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Einzelausstellung: Matti Braun - Pierre Pierre (vorbei)

1 Mai 2010 bis 29 Mai 2010
  Matti Braun - Pierre Pierre
Matti Braun
 
  Esther Schipper

Esther Schipper
Schöneberger Ufer 65
10785 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)30 37 44 33 133
www.estherschipper.com


Mit "Pierre Pierre" setzt Matti Braun eine Spurensuche fort, die im Senegal und in Marokko begann. Für die vierte Einzelausstellung bei Esther Schipper verändert der Künstler die Architektur der Ausstellungsräume grundlegend.

Den Hintergrund für die Präsentation neuer Arbeiten bilden fluoreszierende Wände und Decken, die mittels UV-Licht zum Leuchten gebracht werden. In die Galerieräume eintretendes Tageslicht erzeugt eine sich stetig verändernde Lichtatmosphäre. Der für die Galerie charakteristische Parkettboden wird von einer Estrichschicht überlagert - Matti Braun bereitet für "Pierre Pierre" einen eigenen Boden.

Der Künstler präsentiert erstmalig eine in Stahlrahmen gefasste Werkgruppe von Aquarellen auf Rohseide und Baumwolle. Die Aquarelle wurden von Matti Braun von Hand gefertigt und sind Unikate. Sie entstammen einem experimentellen textilen Bearbeitungsverfahren und sind eine Weiterführung seiner Batiken, Wandbehänge und Patolas, die im Gegensatz zu den Aquarellen durch traditionelle autodidaktisch erlernte Techniken entstehen.

Den farbigen Offset-Drucken mit dem Titel "Pierre", die bereits 2009 im L'appartement 22, einem unabhängigen Ausstellungsraum in Rabat (Marokko), gezeigt wurden, stellt Matti Braun mit der Serie "Pierre Pierre" eine neue zehnteilige Serie schwarz-weißer Offset-Drucke gegenüber. "Pierre Pierre" zeigt uns Motive unterschiedlichen Ursprungs. Die Information, dass die Fotografie einer afrikanischen Maske in "Pierre" ein Plakatmotiv für das erste "Festival des Arts Nègres" in Dakar 1966 war, verweist konkret auf die Person Léopold Sédar Senghor, dem Lyriker und ersten gewählten Präsidenten Senegals von 1960 bis 1980. Verschiedene Geschichten, die mit Senghor in Zusammenhang stehen, sind zentraler Fluchtpunkt der Serien "Pierre" und "Pierre Pierre". Zuweilen verästeln sich die Bezüge der Bilder jedoch soweit, dass sie ein Eigenleben zu entwickeln beginnen. So finden sich auch sehr persönliche Dokumente Matti Brauns, wie die Aufnahme eines Strandes, einer Baumkrone oder eines Marmorfußbodens, in dem sich farbiges Licht spiegelt.

Der Besucher von "Pierre Pierre" tritt ein in ein heterogenes Universum von Bildern, deren Inhalte sich im Sinngeflecht ihrer spezifischen Zusammengehörigkeit erschließen. Wie entsteht Geschichte? Mit dem Erzählen und Aneinanderfügen einzelner Geschichten. Diesen fragilen Prozess kultureller Sinnproduktion führt uns Matti Braun mit seinen Bildercollagen vor Augen und geht doch gleich wieder einen Schritt zurück. Sein Bilder-Universum ist zu instabil, um zu produzieren und zu spekulativ, um Zusammenhänge zu fixieren. Das bleibt uns überlassen - in einem Raum, der dieses Begehren umfängt und uns zugleich zwingt zu fragen, welchen Zweck wir damit verfolgen.

Vom 21. Mai bis zum 10. Juli 2010 präsentieren Matti Braun und Rudolf G. Smend traditionelle, indonesische Batiken aus der Sammlung Rudolf G. Smend bei BQ Berlin. (Zu Gast bei BQ: Matti Braun und Rudolf G. Smend, Eröffnung 20. Mai, 18-21 Uhr)

Matti Braun, geboren 1968 in Berlin-Spandau, lebt und arbeitet in Köln. Er studierte an der Städelschule in Frankfurt/Main und der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Zuletzt präsentierte der Künstler seine Ausstellung "Pierre" im L'Appartement 22 in Rabat, Marokko und die Einzelausstellung "Kola", im Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz. Die Ausstellung "Özurfa" wurde 2008 sowohl im Museum Ludwig in Köln als auch im Museion in Bozen gezeigt. Im selben Jahr präsentierte Matti Braun eine Einzelausstellung bei BQ in Köln und 2007 die Ausstellung Lota bei Esther Schipper in Berlin. Im September wird Matti Braun eine Einzelausstellung im Kunstverein Braunschweig und im Dezember bei La Galerie in Noisy-le-Sec eröffnen. Des Weiteren ist Matti Braun im Herbst an Gruppenausstellungen bei Crédac in Ivry-sur-Seine und im Kunstverein Nürnberg beteiligt.

Begleitend zu "Pierre Pierre" bei Esther Schipper erscheint ein Text von Jakob Vogel und ein Ausstellungsheft.

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