Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Rapedius/Rindfleisch - Simulakren (vorbei)

1 Mai 2010 bis 5 Juni 2010
  Rapedius/Rindfleisch - Simulakren
Rapedius/Rindfleisch
 
  Galerie Martin Mertens

Galerie Martin Mertens
Linienstraße 148
10115 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49 (0)30 - 440 433 50
www.martinmertens.com


Nachdem in einer von Ludwig Seifarth 2009 kuratierten Gruppenausstellung schon eine Auswahl ihrer Arbeiten bei uns zu sehen war, präsentieren wir nun die erste Einzelausstellung des Künstlerpaares Rapedius/Rindfleisch in unseren Räumen.

Die Besucher - vertrauen sie ihrer Assoziationsfähigkeit und Fantasie - bewegen sich zwischen den Stämmen eines dichten Waldes, bewundern die filigrane Struktur der Baumschwämme und schauen wie Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer" gedankenverloren in die diesigen Weiten eines endlosen Gebirges - und doch befinden sich im Raum nur Pappbecher, Fotokopien und gefaltetes Papier. Obwohl Martina Rapedius und Thomas Rindfleisch überwiegend mit Materialien der modernen Industriegesellschaft arbeiten, behandeln sie doch ein Thema, welches in der Kunstgeschichte eine lange Tradition hat: die Landschaft bzw. die Naturdarstellung.

Zur "Herstellung" ihrer scheinbaren Naturphänomene verwenden sie seelenlose Serienprodukte, die leicht verändert, meist lediglich gereiht, gestapelt oder gefaltet werden. Dabei ist ihre Farbpalette auf schwarz und weiß reduziert, um die verwendeten Materialien und ihre Strukturen noch stärker ins Blickfeld zu rücken. Diese Materialien werden auf ihre Möglichkeiten überprüft: Papier wird zusammen- und wieder aufgefaltet, seine Leichtigkeit wird im Nebelgebirge und seine Festigkeit in den Schwämmen demonstriert, womit ein gewisser Forscherdrang sichtbar wird. Oder verbirgt sich hier gar eine leicht romantische Sehnsucht nach dem Einklang von Natur und Kultur? Das natürlich Gewachsene wird ersetzt durch ein massenhaft auftretendes Industrieprodukt, insofern scheint auch eine gewisse Melancholie und Zivilisationskritik in ihrem Werk zu liegen. Gleichzeitig findet aber auch eine Poetisierung dieser Materialien statt, indem sie spielerisch und in struktureller Analogie zu natürlichen Objekten verwendet werden. Ihr Umgang mit Papier scheint eine, durch die Entwicklungen in westlichen Kunstströmungen des 20. Jh. wie Minimalismus und Konstruktivismus gefilterte, reduzierte Form der traditionellen japanischen Origamie zu sein. Alle Arbeiten sind leicht zu bewegen und lassen sich an andere Orte und Räume anpassen.

Viele Objekte können wieder zusammengefaltet oder -gelegt werden und sind somit mobil, leicht, fast flüchtig.
Der Entstehungsprozess von den ersten Ideen über die Materialwahl zu den Reihungen der Einzelelemente und ihrer Bearbeitung bis hin zur Anordnung und Konfrontation miteinander ist für das Verständnis ihres Werkes von zentraler Bedeutung. Den formalen Ketten ihres Ausgangsmaterials entsprechen inhaltliche Assoziationsketten. Diese Assoziationen können formal oder auch thematisch bedingt sein, sehr naheliegend oder sehr überraschend. Ihr Werk scheint sich wie evolutionäre Naturprozesse, die durch Anpassung, Selektion und Mutationen geprägt sind, zu entwickeln. Durch Neukombination und Selektion wird die Welt neu konstruiert und damit - so Roland Barthes Definition von Simulacrum - einsehbar gemacht. Rapedius/Rindfleisch laden den Betrachter ein, ihren minimalistischen Naturraum in der Galerie zu entdecken.

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.