoll zu Leben erweckt durch die Rituale des Rabbiners, durch seine umfassende koerperliche und spirituelle Hingabe an den Schoepfungsakt, ein Koerper, der lebt und handelt aufgrund des Willensaktes und der Arbeit eines Anderen, ein Koerper, der auf dem Rand der Nicht-Existenz zittert, in die er immer und jederzeit zurueckgestossen werden kann.

Chloe Piene wurde 1972 geboren und verbrachte ihre Kindheit in New York State. Sie hat einen Abschluss in Kunstgeschichte an der Columbia University und studierte bildende Kunst am Goldsmith College in London. Sie begann sehr jung zu zeichnen und erreichte seitdem eine grosse Meisterschaft in diesem Medium. Bekannt fuer die Vielseitigkeit und Kraft ihres Striches wurde Piene als brutal und delikat, figurativ, forensisch, erotisch und fantastisch bezeichnet. In juengster Zeit wurden ihre Skulpturen aus Wachs und Plastilin in Paris und Basel gezeigt. Ihre Zeichnungen, Skulpturen und Videoinstallationen wurden in Einzelausstellungen in Institutionen wie dem Carré d’Art Musée d’Art Contemporain, Nîmes, und der Kunsthalle Bern gezeigt. Sie nahm an der Biennale 2004 am Whitney Museum of American Art teil und wurde juengst mit Hans Bellmer und Willem de Kooning in Doppelausstellungen gepaart. Ihre Arbeiten finden sich in oeffentlichen und privaten Sammlungen, beispielsweise im Museum of Modern Art und im Whitney Museum of American Art, New York, im Walker Art Center, Minneapolis, dem Centre National d'Art et de Culture George Pompidou, Paris und den Sammlungen Hoffmann und Burger in Berlin. Sie lebt und arbeitet in New York City.
Text Lee Triming (Uebersetzung Martin Jaeggi)


Wir freuen uns auf Sie!
Sabina Kohler & Bettina Meier-Bickel

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.