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Einzelausstellung: Matthew Benedict - THE CANTERVILLE GHOST (vorbei)

24 April 2010 bis 5 Juni 2010
  Matthew Benedict - THE CANTERVILLE GHOST
Matthew Benedict
 
  Mai 36 Galerie

Mai 36 Galerie
Rämistrasse 37
8001 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 1 261 68 80
www.mai36.com


MATTHEW BENEDICT - The Canterville Ghost

Vernissage: Freitag, 23. April 2010, 18 bis 20 Uhr

Ausstellungsdauer: 24. April bis 5. Juni 2010Öffnungszeiten: Di-Fr 11 bis 18.30 Uhr, Sa 11 bis 16 Uhr

Bereits zum dritten Mal präsentieren wir in einer Soloausstellung Werke des in New York lebenden Künstlers Matthew Benedict (geb. 1968 in Connecticut, USA). Nach seiner viel beachteten ersten musealen Einzelpräsentation im Von der Heydt-Museum Wuppertal in Deutschland im Jahr 2008, zu deren Anlass ein umfassender, monografischer Katalog publiziert wurde, folgten internationale Gruppenausstellungen, so die Teilnahme an der 1. Prag Triennale. Unter dem Titel The Canterville Ghost zeigt die Mai 36 Galerie Werke, die durch die Auseinandersetzung mit magischen Phänomenen und illusorischen Effekten geprägt sind.

Matthew Benedict fasst den Begriff des Magischen über seine transzendentale Bedeutung hinaus etwas weiter. Ihm gelten auch die vom Menschen nur passiv empfangenen Einwirkungen und Geschehnisse, die mit reiner Logik nicht erklärbar scheinen, als magisch. In seinen medial vielfältigen Arbeiten - Gemälden, Stickereien, Fotografien und Skulpturen - verdeutlicht er, dass das Magische allgegenwärtig und zu einem mannigfachen Konsumobjekt geworden ist. So werden Alltagsprodukte damit beworben, dass ihre ausserordentliche Wirkung nur durch eine "magische" Ursache zu erklären sei. Magie wird in einer steigenden Flut des Irrationalismus, als Gegenwelt zur Normalität des Alltags aufgebaut, dabei nicht nur konsumiert, sondern auch in zahlreichen Varianten praktiziert.

Abgesehen von dieser Auseinandersetzung mit dem Magischen widmet sich Matthew Benedict kontinuierlich der Weiterentwicklung einer neuen Bildsprache, die sich intensiv mit Bildtraditionen beschäftigt. Das Gemälde The Shipwreck and The Letters Home gibt vor, ein grosser gerahmter Druck mit zerbrochenem Glas zu sein, zwischen beidem liegen willkürlich verstreute Briefe und eine Postkarte. Das Schiff auf diesem Gemälde ist die "Princess Augusta", die 1783 vor Block Island (Rhode Island) auf Grund lief, kenterte und im Laufe der Jahre zu einem berühmten Geisterschiff wurde, das angeblich immer wieder als ein leuchtendes Feuer am Horizont erscheint. Der Trompe-l'œil-Effekt verstärkt den magischen Moment dieser sagenumwobenen Geschichte. Gleiches gilt für das Quodlibet (lat., "was beliebt") Three Wands (The Lord of Established Strength), ein illusionistisches Gemälde mit drei eingerahmten magischen Stäben auf rotem Samt aus dem Besitz des Künstlers. Der obere Stab war einmal das Bein eines Klavierhockers, der mittlere stellt eine Bruderschaftsfackel aus dem 19. Jahrhundert dar, der untere Stab ist von der Art, den Bühnenzauberer benutzen. Den Abschluss bildet die Spielkarte "Kreuz Drei", die im Tarot auch als "Herr der gefestigten Kraft" bezeichnet wird, ein Titel, der auf ihre divinatorische Bedeutung verweist.

Die Wurzeln des Trompe-l'œil, das als Superlativ der illusionistischen Kunst gilt, reichen bis in die Antike zurück. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte es in der flämischen Kunst des 17. Jahrhunderts. In der Betrachtung eines Trompe-l'œil verschränken sich zwei Arten des Blicks: Es bedarf immer desjenigen, der sich täuschen lässt (der Betrachter) und des anderen, der die Regeln durchschaut und den ersten beobachtet (der Künstler). Am Ende ist jeder Betrachter eines Trompe-l'œil beides: naiv, das heisst täuschungsbereit oder bildgläubig und zugleich reflexiv. Die Verschränkung der beiden Betrachtungsweisen begleitet ein Moment der Entspannung. Was als kognitive Probe zu beginnen schien, endet als spielerisches Geschehen, als Lust am Schein. Matthew Benedicts Gemälde sind eine zeitgenössische Variante dieser Spielart. [Text: Oliver Zybok]

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