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Einzelausstellung: János Fodor - Drawings and Objects (vorbei)

14 Januar 2010 bis 27 Februar 2010
  János Fodor
János Fodor
w.t.
© L.A.Galerie
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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Zsolt Petranyi
Der Reiz der Monotonie

Janos Fodor bringt urbane Raume zum Klingen, er schafft fantastische Lebewesen und findet im Gewohnlichen das Besondere. Kunst- und Alltagswelt gehen bei ihm fliesend ineinander uber. Als Ausdrucksmittel nutzt er die Zeichnung, die Fotografie, die Video- sowie die Objektkunst, um sich mit der Wahrnehmung von Realitaten und dem Verhaltnis von Oberflache und Substanz auseinander zu setzen.

Nach seiner Begegnung mit Werken der .Wilden Malerei\ der 1980er Jahre stand fur Janos Fodor fest, dass er dieser expressiven, lauten Gestik etwas komplett anderes entgegensetzen wollte. In den 1990er Jahren entdeckte der Kunstler fur sich das Medium der Zeichnung und deren Moglichkeit Wesentliches verkurzt darzustellen. Den Anfangspunkt in Fodors Werk markieren kleinformatige, stark reduzierte Zeichnungen, die zarte Lebewesen, amorphe Formen oder teilweise nur einfache Linien beinhalten. Der Bildgegenstand ist in der Blattmitte konzentriert und kommt dabei vollig ohne Hinter- und Vordergrund aus. Nicht aus einer gedanklichen Idee, sondern aus der physischen Bewegung heraus entstanden jene Arbeiten, die uns in ihrer Spontaneitat am Gedankenlauf des Kunstlers teilnehmen lassen.

Fodors Formensprache orientierte sich dabei weniger an anderen bildenden Kunstlern oder vergangenen kunstlerischen Tendenzen, sondern folgte eher einer Stromung zeitgenossischer elektronischer Musik. So wie der Punk einen starken Einfluss auf die Malerei der .Jungen Wilden\ in den 1980er Jahren ausubte, pragte die Szene des .Minimal-Techno\ der 1990er Jahre die zeichnerische Arbeit von Janos Fodor. Minimal, als experimentelle Weiterentwicklung des Techno, ist charakterisiert durch seine niedrige Geschwindigkeit und eine stark monotone Struktur, die durch verschiedene Klange, kleine Unregelmasigkeiten und angedeutete Melodien variiert wird. Die Zeichnungen von Fodor folgen einem ahnlichen Muster. Bei aller Reduktion und Klarheit, sowohl in der sparsamen Verwendung von Linien und Flachen als auch in der Farbigkeit, finden sich uberraschende Effekte und Stormomente. Dies geschieht durch eine farbliche Betonung, narrative Verknupfungen zwischen den Bildgegenstanden oder auch durch das Einstreuen bekannter Bildzitate aus der Alltags- und Popkultur. Vor allem die grosformatigen Zeichnungen widersetzen sich einer einfachen Deutung und bieten so fur den Betrachter Raum fur Assoziationen und Gedankenspiele.

Die Kamera ist Janos Fodors standiger Begleiter auf seinen Reisen sowie bei alltaglichen Streifzugen durch Stadtlandschaft. So entsteht eine umfangreiche zusammenhangende Sammlung von Einzelbildern, die unter dem Projekttitel .Archivity\ gebundelt werden. Einem dokumentarischen Ansatz folgend bewegt sich Fodor wie ein Flaneur durch den urbanen Raum und hält dabei fest, was er in dem Moment wahrnimmt: Straßenschilder, Ladengeschäfte, Häuserecken, Stadtbewohner und vieles mehr. Doch der Betrachter sieht nie eine ganze Ansicht des Bildgeschehens, sondern lediglich Ausschnitte, Reflexionen oder Spiegelungen. Auf einigen Fotos scheinen die gezeigten Situationen und Gegenstände oft nicht das zu sein, was sie darstellen. (…)

In diesem Zusammenhang lassen sich auch die Objekte von János Fodor betrachten, in denen er alltägliche Gegenstände bearbeitet. So hat er beispielsweise bei drei Objekten, einem Tischtennis-, einem Golf- und einem Tennisball das Innere nach Außen gekehrt. Die sichtbare Außenhaut verschwindet jeweils ins Ballinnere und wird unsichtbar, während das eigentlich unsichtbare Innenleben nun die äußere Oberfläche bildet. Die Bälle verlieren dadurch ihren eigentlichen Zweck und bieten uberraschende Ansichten; insbesondere der Tennisball, der in seiner neuen Form eher an ein UFO oder an den behelmten Kopf eines Soldaten erinnert.
(...)

Fodor selbst beruft sich auf die Fluxus-Bewegung und deren Erklarung, dass jeder ein Kunstler sein konne und dass Kunst und Leben untrennbar miteinander vereint seien. Deutlich wird diese Haltung an einer Reihe von kleinen Objekten. Aus einfachen Weinkorken hat Janos Fodor inzwischen ein ganzes Universum von einzigartigen Wesen geschaffen: Menschen, Tiere, kleine Kobolde und Damonen wurden aus dem naturlichen Material geschnitzt und mit Draht und Farbe komplettiert. .Do it Yourself Art\ nennt Fodor diese Kunstwerke, die er jederzeit unabhangig von seinem Aufenthaltsort anfertigen kann und die dadurch fest in seinen kunstlerischen Alltag integriert sind.

Janos Fodor gebraucht zwar unterschiedliche Medien, sie alle dienen ihm jedoch dazu, die gleiche Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven zu umkreisen: Ist das Sichtbare wirklich das, was es zu sein scheint oder konnte es auch etwas anderes sein? Seine Untersuchungen uber das Verhaltnis von Oberflache und Substanz fuhrt er anhand von alltaglichen Gegenstanden und Situationen durch. Fragmentarische Bilder, kleine Objekte, trivialen Materialien, kurze Videoclips und stille Fotografien . Janos Fodors Arbeiten sind zuruckhaltend in der Geste, aber nicht im Ausdruck. Er offenbart dem Betrachter die Schonheit des Alltags, das Kuriose, das Chaotische - den Reiz der Monotonie.

Katja Melzer

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