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Einzelausstellung: Jos de Gruyter & Harald Thys – PROJEKT 13 (vorbei)

16 Januar 2010 bis 14 März 2010
  Jos de Gruyter & Harald Thys – PROJEKT 13
Jos de Gruyter & Harald Thys, Ohne Titel, 2008
drawing
Courtesy the artists & Gallery Dépendance Brussels; Isabella Bortolozzi, Berlin
 
  Kunsthalle Basel

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
CH-4051 Basel
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (61) 206 99 00
www.kunsthallebasel.ch


Die Kunsthalle Basel freut sich, die erste umfassende Ausstellung der belgischen Künstler Jos de Gruyter (*1965, Geel) und Harald Thys (*1966, Wilrijk) in der Schweiz mit dem Titel PROJEKT 13 zu präsentieren.

Die beiden Künstler arbeiten seit Ende der 1980er Jahre zusammen und haben seitdem ein faszinierendes Werk entwickelt, das die bedrohliche Absurdität der Welt, in der wir leben, untersucht und die Macht, die wir als menschliche Individuen haben, etwas dagegen zu tun, in Frage stellt. Das Leben wird als ein endloser Kreislauf mechanisierter alltäglicher Tätigkeiten dargestellt, in dem die Menschen den Dingen um sie herum gleichgestellt sind oder sogar von diesen gesteuert werden. Gefangen in bizarren, pervertierten Interaktionen, leben die porträtierten Subjekte in einem andauernden Zustand der Beunruhigung und können ihre Gefühle nicht mehr länger ausdrücken. In Anlehnung an einige klassische Tropen des Surrealismus, halten die Künstler den stummen Blick lebloser Materie und die sture Anwesenheit hergestellter Dinge für genauso bedeutungsvoll wie die Gefühle lebendiger Geschöpfe.

De Gruyter und Thys verwenden Filme, Fotografien und Zeichnungen in atmosphärischen Installationen, die unterschiedliche Typen von Ausstellungsdisplays kombinieren, welche angelehnt sind an kommerziellen Messen, Kunst im öffentlichen Raum, Formen der Präsentation amateurhafter oder ‚naiver' Kunst sowie Bühnenbildkonzepten. Die so geschaffenen räumlichen Situationen verdeutlichen ein zentrales Anliegen in de Gruyter und Thys' Arbeit manchmal auf direkt physische Art und Weise: die Vorstellung von geschlossenen Systemen und deren Unfähigkeit, Einflüsse von aussen zuzulassen. Für ihre Ausstellung bei Le Plateau in Paris (2007) liessen die Künstler den gesamten Ausstellungsraum einschliesslich der Fenster grau streichen, was den Betrachter von der Aussenwelt isolierte. Auf ähnliche Weise verwendeten die Künstler für die 5. berlin biennale (2008) industrielle Türen, um den Kellerraum, in dem ihr Video gezeigt wurde, deutlich vom Rest der Ausstellung abzugrenzen.

Für die Kunsthalle Basel haben de Gruyter und Thys ein Ausstellungskonzept entwickelt, das eine in sich abgeschlossene Welt inszeniert. Nachdem der Besucher den ersten Saal der fünf Ausstellungsräume im Erdgeschoss betreten hat, schliesst sich die Tür automatisch hinter ihm. Man findet sich, um die Künstler zu zitieren, in einer „Weltausstellung des Jahres 3000" oder einer „Messe zur Feier des Lebens in der Parallelwelt" gefangen. Nicht nur die Aussenwelt wird auf sichere Distanz gehalten - ein Eindruck, der durch die mit Holzplatten verschlossenen Fenster noch verstärkt wird -, sondern auch (fast) alle anderen Ausstellungsbesucher. Die Ausstellungsstruktur besteht aus einer grossen Anzahl hölzerner Trennwände, die in regelmässiger Anordnung im Raum verteilt sind und ein Labyrinth bilden, das den umhergehenden Besuchern den Blick aufeinander verstellt. Die Idee, auf Messen übliche architektonische Strukturen zu verwenden, war eine Reaktion auf die Proportionen der grossen, mit Tageslicht beleuchteten Ausstellungsräume der Kunsthalle, welche die Künstler an Archivfotografien der Weltausstellung von 1897 in Brüssel erinnerten - aber auch daran, dass Basel als Messestadt bekannt ist, vor allem durch die Kunstmesse und die Uhren- und Schmuckmesse.

In ihrer eigenen Basler Messe werden de Gruyter und Thys etwa 500 neue Zeichnungen auf Papier zeigen, auf denen die banalen und erschreckenden Ereignisse unseres täglichen Lebens zu sehen sind. Ausgangspunkt der Zeichnungen ist „ein schmutziges, dunkles Gemisch gefundener Bilder von allem und nichts", von Flugzeugen, Eröffnungen, Amateurtheater und Tieren zu Gebäuden, Töpfen und Pfannen, Sonnenbrillen und Geschirr. Die Künstler haben diese Bilder akribisch und sorgfältig nachgezeichnet, gelegentlich auch eigene Interpretationen zulassend. Der Titel der Ausstellung, PROJEKT 13, bezieht sich auf dieses langwierige, zeitaufwendige Projekt. De Gruyter und Thys beschreiben es als „Projekt einer nicht definierbaren Gruppe von Technokraten, einer höheren Instanz, die zurückblickt auf das Leben auf der Erde und alles aufzeichnet, was sie findet". Der alles registrierende Blick auf die Welt erinnert an Honoré de Balzacs „La Comédie Humaine". Dieses realistische Porträt der französischen Gesellschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in 137 Ausgaben sollte die spiessbürgerliche Gesellschaft und den Kapitalismus in Frage stellen.

Man kann die Arbeit von de Gruyter und Thys als den Versuch verstehen, ein Porträt der Gesellschaft von heute zu zeichnen. Ein wiederkehrendes Element ist dabei die Konzentration auf den Akt des Sehens, der verschiedene Formen annimmt und in Personen wie Tieren oder Dingen gleichermassen präsent ist: passiv, aggressiv, mal nach innen dann nach aussen gerichtet, bedrohlich, beängstigend. Es ist nicht nur der Betrachter, der aktiv auf die Arbeiten blickt, die Arbeiten von de Gruyter und Thys erwidern seinen Blick: von den Wänden der Messestände herunter und von oben herab, etwa wenn in zwei Räumen drei enigmatische männliche Köpfe, die auf hohen Podesten über die Ausstellungstrennwände ragend aufgestellt sind, auf den Besucher herabschauen. Es handelt sich um zwei Variationen von „De Drie Wijsneuzen van Erembodegem" (Die drei Naseweise von Erembodegem), die ursprünglich als Vorschlag für eine Kreisverkehr-Skulptur nahe des Dorfes Erembodegem in Flandern konzipiert wurden.

Der Gang durch die ‚Messe' leitet den Besucher schliesslich zum neuen Film der beiden Künstler, der im letzten Raum der Ausstellung in einem eigens eingerichteten Auditorium mit übergrosser Leinwand und Reihen von Bänken, ähnlich denen in Kirchen, gezeigt wird. Der Film bildet den Höhepunkt des Parcours - eine spirituelle Erfahrung aus abstrakten Bildern und einer erzählten Geschichte, welche die unterschiedlichen gedanklichen Linien der Ausstellung nochmals hervorhebt und miteinander verbindet.

Die Ausstellung wurde mit Sachleistungen unterstützt von Vidi-Square

Freitag, 22.01.2010, 22 Uhr
The Problem - Performance von Jos de Gruyter und Harald Thys anlässlich der Museumsnacht

Jos de Gruyter und Harald Thys' Arbeiten waren kürzlich in Einzelausstellungen bei Culturgest, Lissabon; Kaleidoscope, Mailand; Pro Choice, Wien; Dépendance, Brüssel (alle 2009); Isabella Bortolozzi, Berlin (2008); Frac Ile-de-France/le Plateau (Doppelausstellung mit François Curlet), Paris (2007) und Meddelheim Museum, Antwerpen (2002) zu sehen. Die Künstler nahmen an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, darunter: The Filmic Conventions, FormContent, London; All That is Solid Melts into Air/The Thing, MUHKA, Antwerpen; Un scene, Wiels; The Invisible Hand, Sommer Contemporary Art project space, Tel Aviv; Künstlerhaus Stuttgart (alle 2009); Manifesta 7, Trento; When Things Cast No Shadow - 5. berlin biennale für zeitgenössische kunst, Berlin (beide 2008); The Go-Between, de Appel, Amsterdam (2007); La Belgique Visionaire, Bozar, Brüssel (2005); Marking the Territory, Irish Museum of Modern Art, Dublin (2001).

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