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Einzelausstellung: Jasper de Beijer - Udongo (vorbei)

5 September 2009 bis 31 Oktober 2009
  Jasper de Beijer - Udongo
 
www.tzrgalerie.de TZR Galerie Kai Brückner

TZR Galerie Kai Brückner
Poststraße 3 / Galeriehaus, im Hof
40213 Düsseldorf
Deutschland (Stadtplan)

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www.tzrgalerie.de


Udongo. Das Wort findet im europäischen Sprachschatz vorerst keine Entsprechung. Sein Klang jedoch erzeugt Bilder aus Afrika und verortet Udongo zwischen Stroh- und Wellblechhütten, Agrarkultur und Ölkanistern, mystischen Ritualen und Korruption. Vor dem geistigen Auge des Betrachters erwächst ein irrealer afrikanischer Ort aus imaginierten und medial vermittelten Bildern, von anthropologischen Studien aus dem 19. Jahrhundert über Expeditionsberichte bis hin zu Bilderstrecken von Kindersoldaten aus politischen Magazinen.

Der Niederländer Jasper de Beijer ist ein Sammler dieser Vorstellungsbilder und ihrer Ursprünge. Er konstruiert in seinen großformatigen Fotografien Sujets, anhand derer man die Dichotomie von urbaner afrikanischer Tradition und gescheiterter Modernisierung durch den Kolonialismus ablesen kann. Ein Autoreifen dient als Feuerstelle und die Musik zum Voodoozauber dröhnt aus einem Ghettoblaster.

Der Künstler setzt sich mit der europäischen Kolonialgeschichte und der damit einhergehenden Konstruktion von Fremdheit und Geschichte sowie mit deren Vermittlung innerhalb unseres kulturellen Kontextes auseinander. Eine Thematik, die als roter Faden bereits alle bisher entstandenen Serien „Buitenpost“, „The Devil Drives“, „Cahutchu“, „Heroes and Ghosts“, „Le Sacre De Printemps“ und „The Riveted Kingdom“ miteinander verknüpfte. De Beijer interpretiert Kolonialismus gemäß dem lateinischen Wortstamm „colere“, was „bauen/ kultivieren“ bedeutet. In Bezugnahme auf seine Erinnerungen an eine Afrikareise und auf (später in langwieriger Recherche) gesammelte Quellen baut er dreidimensionale Miniaturlandschaften in sein Studio ,um diese im Anschluss fotografisch zu fixieren. Direkt körperlich beteiligt ist der Künstler beim Arangement des Bildpersonals. Neben einer beinahe lebensgroßen Puppe, die er in verschiedenen Positionen arrangiert und fotografiert, schlüpft de Beijer selbst in ein Affenkostüm oder in eine Ganzkörpermaske. Als Akteur vor der Kamera fungiert er in einigen Bildern der Serie 'Udongo' als darstellendes Objekt innerhalb einer kulissenartigen Studiolandschaft.

Die eindringlichen Szenarien in 'Udongo' entstehen sowohl durch Montagearbeit am Computer als auch mit Hilfe gebauter Bühnen. De Beijers Figuren und Orte wachsen digital zusammen. Dabei leugnen seine Bilder gerade nicht ihren Charakter der Konstruktion und Inszenierung.

Trotz des betont kulissenhaften Eindrucks der Darstellungen haben sie nur wenig von ihrer realistischen Wirkung einbüßen müssen. Die Größe der Arbeiten, Lichtregie und Kompositionen binden den Betrachter unmittelbar in das Geschehen ein: In einem Zimmer bei diesigem Gegenlicht sitzt ein Mann mit Sonnenbrille, flankiert von zwei weiteren Männern, an einem Tisch. Dieser wird mit der Kante an den unteren Bildrand gerückt, wodurch sich das Bild in den Betrachterraum öffnet und die Schwelle zwischen Konstruktion und Wirklichkeit markiert. So zitiert de Beijer bewusst jene Aspekte medialer Bildgestaltung, auf der unser „Fürwahrhalten“ gründet. Zu vertraut erscheinen die vermummten jungen Afrikaner die mit ihrem ausrangierten Pick-up durch den Sand jagen.

Ähnlich wie Valentin Mudimbe den afrikanischen Kulturraum als Erfindung einer europäischen Weltsicht beschrieben hat, zeigt Jasper de Beijer ein Afrika, das sich in der Peripherie von importierten Gütern und „natürlicher Ursprünglichkeit“ befindet. De Beijers Afrika erblüht auf dem Boden seine Inszenierungen. Boden heißt auf Swahili 'Udongo'. Der Künstler untersucht in all seinen Serien Distanzen. Ereignisse und Orte seiner Sujets sind weit entfernt oder lange her oder beides. Überbrückung durch Vermittlung entlarvt er als Kriterium von Konstruktion. Ohne selbst zu werten, untergräbt der Künstler Klischees, indem er sich ihrer bedient, und hebt dadurch das Manipulationspotential medialer Bilder hervor

Jasper de Beijers neunteilige Serie „Udongo“ ist ab dem 4. September 2009 in der TZR Galerie in Düsseldorf zu sehen.

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