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Gruppenausstellung: alles/nichts/oder (vorbei)

5 Juni 2010 bis 31 Juli 2010
  alles/nichts/oder
Daniel Biesold
Exhibition view Galerie koal
2 x "o. T."
2010 / 150 x 150 cm
Mischtechnik auf Leinwand/Holz
 
  Galerie Koal

Galerie Koal
Brunnenstrasse 25 B
10119 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 308 74 690
www.galeriekoal.com


Ausstellungstext von Nicola Graef:

da hängt sie, die leinwand, fast ganz weiß, fast nichts, vermeintlich nichts. denn in den bildern des berliner künstlers daniel biesold (*1964) ist alles im nichts verborgen. der betrachter wird allein gelassen, sich mit dem nichts zu beschäftigen, lässt er sich ein, kann er alles sehen, ist er gehetzt, wird er vielleicht nichts sehen, fragt er sich, was das soll, ist es schon zu spät… wenn sich figuren auflösen, dann entsteht unruhe. die unruhe, die nach schnellem verständnis verlangt. doch eine schnelle erklärung gibt es auch bei dem in nürnberg arbeitenden maler kai klahre (*1981) nicht. auf bis zu 10 zentimetern winzigen bildern, kämpfen sich die figuren aus der farbe heraus oder werden gleichermaßen von der farbe verschlungen. hier erscheint das ewige hadern zwischen dem sein und dem nichts, der hingabe und der aufgabe. klahres figuren suchen den halt in der form, um sich ihrer selbst zu vergewissern - doch das impliziert zugleich den zweifel, die suche und das verschwinden aller identität, es bleibt ein kampf um behauptung im raum des bildes, ein ringen um die vormundschaft der bedeutung, zwischen mensch und form…

der berliner fotograf ingo mittelstaedt (*1978) hält die form dagegen fest, inszeniert sie. vieles ist zu sehen, farbschichten, wie übereinander gestapelt, formverzerrungen. doch die bedeutung des gesehenen mag sich nicht so recht klären. da ist etwas, das könnte eine figur sein, oder auch ein abstraktes arrangement, oder vielleicht ist es doch nur ein schatten? ein papierstapel ins unkenntliche verfrachtet? nichts ist wie es scheint und doch scheint alles plausibel in den fotos… das nichts oder alles, oder auch beides, verbirgt sich auch in den schwarz gehaltenen leinwänden des berliner malers niels sievers (*1979). eine dunkle landschaft schält sich aus dem rahmen, erscheint nur leuchtend in nuancen, um sich schließlich hinter dem vermeintlich erkennbaren erneut zu verbergen. sievers bilder sind ein tanz zwischen dem verschwinden und dem aufleuchten. nicht sanft und eingängig, eher bedrohlich und wankelmütig sind die stimmungen, die in diesen dunkelheiten sichtbar werden und vieles unsichtbar-unsicher lassen…

direkt und offensiv dagegen der berliner bildhauer dennis feddersen (*1979). seine holzskulpturen fressen sich parasitär in die räume, um sich ihrer zu bemächtigen. alles im raum ist verschoben in dieser form, die so krakelig alles vereinnahmt, sich ihren weg bahnt, selbstbewusst, zielstrebig und unaufhaltsam. die form markiert hier eine eigene sprache, wird auf einmal zum beherrscher und bestimmer, alles ist auf einmal form, der raum ist verändert, selbst organisch geworden. der betrachter muss sich fügen… und wird auch noch beobachtet, von den 3 hamburger frauen. den künstlerinnen ergül cengiz (*1975), henrieke ribbe (*1979) und kathrin wolf (*1974). auch sie erobern den raum, sind überlebensgroß präsent auf der wand, die der boden ihrer gemälde ist. nicht schüchtern und zurückhaltend, meist fordernd, ironisch und mit einem selbtsbewussten gestus des „hier sind wir" setzen sich die künstlerinnen selbst in szene. sie wissen, sie sind vom verschwinden bedroht, eines tages werden sie wieder in der weißen wand, im nichts verschwinden, doch so lange sie da sind, sind sie alles, für sich, für den betrachter, für den raum…

alles/nichts/oder fragt nach dem, was in der form sichtbar wird, werden könnte, welche optionen im abstrakten liegen, wenn sich das entgegenständlichte dem wiedererkennbaren der gegenständlichkeit gegenüberstellt. wie verändert sich der blick, wenn das unbekannte und das scheinbar bekannte aufeinandertreffen? vermeintlich zwei welten und doch so viele gemeinsamkeiten. wo liegt die bedeutung, wie kommt sie da hin und was sehen wir: im nichts alles? nichts in allem oder ist alles alles - so kompliziert wie die deutsche sprache wird es nicht, aber die ausstellung in den räumen des galeristen stephan koal wünscht sich etwas: alles zuzulassen, nichts zu glauben oder einfach nur zu schauen.

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