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Einzelausstellung: Michael Wesely - Time Works (vorbei)

9 Juni 2010 bis 17 Juli 2010
  Michael Wesely - Time Works
Michael Wesely
 
  Nusser & Baumgart

Nusser & Baumgart
Steinheilstr. 18
80333 München
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)89 - 22 18 75
www.nusserbaumgart.com


Nusser & Baumgart freut sich, die neuen Galerieräume in der Steinheilstraße 18 mit einer Einzelausstellung von Michael Wesely (*1963) zu eröffnen.

"In den letzten Jahren zeichnet sich im Selbstverständnis Michael Weselys eine Haltung ab, die das Bestreben erkennen lässt, seine künstlerischen Vorstellungen in bestimmter Weise konzentrierter und intensiver als bisher zu verwirklichen. Es ist hier nicht von einem Strategiewechsel die Rede, eher von einer vorsichtigen künstlerischen Neuorientierung in Verbindung mit einer kritisch selbstbewussten Revision seiner Produktion, die ihn bewogen hat, schon archivierte Arbeiten noch einmal zu überprüfen. Mit der in der Ausstellung vorliegenden Auswahl der Bilder bekennt sich Wesely zu dieser Revision. Sie enthält neben überwiegend neueren Bildern auch einige ältere Beispiele und greift gelegentlich auf weiträumige Aufnahmen zurück, denen Details entnommen und in Vergrößerung als Bilder von eigener Geltung vorgestellt werden. Bei allem ist ein frischer Impuls zu spüren...

Wesentlich in Weselys Fotografien ist das Licht. Das Licht entscheidet semiotisch blind über die Sichtbarkeit des Geschehens, und Wesely steuert das Licht so, dass es die Bilder zum Vorschein bringt, die er der Wirklichkeit abzunehmen hofft. Er nimmt auf, was seine Kamera zu sehen bekommt, erreicht aber mit Hilfe unüblicher und extrem ausgedehnter Belichtungszeiten, dass die Bilder von dem Anblick abweichen, den wir zu sehen gewohnt sind. Diese apparativ hergestellte Abweichung beruht (...) auf einer Abweichung von der Konditionierung unserer Wahrnehmung. Dabei benutzt Wesely das Licht nicht nur zur Illustration der Zeit des Geschehens, die unserer Aufmerksamkeit normalerweise entgeht, er macht es implizit zum Thema. Er nimmt das Licht beim Licht wie man ein Wort beim Wort nimmt.

Die Bildlegenden mit ihren Angaben zum Ort und zur Zeit der abgebildeten Aufnahmen ergeben nach und nach einen Index, in dem die Tätigkeit Weselys verzeichnet ist. Sie lassen sich als Hinweis auf die abgebildete Realität lesen, so dass wir das jeweilige Bild mit seinem inhaltlichen Anlass identifizieren können, und sie geben an, wo wir uns befänden, wenn wir der Einladung des Bildes folgen und seine Entstehung nachvollziehen könnten. Nichtsdestoweniger entpuppt sich diese so realistische Referenz als Hinweis auf einen konzeptuellen modus operandi von eher irreal anmutender Anschaulichkeit.

Wesely entledigt sich des notorischen fotografischen Realismus, indem er die Bilder in manchmal erheblichem Maße von den Zwängen der Eindeutigkeit und der Wiedererkennbarkeit suspendiert. Er versetzt die Bilder in anhaltende Aufnahmebereitschaft, heißt Zufälle willkommen, durchbricht den Stumpfsinn der Oberflächen, rüttelt an ihrem zur Selbstgewissheit gewordenen Anblick und beantwortet die konventionelle Starrsinnigkeit der Wiedergabe mit der Unschärfe des nur noch zu Ahnenden. Kurz, er bezweifelt die Bilder der Realität mit Hilfe der Realität seiner Bilder...

So scheint sogar noch etwas anwesend zu sein, das längst nicht mehr da ist. Wir erleben in den Bildern Weselys die Anwesenheit des Abwesenden im Zeichen seiner Abwesenheit oder, anders ausgedrückt, die vorübergegangene Sichtbarkeit des längst wieder Unsichtbaren...
Wenn wir im Schlaf zusammen mit den Gegenständen aus der Zeit aussteigen, dann lassen wir ihren Traumgestalten freien Lauf. Doch die Kamera schläft nicht. Wesely fotografiert keine Träume, auch wenn einige seiner Aufnahmen traumhaft schön sind. Die ihm zufallende Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen ist einem technischen Übertragungsmanöver zu verdanken, das ihm erlaubt, es der Wirklichkeit zu überlassen, in welchem zeitlichen Zustand sie sich uns präsentieren will...

Stärker als je zuvor arbeitet Wesely heute an der Medialität des fotografischen Bildes. Er geht bis an die Grenzen des Sichtbaren und möchte ansichtig machen, was es zu sehen gibt, gerade auch dann, wenn es sich uns entzieht. Er möchte wissen, hinter welchen Horizonten das Unsichtbare beginnt, welche Botschaften uns die Teleskopie des Timing sendet und wie belastbar der lichtempfindliche Empfänger ist."

(Jürgen Harten, Auszug aus dem in Vorbereitung befindlichen Katalog "Michael Wesely. Time Works", 2010, Schirmer/Mosel)

Michael Wesely (*1963 in München) lebt in Berlin. Weselys Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Museen und Institutionen wie Alte Nationalgalerie (Berlin), Berlinische Galerie (Berlin), Museum of Modern Art (New York), Museum voor Fotografie (Antwerpen), Bundeskunsthalle (Bonn), Palais des Beaux-Arts (BOZAR, Brüssel), Martin-Gropius-Bau (Berlin), Hamburger Bahnhof (Berlin), Museo de Arte Contemporaneo (Santiago, Chile), Institut für Moderne Kunst (Nürnberg), Museum für Moderne Kunst (Moskau), Deichtorhallen (Hamburg), Haus der Kunst (München), Kunstmuseum (Bonn) gezeigt und lassen sich regelmäßig auf Fotografie-Biennalen und -festivals wiederfinden. Darüber hinaus befinden sie sich in renommierten internationalen Sammlungen, unter anderem im Museum of Modern Art (New York), in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus (München), der Daimler Art Collection (Berlin/Stuttgart), der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland (Bonn) und der Bayerische Staatsgemäldesammlungen
(München).

Michael Wesely besuchte von 1986 bis 1988 die Bayerische Staatslehranstalt für Fotografie in München. Anschließend studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München.

EINZELAUSSTELUNGEN (Auswahl)
2010
"Time works", Nusser & Baumgart, München (K)
2007
"Stilleben", Gemeentemuseum, Den Haag (K)
2006
"Begegnung mit Caspar David Friedrich", Alte Nationalgalerie Berlin (K)
"Open Shutter", Project Galerie Fahnemann, Berlin
2005
"Die Erfindung des Unsichtbaren" Guardini Galerie Berlin, Fotohof, Salzburg, (K)
"Arquivo Brasília" (in Zusammenarbeit mit Lina Kim), Teatro Nacional, Brasília
2004
"Open Shutter" Project Museum of Modern Art, New York (K)
"Ostdeutsche Landschaften", Galerie Fahnemann, Berlin (K)

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
2010
"Entretiempos", Teatro Fernan-Gomez Arts Center, PhotoEspaña, Madrid
"Summer Loves", Huis Marseille, Amsterdam
2009
"Berlin 89/09 - Kunst zwischen Spurensuche und Utopie", Berlinische Galerie, Berlin (K)
Dasigaehang Incheon Art Platform, Südkorea (K)
"Retratos de Nueva York: Fotografías del MoMA", Art La
Casa Encendida, Madrid (K)
2008
"Stille Landschaften", Städtischen Galerie Lüdenscheid (K)
"Michael Wesely & L'anverre", The Columns, Seoul
"Visite - Von Gerhard Richter bis Rebecca Horn. Werke aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland", Bundeskunsthalle Bonn
2007
"Visite - Contemporary Art in Germany", Palais des Beaux-Arts, Brüssel
"Reality Crossings" (with Lina Kim), 2nd Fotofestival Mannheim (K)
2006
"Spectacular Citiy", Netherlands Architecture Institute, Rotterdam (K)
Rohkunstbau XIII, Groß Leuthen (K)
"Die Schönheit der Chance", Institut für Moderne Kunst, Nürnberg (K)
"Futebol - Desenho sobre Fundo Verde", Fundo Verde CCBB, Rio de Janeiro (K)
"herzog & de meuron no. 250", Haus der Kunst, München, (K)
"Arquivo Brasília 9" (mit Lina Kim), Havanna Biennale, Kuba (K)
"Metropolitanscape", Palazzo Cavour, Turin (K)

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