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Einzelausstellung: Shen Liang - Beijing Opera (vorbei)

9 September 2005 bis 5 November 2005
  Shen Liang
Shen Liang
From the Beijing Opera Series
"From the Beijing Opera Series", Oil on canvas, approx 140 x 180 cm
2004
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


L.A. Galerie Lothar Albrecht zeigt:

Shen Liang "Beijing Opera"


09. September bis 5.11. 2005

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlich ein zur Eröffnung am 09. September 2005 um 10:00 Uhr.

Gleichzeitig findet der Saisonstart der Frankfurter Galerien statt, mit geänderten Öffnungszeiten:
Freitag 9.9.05 von 18.00 bis 22.00 Uhr, Samstag der 10.9.05 von 11.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag der 11.9.05 von 12.00 bis 18.00 Uhr. Danach gelten wieder die normalen Zeiten.

Shen Liang (geb. 1976 in Beijing) hat bereits als Kind Serien gemalt. Seine erste stellt Variationen des Motivs des Eingangs vom Kulturhaus dar, in dem er mit seinen Eltern in Yingkou, Provinz Liaoning, lebte. Diesen Eingang malte er in ungefähr einhundert Variationen. Mit 16 Jahren wird Shen Liang vom Gymnasium der Kunstakademie in Beijing aufgenommen, hieran schließt sich ein Studium und ein Postgraduiertenstudium. Bis heute lebt er in dieser Millionenstadt, einem "Ort voller Widersprüche und Harmonie."i Das in dieser Aussage des Künstlers anklingende Paradoxon charakterisiert die Stadt heute. In jeder Großstadt, in der sich gewachsene Traditionen und der technische Fortschritt begegnen, lässt sich ein Konflikt zwischen der zeitgenössischen High Tech Waren- und Werbewelt und den über Jahre entstandenen Sitten und Gebräuchen ablesen, die einen Ort ebenso prägen.
Ein Zeichen dieser über Jahre in China gewachsenen Tradition bildet das kulturelle Medium der Beijing Oper (Peking Oper). Um 1790 kamen anlässlich des 80. Geburtstages von Kaiser Qianlong die berühmtesten Künstler aus den Provinzen Jianxi, Hubei, Sichuan und Shanxi in die Hauptstadt Beijing. Sie blieben dort und trafen auf Beijinger Künstler. Ihre Stilformen aus der Hui Oper, Han Oper, Kun Oper, Yi Oper und Qin Oper verschmolzen nach und nach miteinander und im Laufe der Zeit nehmen sie Einflüsse der Beijinger Sprachmelodie und des Beijinger Musikstils an, woraus sich schließlich die Beijing Oper entwickelte. Diese besondere Form der Oper vermischt nicht nur Schauspiel und Gesang, sondern integriert hierüber hinaus Elemente aus Tanz, Kampfkunst und Akrobatik. Vier wichtige Rollen bestimmen diese Art der Oper: Sheng, die männliche Rolle; Dan, die weibliche Rolle; Jing, die geschminkte männliche Rolle und Chou, die Clown-Rolle. Die Namen der Rollen drücken gegensätzliches aus: Sheng bedeutet "seltsam" oder "selten", tatsächlich stellt diese Rolle einen sehr bekannten Mann dar; Dan bedeutet "Morgen" oder "männlich", der Charakter ist jedoch weiblich; Jing bedeutet "sauber", die Schminke macht jedoch einen unsauberen, aber farbigen Eindruck und Chou steht für den Ochsen, der phlegmatisch und ruhig ist, der Clown Charakter ist hingegen aufgedreht, redselig und hektisch. Die Ausstattung ist spärlich, denn die Beijing Oper arbeitet eher mit symbolischen als mit realistischen Mitteln. Auf der Bühne werden Zeit und Raum in pantomimisch ausgerichteten Darstellungen durchschritten. "Libretti" der Beijing Oper basieren auf Volksmärchen, volkstümlichen Geschichten und Legenden sowie auf klassischen Erzählungen. Das Repertoire der Stücke gehört entweder in die Kategorie Wen (zivil) oder Wu (militärisch) und greift vorwiegend Stücke aus der Zeit der Yuan (1271-1368) und der Dynastie der Ming (1368 bis 1644) auf. Als überregionale Form der Kunst wird die Beijing Oper von Theatergruppen bis heute in ganz China aufgeführt.

Shen Liang betrachtet diese chinesische Theaterkunst "aus einer modernen Perspektive." Seine Bilder stehen in der Tradition zeitgenössischer Kunst Chinas nicht nur aufgrund des Mediums der Malerei, sondern da er sich wie viele seiner Altersgenossen mit dem aktuellen Leben aus nächster Nähe befasst, als eine Folge der Vertautheit mit ihm und einem direkten persönlichen Bezug. Shen Liangs Bilder erzählen von einem unscharfen Verhältnis zu einer Tradition, die in den Augen vieler junger Menschen in China keine wesentlichen Stellenwert mehr besitzt. Auf den Bildern der Serie "Beijing Opera" erscheinen in einem Raum, der nur durch wenige Farbformen angedeutet wird, Menschen in Kostümen, die für diese Art der Oper charakteristisch sind. Sie sind meist in Posen erfasst, die tanzende oder auch Bewegungen der Kampfkunst zeigen. War die erste Serie der Bilder zu diesem Thema noch fast durchgängig in grau-schwarzer Farbigkeit gehalten, weist die aktuelle eine Buntfarbigkeit auf, die die dargestellten Szenen zwar belebt, ihre Vitalität unterstreicht und einen starken Eindruck von der Lebhaftigkeit dieser Art der Oper vermittelt. Die Kostüme der Beijing Oper zeigen den sozialen Status der Rolle und drücken ihre Persönlichkeit und Charakterzüge aus, ebenso die Frisuren und Kopfbedeckungen der Schauspieler. Auch in der Gesichtsbemalung werden mit Hilfe von Grundierung, Schattierungen und Einzelfarben innere Bewegungen, Stimmungen, Charakterzüge ablesbar. Rot beispielsweise steht für Loyalität und Rechtschaffenheit, Schwarz bedeutet Tapferkeit und Geradlinigkeit, Gelb drückt Tücke und Hinterhältigkeit aus, Weiß Unberechenbarkeit. Auf zahlreichen Bildern Shen Liangs können diese feinen Nuancen und Symbolwerte der Farbe nur noch erahnt werden und verfließen zugunsten eines flüchtigen Gesamteindrucks. Die Dynamik der Bewegungen, integrierte Kampfkunst in das Spiel, ist über den schnellen, flüchtigen Pinselstrich ablesbar. Vor allem über diese Art der Darstellung entsteht der Eindruck, als erzählten die Bilder von einer Tradition, die zwar noch lebhaft vorhanden ist, gleichzeitig aber wie eine vage Erinnerung erscheint.
"Oper scheint von unserem alltäglichen Leben entfernt zu sein" sagt Shen Liang und legt damit eine Deutungsmöglichkeit seiner Bilder nahe. Sie drücken eine Reaktion auf die zunehmende Diskrepanz aus, die das Verhältnis zwischen über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen und der aktuellen Gegenwart bestimmt, die durch Schnelllebigkeit, vernetzte Kommunikationsmittel und durch eine Faszination für den rasanten Beat zeitgenössischer Popmusik wie Techno, Hip Hop, R&B und Dancefloor geprägt ist, mehr als durch gefühlvolle Arien und der Muße zur Konzentration auf ein Schauspiel über mehrere Stunden. Trotzdem ist es so, wie Shen Liang sagt: "Egal, ob man sie mag oder nicht, auch an jungen Menschen haftet diese Tradition von Natur aus." Auch wenn sie vielleicht nie eine Vorstellung besucht haben, wurden ihnen über ihre Verwandten und Vorfahren die charakteristischen Merkmale dieser Art der Oper vermittelt, denn für sie bildete sie einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens. Laut Shen Liang verstehen die meisten Jugendlichen die Beijing Oper nicht, noch weniger lieben sie diese Kunst. Insofern vermitteln seine Bilder einen Eindruck von einem innerlich empfundenen Stellenwert dieser Tradition in einer Gegenwart, die einen Zustand zwischen Beständigkeit und Flüchtigkeit kennzeichnet. Dabei geht es Shen Liang vordergründig nicht darum, zu beklagen, dass diese Tradition der Beijing Oper allmählich zu verschwinden droht, denn das stellt er zunächst einmal lediglich fest. Er berührt daher einen momentanen Zustand und wie sich die Zukunft entwickelt, bleibt erst mal offen.

Meike Behm

Shen Liang "Beijing Opera" als pdf-Datei 88,5 KB

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